April, April – der macht was er will
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 01. April 2008 18:00 Uhr
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Da hat die Börse ihre Jünger aber mal so richtig in den April geschickt! Heute Morgen war zu hören, dass die UBS im ersten Quartal 2008 aufgrund weiterer Abschreibungen im Zusammenhang mit der US-Subprimekrise einen Nettoverlust von 12 Mrd. CHF zu verzeichnen hat. Dieser Fehlbetrag ist durch Verluste und Abschreibungen auf Positionen im US-Immobilienmarkt in Höhe von 19 Mrd. Dollar entstanden. UBS will nun mit einer Kapitalerhöhung in Höhe von 15 Mrd. CHF seine Kapitalbasis stärken. Vorbörslich sanken die Kurse um bis zu 7%.
Dann kam auch noch die Deutsche Bank und teilte mit, dass sie für das erste Quartal mit weiteren Abschreibungen in Höhe von 2,5 Mrd. Euro rechnet. Damit ist natürlich auch der Jahresausblick gefährdet.
Man hätte erwarten können, dass der Markt nervös auf diese Nachrichten reagiert, und so verwundert es nicht, dass auch in den Medien die Sorge groß war, dass die positiven Vorgaben aus den USA und Japan heute im Dax nicht umgesetzt würden. Doch es kam auch zu meiner Überraschung anders – ganz anders!
Buy the bad news
UBS stieg um knapp 10 % nach dieser Nachricht und auch die Deutsche Bank legte nach anfänglichen Verlusten um über 3 % zu.
Das ist wieder ein Hinweis darauf, dass schlechte Nachrichten gekauft werden. Offenbar haben wir bei den Banken den Bodensatz erreicht. Im Handelsblatt war zu lesen, dass einige Banken sowieso schon unter Buchwert notieren.
Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt auf 8,4 %
Im weiteren Verlauf kam dann noch die Nachricht, dass die Arbeitslosenzahlen trotz Krise und hohen Rohstoffpreisen auf 3,5 Mio. oder 8,4 % gesunken ist. Eigentlich immer noch zu viel, aber die Tendenz ist weiter günstig. Leider ist der Arbeitsmarkt eher ein nachlaufender Indikator, so dass er kaum Rückschlüsse auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung zulässt. Aber den Binnenkonsum sollten diese Zahlen zumindest kurzfristig unterstützen.
Weitere Bestätigung des Bodens
Ist es also der Boden, den wir sehen? Zumindest der kurzfristige Boden? Welche Nachricht kann jetzt noch kommen, die die Börsen in die Knie zwingt? Das Problem: Das sind Zahlen aus Europa und hier scheinen tatsächlich schlechte Zahlen gekauft zu werden. Wie sich aber solche Nachrichten in den USA auswirken würden, muss man wohl oder übel abwarten. Zumindest scheinen sich in den USA die Konjunkturdaten leicht zu verbessern.
Chicagoer Einkaufsmanagerindex steigt unerwartet deutlich
So stieg der Chicagoer Einkaufsmanagerindex im März unerwartet deutlich auf saisonbereinigt 48,2 Punkte. Analysten hatten nur mit einem Anstieg auf 46,5 Punkte gerechnet, nach 44,5 zuvor. Weniger erfreulich ist, dass die bezahlten Preise nun doch wieder angestiegen sind, und zwar auf 83,9 Punkte.
Die Reform zur Regulierung der Finanzmärkte
Weniger Auswirkungen auf die aktuelle Lage sollte die neue Reform zur Regulierung der Finanzmärkte haben, welche die US-Regierung vorgestellt hat. Finanzminister Paulson selbst sagte, dass sich die Umsetzung der aktuellen Pläne über mehrere Jahre erstrecken werde.
Zudem ist dieser Entwurf keine direkte Folge der Finanzmarktkrise. Aussagen Paulsons zufolge arbeitet die Regierung an dieser Reform seit über einem Jahr. Sie ist, was hier weniger bekannt ist, schon lange überfällig, da in den USA immer noch Strukturen aus den Anfängen dieses Jahrhunderts in Kraft sind, die nicht mehr zu den modernen Märkten passen.
Eine 300-Seiten-Reform
Gut, nur was steht eigentlich drin, darf man sich fragen? Ich werde kaum die Zeit haben, die knapp 300 Seiten durchzuarbeiten, muss also auf die Informationen aus den USA warten.
Bisher ist bekannt, dass die amerikanische Notenbank insgesamt mehr Macht haben wird. Sie soll als marktstabilisierender Regulator auftreten und eingreifen können – was auch immer das genau heißen soll. So soll ihr künftig die Verantwortung obliegen, auf Krisen zu reagieren und diese zu vermeiden.
Zudem soll die Börsenaufsicht SEC mehr Macht erhalten. Insgesamt sollen die Kontrollorgane in Zukunft auch größere Finanzkonzerne, Investmentbanken, Hedgefonds und Versicherungen daraufhin untersuchen dürfen, ob von dort Gefahren für die Finanzmärkte drohen.
Behörden mosern, gutes Zeichen?
Erste Reaktionen aus den Finanzkreisen sind positiv. Die Behörden reagieren hingegen bisher verhalten bis negativ. Paulson als ehemaliger Chef von Goldman Sachs ist wahrscheinlich der richtige Mann, eine solche Reform durchzuführen und tatsächlich weniger Bürokratie und ein besseres funktionales Kontrollsystem zu verankern. Man muss es wahrscheinlich positiv werten, dass gerade die betroffenen Behörden mosern. Auf der anderen Seite fragt sich natürlich, ob dieser Entwurf nicht die Banken übervorteilt.
Wie gesagt, ich werde weiter berichten, wenn mehr Informationen zur Verfügung stehen.
Dax im Höhenrausch, ein Aprilscherz?
Der Dax hat im Zuge dieser Nachrichten und dem guten Handelstart in den USA die wichtigen Widerstandslinien, die ich hier gestern beschrieben hatte, nach oben durchbrochen. Das ist insoweit positiv. Aber es hat auch einen Haken. Die rechte Schulter ist ein wenig zu klein, so dass man in Zweifel geraten kann, ob es tatsächlich eine echte SKS ist.
Also, Vorsicht bleibt weiter angesagt, aber der heutige Tag ist bullish zu werten, wenn die Kursgewinne gehalten werden können und sich nicht alles bis zum Abend als Aprilscherz herausstellt. Zumal heute das neue Quartal beginnt und die institutionellen Anleger sich jetzt neu zu positionieren, offenbar sind diese ebenfalls bullish. Gekauft werden zurzeit hauptsächlich die gefallenen Engel - hier geht es wohl um längerfristige Positionierungen.
Auch das ist bullish zu werten, sofern es nicht eine Eintagsfliege bleibt.
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens
