Anywhere but America!
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 26. Oktober 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Ich räume eine gewisse Widerwilligkeit meinerseits ein, was die Auswahl neuer Aktien derzeit angeht. Es sind nicht die Aktien, keineswegs - ich denke in diesem Jahr haben 67 zweistellige Gewinn-Trades bewiesen, dass mit Aktien nichts fundamental falsch läuft.
Es ist vielmehr meine Prognose (oder das Fehlen selbiger) in Bezug auf die wirtschaftliche Zukunft.
Im letzten halben Jahrhundert war es der amerikanische Konsument, der das Wirtschaftswachstum und den Reichtum in der Welt befeuert hat. Es war ein schöner Kreislauf. Die Nachfrage trieb den Konsum nach oben, der wiederum zu neuen Arbeitsplätzen führte, zu einem wachsenden Einkommen, weiter wachsenden Konsumausgaben und steigenden Importen der USA. Dann kam noch ein Hebel hinzu: Es wurden in den USA fleißig Kredite vergeben...basierend auf der amerikanischen Erfahrung, dass jeder, der arbeiten und Geld verdienen will, das auch kann - entsprechend seinen Fähigkeiten. Und das fast jeder, der Schulden aufnimmt, diese schließlich zurückzahlt.
Aber letztes Jahr hat sich dieses Paradigma geändert. Reichtum führt nun zu Apathie und Reichtum. Heute ist der „American Way" auf den Kopf gestellt worden. Anstatt es den Individuen zu ermöglichen, Erfolge zu erzielen, ist die jetzige amerikanische Regierungspolitik jetzt darauf ausgerichtet, populistische Begehrlichkeiten und ihre hässliche Stiefschwester Anspruch zu befriedigen.
Als "progressive" Politik bezeichnet, repräsentiert diese Entwicklung einen bedauernswerten Rückschritt.
Während ein europäisches Land nach dem anderen dem Sozialismus den Rücken zukehrt und die marktorientierten Wirtschaftsmodelle annimmt, nehmen die USA jetzt die Mentalität Westeuropas des Jahres 1973 auf.
Ich habe in den 1970ern in Europa gelebt. Ich kann nicht sagen, dass ich dorthin zurückkehren möchte: Damals gab es einen endemischen Mangel an Arbeitsplätzen. Einen Kollaps der heimischen Industrie. Inflation. Explodierende Schulden. Die Erosion der privaten Initiative und der individuellen Verantwortlichkeit. Das Bestreben, die größten Wählerschichten nach Möglichkeit vollständig von staatlicher Unterstützung abhängig zu machen. Den Einbruch des Staates in jeden Aspekt des Lebens.
Ich habe es mitbekommen.
*** Deshalb schaue ich mir die amerikanische Industrie heutzutage mit Bitterkeit an. Kann man wirklich erwarten, ordentlich Geld mit Immobilien-, Bau- oder Autounternehmen zu verdienen, wenn Arbeitslosigkeit und Steuern zunehmen und damit das derzeitige und zukünftige Besitztum an Immobilien und verfügbaren Einkommen erodieren lasen?
Sollte man sein Geld in ein Rüstungsunternehmen stecken, wenn das Versprechen der derzeitigen Regierung, verstärkt auf „Diplomatie mit militärischer Macht im Hintergrund" zu setzen, bestenfalls wischi-waschi ist?
Und was ist mit Unternehmen aus dem Gesundheitssektor, oder Banken, deren Umsätze und Strukturen durch Verstaatlichung bedroht sind?
Mehr dazu morgen, hier im Trader´s Daily.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Lothar Wolf (26.10. 2009 12:21 Uhr):
Tjia Christoph, hör auf zu lamentieren, wandere erneut aus, diesmal nach China, hier kommunistischen Frühkapitalismus. Aus dem Reich der Mitte grüßt Lothar Wolf
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