Arabica-Kaffee: Noch deutliches Erholungspotenzial!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 27. Januar 2009, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
nach den Grains in der vergangenen Woche möchte ich mich ab heute noch ein wenig einer anderen Gruppe der Agrarrohstoffe widmen, den Soft Commodities. Dazu zählt man eher die Luxus-Agrarrohstoffe" wie Kaffee, Kakao oder Orangensaft.
Sehen wir uns heute ein wenig im Kaffee-Markt um!
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Sorten von Kaffee: Arabica und Robusta. Grundlegende Erklärungen zu den Unterschieden dieser beiden Kaffeesorten gibt es in der morgigen Ausgabe.
Ich werde mich heute lediglich dem Arabica-Kaffee widmen, da ich davon ausgehe, dass dieser ein deutlich höheres Preiserholungspotenzial für 2009 aufweist.
Seit Ende 2008 haben die Arabica-Preise bereits zu einer ersten Erholung angesetzt, nachdem der Preis seit Anfang 2008 von seinem Hoch bei 1,65 USD pro Pfund zunächst stark abgegeben hatte.
Natürlich wird die Preisentwicklung auch durch die Korrelation zu anderen Agrarrohstoffen, der USD-Entwicklung und grundlegend auch Inflationssorgen, die Investoren nach anlagen zur Absicherung Ausschau halten lassen beeinflusst. Doch ich möchte an dieser Stelle vor allem auf die fundamentale Betrachtungsweise dieses Marktes eingehen.
ICO prognostiziert Angebotsdefizit für 2009/10
Die Internationale Kaffeeorganisation (ICO) geht in ihrem Dezember-Bericht bereits von einem Angebotsdefizit für 2009/10 aus.
Ähnlich wie die USDA (mit deren Prognose wir uns morgen beschäftigen wollen) geht auch die ICO von einem weiter steigenden weltweiten Konsum in 2009 aus. Wirtschaftskrise hin oder her!
Die ICO prognostiziert für 2008 einen weltweiten Verbrauch von 128 Millionen Sack (ein Sack entspricht 60 kg Kaffee). Für 2009 prognostiziert die ICO einen weltweiten Verbrauch von 132 Millionen Sack.
In ihrem Dezemberbericht prognostiziert die ICO eine weltweite Produktion von 132,5 Millionen Sack für 2008/09.
Für 2009/10 allerdings sieht die ICO, ähnlich wie die meisten Analysten einen deutlichen Produktionsrückgang aufgrund der rückläufigen Produktion in Brasilien. Nestor Osorio, Geschäftsführer der ICO gab im Dezember in einem Bloomberg-Interview an die weltweite Kaffee-Produktion in 2009/10 könne bis auf 125 Millionen Sack zurückgehen.
Der Faktor Brasilien ist ausschlaggebend
Anfang Januar 2009 gab die brasilianische Regierung eine Ernteschätzung für 2009 bekannt, wie sie bullischer nicht sein könnte. Brasilien prognostiziert einen deutlichen Produktionsrückgang von 51,1 Millionen Sack in der vergangenen Saison auf 37,8 Millionen Sack in 2009. Damit lag die Prognose deutlich tiefer als angenommen. Der Konsens war zuvor noch von einem Rückgang auf nur 41 Millionen Sack ausgegangen.
Betroffen ist in diesem Zusammenhang vor allem die Arabica-Ernte die rund zwei Drittel der gesamten Kaffee-Produktion Brasiliens ausmacht. Man geht davon aus, dass die brasilianische Arabica-Produktion in 2009 um etwa 24% einbrechen dürfte. Für die brasilianische Robusta-Produktion wird dagegen ein eher moderater Rückgang um 500.000 Sack prognostiziert.
Brasilien ist im Übrigen der größte Arabica-Produzent der Welt.
Zwei Gründe führen zur stark rückläufigen Produktion:
- Der off-year" Effekt
Es mag sich wie ein interessantes Phänomen anhören, doch Arabica-Kaffee tragende Bäume benötigen im Grunde jedes zweite Jahr ein so genanntes off-year" oder beser ausgedrückt ein Jahr der Produktionsruhe. Genau dies ist in 2009 der Fall und wird einen Großteil der Ernte betreffen.
- Die Kreditkrise
Ja auch sie wieder! Auch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise trägt zum Produktionsrückgang bei (und betrifft auch in moderater Form die Robusta-Produktion). Restriktivere Kreditbedingungen erschweren es den Farmern zunehmend die nötigen Finanzmittel für Investitionen in zum Beispiel Düngemittel oder Schädlingsbekämpfung aufzubringen.
Und so trifft ein Produktionsrückgang auf eine kontinuierliche wachsende Nachfrage bei gleichzeitig niedrigen Lagerbeständen. Da ist es was Arabica-Kaffee gegenwärtig so interessant macht!