Arbeiten für die Steuer

J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom


von J. Christoph Amberger in Baltimore

Ein australischer Wirtschaftswissenschaftler mit dem erzbritischen Namen Wolfgang Kasper hat berechnet, wie lange ein Durchschnittsbürger im Jahr arbeiten muss, um seine Steuerrechnung zu bezahlen. In Singapur arbeitet man demnach bis zum 31. März eines jeden Jahres für's Gemeinwohl, bei uns in den Staaten bis zum 21. April (6 Tage nach Steuertermin). In Deutschland lässt einen der Fiskus erst ab dem 1. Juli aus den Klauen, während der schwedische Eigennutz sich bis zum 5. August vertragen lassen muss.


Haben Sie den Eindruck, Ihre Hand- und Spanndienste für den Staat zahlen sich aus?

*** Erinnern Sie sich noch an den Kollegen, den ich Anfang der Woche erwähnte? Der Prophet des Weltuntergangs, zumindest was das amerikanische Immobilien- und Finanzsystem angeht?

Heute fragte ich mich, wie er wohl den gestrigen Earnings-Report unseres favorisierten US Immobilien- und Hypotheken-Magnaten Impac Mortgage Holdings verdaute. IMH-NYSE meldete Q1 Earnings von sage und schreibe 76 Cents per Aktie ... über US$46 Millionern im ganzen.

Das ist ein unglaublicher Anstieg von den 53 Cents, die die Firma im selben Quartal des Vorjahres angab. Die Aktie hatte Anfang April ein dividendenbedingtes Hoch von über US$27 erreicht, brach aber – wie hier seinerzeit angekündigt – nach Auszahlung derselben zyklisch wieder bis auf unter US$19 ein. Am Mittwoch war sie jedoch wieder bei über US$20 ... und ich sehe gar keinen Grund, warum wir bis zur nächsten Ausschüttung nicht noch einem US$25 oder mehr sehen sollten.

*** Trotz der professionellen Unken – Sie erinnern sich: US Immobilen sollen pünktlich am Ende Mai einstürzen – gibt es weiterhin keine Anzeichen, dass sich ernstzunehmende Sprünge abzeichnen. Im Gegenteil: Die "maßhaltende" Politik der Fed in Sachen Leitzinssätze lässt darauf schließen, dass sich eventuelle Erhöhungen im Bereich von 0.25 % bis 0.5 % abspielen werden.

Über die letzten 12 Monate haben sich Hypothekenzinsen jedoch als überaus flexibel erwiesen. Die Raten für eine 30-Jahre-Hypothek ... hier die populärste Methode, sein Haus zu finanzieren ... fluktuierte zwischen 4,8 %–6,8 %, ohne dass sich etwas im Leitzinssatz tat.

In dieser Zeit haben sich die Mortgage Lenders als überaus geschickt in der Manipulation von Hypothekennachfrage und -zinsen erwiesen: Sobald die Nachfrage nachließ, oder Gerüchte über eine zu erwartende Zinserhebung kursierten, setzten sie den Satz herauf. (Es ist natürlich kein Zufall, dass die amerikanischen Hypothekenzinsen letzte Woche auf 6,1 % anstiegen!)

Damit wurde jedesmal ein kurzfristiger Anstieg in der Nachfrage ausgelöst: Allein in der letzten Woche ging die durchschnittliche Zinssatzerhöhung Hand in Hand einher mit einem Nachfrageanstieg von 4,4 % gegenüber der Vorwoche.

Meiner Ansicht würde eine Leitzinserhöhung auf bis zu 1,5 % eine Flut von Hypothekenbewerbungen auslösen, welche sich innerhalb von 3–6 Monaten als Kanditaten für Refinanzierungen qualifizieren.

Keinesfalls erwarte ich, dass sich die Erhöhung der Leitzinsen in einem Einbruch des Immobilienmarktes ausdrücken wird. Ich verweise auf England, wo die Bank of England gegenwärtig mit dem Gedanken spielt, ihre "repo rate" von derzeit 4,0 % weiter anzuheben.

Britische Immobilien haben im März eine Wertsteigerung von (aufs Jahr gerechnet) 18,9 % erfahren. Hypotheken-Nachfrage erreichte ein 10-Jahreshoch ... mit einem 15,2 %igen Anstieg über die letzten 12 Monate.

Unsere Empfehlung hier aus Baltimore: IMH bis zu US$21 kaufen, Dividenden kassieren, und beim nächsten Hoch über US$26 aussteigen.

Mit herzlichem Gruss,

Ihr

J. Christoph Amberger, Executive Publisher, The Taipan Group


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