Apocalypse Now
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. November 2008, 07:30 Uhr
ENL5462
"Ein ziemlicher Quatsch", nannte es Terence Blacker vom Independent. Er ist die Stimme des gesunden Verstands. Seiner Ansicht nach ist die Vorstellung, dass der Himmel heute über uns zusammenbricht, eine Beleidigung für die vergangenen Generationen, die deutlich ernsteren Bedrohungen mit Mut und Gelassenheit entgegensahen". Aber das ist das Problem mit dem gesunden Verstand; er blickt nie nach oben. Wie die Ehefrau, die davon ausgeht, dass ihr Mann so etwas nie tun würde, und die dann abgestoßen ist, wenn sie irgendwann doch sieht, was er im Schilde führte.
Nassim Taleb hat Karriere gemacht, indem er die Leute warnte. Seine Veröffentlichung beschreibt die gelegentliche Apokalypse: Normalerweise passiert alles in einer respektablen Glockenkurve... genau so, wie der gesunde Verstand erwarten würde... und dann geht die Hölle los.
Dass der Himmel zuletzt über uns hereinbrach, ist 96 Jahre her. Wenige haben es kommen sehen, niemand ist in Panik ausgebrochen. Aber die Panik würde es nicht geben, wenn sie nicht von Zeit zu Zeit ein sinnvoller Instinkt wäre. Die Ziegelsteine des Himmels fielen im August 1914 auseinander. Bis 1918 waren 40 Millionen Menschen gestorben. Aber das war erst der Anfang. Der Zweite Weltkrieg hat fast jede große Regierung in Europa zahlungsunfähig oder zerstört zurückgelassen. Die reichen Familien, die den Kontinent über Jahrhunderte beherrscht hatten - die Hohenzollern, die Romanoffs und die Habsburger - waren alle verjagt. Die ottomanischen Türken schnitten nicht besser ab. Und dann, kaum 20 Jahre später, wurde Frankreichs Dritte Republik zu einem weiteren Opfer...
Aber das war nur die eine Hälfte. Zwischen den beiden Kriegen gab es auch noch eine Hyperinflation und Mangel in Deutschland, Amerikas große Wirtschaftskrise und etwas noch deutlich tödlicheres - die schlimmste Epidemie der Welt, die große Grippe der Jahre 1918 bis 1920. Diese Krankheit ist uns unter dem Namen des Ersten Weltkriegs als Spanische Grippe bekannt. Propagandisten wollten nicht, dass die Welt weiß, wie viele französische, amerikanische und englische Soldaten an dieser Krankheit starben. Also haben sie ihr einen Namen gegeben, der impliziert, dass nur Iberer davon betroffen seien.
Zuerst wurde die Krankheit bei einem jungen Soldaten in Fort Riley in Kansas entdeckt. Dann fand das Virus sehr schnell seinen Weg durch die Welt. Japan war das einzige große Bevölkerungszentrum, das verschont blieb. Erstaunlicherweise hat die Krankheit öfter junge Erwachsene als alte Leute und Kinder zum Opfer gehabt - sie hat irgendwie ein starkes Immunsystem gegen seinen Besitzer aufgebracht. Die Forscher bezeichnen das als einen Cykotin-Sturm". Wie viele Leute sind daran umgekommen? Schätzungen reichen von 20 Millionen am unteren Ende bis zu 80 Millionen am oberen Ende - d.h. mindestens doppelt so viele Menschen, wie im Krieg starben.
Vor der Phase zwischen 1914 und 1945 war die Zeit zwischen 1789 und 1812 eine Zeit der Not - ungefähr die Zeit zwischen der Französischen Revolution und der Schlacht von Waterloo. Diese Zeit umfasst nicht nur den Untergang von fünf Regierungsformen in Frankreich - Monarchie, Erste Republik, Direktoriumsherrschaft, Konsulat und Erstes Reich - sondern auch drei Inflationen, drei Zusammenbrüche der Währung, große politische Debakel überall in Europa, die Napoleonischen Kriege und zuletzt auch noch die letzte große Hungersnot in Frankreich im Jahr 1795.
Kriege, Konkurse, Chaos, Plagen und Hungersnöte - wenn es Schwierigkeiten gibt, dann kommen sie immer mit einer ganzen Meute im Rücken. Wie üblich haben auch hier die Griechen ein frühes Beispiel beigesteuert. Athen muss Goldman Sachs der klassischen Welt gewesen sein. Aber als die Herren des antiken Universums eine feindliche Übernahme Spartas versuchten, sind sie kläglich gescheitert... und sie standen so verwundbar da, wie Bear Stearns. Sparta ging zum Gegenangriff über und belagerte die Stadt. Und dann haben sich die Bazillen im Jahr 430 v. Chr. zum Angriff zusammengeschlossen. Tausende starben an der Pest - darunter auch Pericles selbst. Geschwächt durch Krankheit, Hunger und Kriege, gab Athen auf, wurde versklavt und das goldene Zeitalter war vorbei.
Später waren die Römer an der Reihe. Konkurse, Kriege, Dummheit - sie alle forderten ihre Opfer. Und dann kam im 6. Jahrhundert eine weitere Schlacht: die Pest. Von den 80 Klöstern rund um Konstantinopel im Jahr 540 hat keine überlebt. Geisterschiffe, auf denen jeder an Bord an der Pest gestorben war, trieben durch das Mittelmeer. Die europäische Zivilisation schien auseinander zu fallen.
Und dann gab es im 14. Jahrhundert wieder 100 Jahre Krieg in Frankreich... zusammen mit Hunger und Pest. Einige kalte, feuchte Sommer lösten in Westeuropa eine Hungersnot aus. Junge Kinder wurden zurückgelassen. Alte Leute haben sich selbst zu Tode gehungert, um Nahrungsmittel für die Familie frei zu machen. Gleichzeitig griffen die Mongolen im Osten an, und hofften, ganz Europa erobern zu können. Und als sie sich zurückzogen, ließen sie ein Geschenk zurück - die Pest. Der schwarze Tod der Jahre 1347 bis 1451 tötete mehr Menschen, als der Krieg oder die große Hungersnot von 1315. Städte und Felder wurden verlassen, nachdem ein Drittel der Bevölkerung gestorben war. Es sind so viele gestorben, dass wir dachten, es sei das Ende der Welt", sagte Agnolo di Tura aus Siena, der fünf Kinder mit eigenen Händen begraben hat.
Das New Scientist Magazin kommentiert: "viele Menschen weisen jede Rede über einen Zusammenbruch zurück, wie den Propheten an der Straßenecke, der warnt, das Ende sei nah". Aber immer mehr Wissenschaftler nehmen die Gefahr eines Endes der Zivilisation immer ernster, fährt das Magazin fort. Komplexität - wie z.b. in den derivativen Finanzinstrumenten und das Just-in-time"-System - machen unsere Gesellschaft noch verwundbarer."
In seinem Buch von 1988, Der Zusammenbruch der komplexen Gesellschaft", behauptet Joseph Trainer, dass alle Gesellschaften - genauso wie die Organismen - dem Untergang geweiht sind. Jede Herausforderung erfordert eine Lösung. Jede Lösung braucht Ressourcen. Und die Lösungen - die Leser können das Wort durch Rettungsprogramm" ersetzen - bringen weitere Herausforderungen und verlangen weitere Ressourcen. Irgendwann bricht das System unter dem Gewicht zusammen.
Und wenn die Sterne fallen, dann verlassen auch die Engel die Stadt.
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