AOL Time Warner schreibt 100 Milliarden Dollar ab
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 31. Januar 2003 18:00 Uhr
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An den US-Märkten machten gestern zwischenzeitlich Gerüchte die Runde, denen zufolge der Irakkrieg vermieden werden könnte, wenn Saddam Hussein ins Exil ginge. Die US-Regierung würde eine solche Entwicklung unterstützen. Colin Powell gab dieser Spekulation Nahrung, als er auf einer Pressekonferenz Folgendes sagte: "Wenn (Saddam) das Land verlassen würde und ein paar Familienmitglieder und andere der Führungsriege mitnehmen würde, die für soviel Ärger im Laufe dieses Regimes verantwortlich waren, dann würden wir – da bin ich sicher – versuchen, ihnen einen Platz im Exil zu suchen." Allerdings bezeichnete kurz danach Richard Boucher, Sprecher des State Department, diese Möglichkeit nur als "eine Idee, die da draußen kursiert".
Eine andere Idee, die in diesen Tagen "da draußen kursiert", ist die Einschätzung, dass sich die Wirtschaftslage stabilisiert und in eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte münden wird. Aber selbst Präsident Bush räumte in seiner letzten Rede ein: "Unsere Wirtschaft erholt sich. Dennoch wächst sie nicht schnell oder stark genug."
Der Vorstandsvorsitzende einer großen S&P 500 Gesellschaft hat mir letzten Dienstag mitgeteilt, dass "die Wirtschaftslage viel schlechter sei, als die offiziellen Zahlen anzeigen." Angesichts des rauen Umfelds war dieser Vorstandsvorsitzende besonders froh darüber, dass er letztes Jahr für seine Firma ein moderates Gewinnwachstum vorweisen konnte. Leider wurde dieses moderate Gewinnwachstum durch die Entlassung von 1.000 Mitarbeitern ermöglicht ... und darin sehe ich ein GROSSES Problem für die US-Volkswirtschaft. Der Grund:
Da die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen derzeit ziemlich stagniert, kann eine Firma nur durch Kostensenkungen ihren Gewinn steigern. Und Kostensenkungen bedeuten Entlassungen. Trotz der theoretischen Erholung – basierend auf den Zahlen zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt – wächst deshalb in den USA die Zahl der Arbeitslosen. "Der Abschwung am Arbeitsmarkt ist noch lange nicht überstanden", berichtet das Economic Policy Institute (EPI). "Der heutige Arbeitsmarkt ist schwächer als der vor ein oder zwei Jahren, und die 'Erholung ohne neue Arbeitsplätze' geht weiter."
Das EPI nennt einige der besorgniserweckenden Trends am Arbeitsmarkt: "Die Zahl der Beschäftigten ging nicht nur im Rezessionsjahr 2001 zurück, sondern auch im angeblichen Erholungsjahr 2002. Die Arbeitslosigkeit stieg das ganze letzte Jahr über, Dezember 2002 stand die Arbeitslosenquote bei 6,0 %. Seit dem letzten Boom ist die Zahl der Arbeitslosen um 2,8 Millionen gestiegen."
Die Jobs verschwinden weiterhin – egal, wie hoch die Strategen der Wall Street das Wirtschaftswachstum einschätzen. Am Arbeitsmarkt ist einfach keine Erholung festzustellen.
"Der Abbau der Beschäftigtenzahlen in der jüngsten Rezession und in der folgenden 'Erholung ohne neue Arbeitsplätze' war größer als in den drei vorherigen Rezessionen und Erholungen", so EPI. "Andere Rezessionen mögen zwar zu Beginn größere Arbeitsplatzverluste gehabt haben, aber sobald sich die Wirtschaft erholte, stieg die Zahl der Arbeitsplätze wieder." Dieses Mal war das nicht der Fall. Wir sehen eine 'Erholung ohne neue Arbeitsplätze'.
Was ist noch schwieriger, als 100 Milliarden Dollar zu akkumulieren? 100 Milliarden Dollar zu verlieren. Das kann nicht jeder. Zuerst einmal muss man diese 100 Milliarden schließlich irgendwie zusammenkriegen. Dann muss man sich genug idiotische Wege ausdenken, dieses Geld zu verschwenden, so dass man diesen Geldbatzen verliert. Irgendwie hat AOL Time Warner im letzten Jahr diese Heldentat vollbracht. Vorgestern hat diese Gesellschaft mitgeteilt, eine Abschreibung in Höhe von 45,5 Milliarden Dollar vorzunehmen, um dem gesunkenen Wert von AOL gerecht zu werden. AOL hat bereits eine Mega-Abschreibung in Höhe von 54 Milliarden Dollar hinter sich. Zusammengenommen sind 100 Milliarden Dollar im Geldhimmel verschwunden! Vor drei Jahren, als AOL und Time Warner ihre Fusion feierten, prognostizierte ich, dass dieser neue Gigant sich wie "ein Elefant im Porzellanladen" verhalten würde. Aber ein Elefant hätte nie Porzellan im Wert von 100 Milliarden Dollar zerstören können – nur Vorstandsvorsitzende können das mit Unterstützung von Investmentbankern schaffen.