Arbeitslosenquote in Amerika
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 07. Juni 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Sind sie bereit für richtig schlechte Nachrichten?
Nun denn, die Arbeitslosenzahlen in Amerika sind zwischen April und Mai von 4,7% auf 4,6% zurückgegangen. Das ist die geringste Quote seit Juli 2001, und damals befand man sich auf dem Gipfel der vom Internet ausgelösten Wertpapierblase.
Heute ist eine Arbeitslosequote von 4,6% etwas, wovon die meisten Regierungen nur träumen können. (So wie die Dinge im Moment stehen, ist das eine Arbeitslosenquote die weniger als halb so hoch ist wie die der europäischen Marktmächte Deutschland und Frankreich.)
Wenn Sie Amerikaner sind, dann können Sie vermutlich nicht anders und halten das für eine schlechte Situation. So stellen es zumindest die Medien gerne dar. („Rückgang der Arbeitslosenquote fiel geringer aus als erwartet.“) Und sogar die Bush-Regierung scheint so traumatisiert oder zurückhaltend, dass man nicht in der Lage ist, zu vermitteln, dass das gemessen an der vorangegangenen Rezession und den wirtschaftlichen Auswirkungen des 11. September eine spektakuläre Leistung ist.
Die Dauerbären werden darauf hinweisen, dass die Leute, die einen Job haben, auch weiterhin Geld ausgeben werden… und dass die Leute, die keine unmittelbare Gefahr der Arbeitslosigkeit erkennen können, mehr ausgeben als sie verdienen und dass sie zu wenig sparen. Augenscheinlich steht die einzige brauchbare Wirtschaft am Rande einer Katastrophe.
Ich sage zu all dem natürlich nur „fauler Zauber“.
Wenn es einen Markt gibt, bei dem ich meine Finger in der absehbaren Zukunft im Spiel haben möchte, dann ist es der amerikanische Wertpapiermarkt.
*** Ein kurzer Überblick über die tägliche Flut der e-letter hat mich zur Ruhe kommen lassen. Die Schläge, die der Goldpreis in der letzten Zeit einstecken musste, scheinen auch dem letzten Goldbug den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die dreisten Projektionen, die einen Goldpreis von 1000 Dollar und mehr versprachen, mussten den fast tragischen Liebes- und Zuneigungsbekundungen weichen, die man gegenüber dem Metall trotz allem zum Ausdruck brachte. Werden wir gerade Zeugen der Wiedergeburt der „gutgläubigen Goldinvestitionen“?
Es gibt immer noch einige wenige Meinungsmacher, die darauf hoffen, dass China sie aus der Goldblase freikauft. China, sagen sie, wird sich vom schwächer werdenden Dollar distanzieren wollen und anfangen, Gold zu kaufen um zu diversifizieren, vielleicht sogar den Goldstandard für die Devisen wieder einführen.
Aber hier wird die Realität sich vermutlich als schwer greifbar erweisen. Marino G. Pieterse, ein holländischer Goldanalyst und Herausgeber des Goldletter International – und offenkundig einer der wenigen Goldanalysten, die mit den wahren Zahlen arbeiten – schreibt:
“Während der Wert der Goldreserven im Besitz der elf wichtigsten Zentralbanken zwischen 1950 und 2005 von 29 Milliarden Dollar auf 197,7 Milliarden Dollar anstieg, ist der Wert der übrigen Einlagen von 5,6 Milliarden auf 1.139 Milliarden Dollar in die Höhe gejagt. Daher ist auch der Prozentsatz der Goldreserven an den monetären Einlagen von 84% im Jahr 1950 auf 15% 2005 zurückgegangen.
„In der Zwischenzeit sind die Devisenreserven in amerikanischen Dollar, die sich im Besitz der wichtigsten asiatischen Länder befinden, auf 2.204 Milliarden Dollar angestiegen, während Gold nur 1,49% der Gesamtsumme ausmacht. China hat die am stärksten steigenden Devisenrücklagen in Dollar und man geht davon aus, dass sie in diesem Jahr die 900 Milliarden Dollar Grenze noch überschreiten werden. Dennoch haben die chinesischen Zentralbanken kein Gold für 400, 500 oder 600 Dollar gekauft.“
„Es ist kaum damit zu rechnen, dass sie bei den aktuellen Preisen Gold kaufen werden“
„Es gibt immer noch die, die behaupten, dass das chinesische Wachstum verantwortlich für den Rückgang des Dollar wäre. Solche Argumente berücksichtigen aber normalerweise nicht, dass der chinesische Yuan eigentlich Teil des Dollarblocks ist, solange die Wertsteigerung des Yuan gegenüber dem Dollar eingeschränkt ist. – Und das auch trotz der Tatsache, dass der Yuan im Vergleich zum Dollar deutlich überbewertet ist, wie der jährliche Handelsüberschuss Chinas gegenüber Amerika beweist, der sich auf 200 Milliarden Dollar beläuft.“
„China wird nicht zulassen, dass der Dollar fällt, um so das wirtschaftliche Wachstum zu sichern. Als Gegenleistung wird man die Dollar-Defizite finanzieren. Es mag bei dieser Politik jedoch zu einer Veränderung kommen, wenn China vom Kauf von Staatsanleihen auf feste Vermögenswerte übergeht. In diesem Fall wird das Handelsungleichgewicht zwischen China und Amerika zurückgehen.“