Antworten auf Anleihenfragen
Martin Denholm und Dr. Steve Sjuggerud in Baltimore in Traders Daily
vom 10. August 2005 12:00 Uhr
ENL5454
Frage: In großen Teilen der entwickelten Welt haben die Zinsen ein Rekordtief erreicht. Bedeutet das nicht, dass die Anleihenkurse fallen werden, wenn sich das Zinsniveau wieder auf dem Normalmaß eingependelt hat? Ist jetzt der richtige Moment, ein Anleihen-Portfolio aufzubauen?
Antwort: Wenn die Zinsen steigen, sinken die Anleihen-Kurse. Wenn Sie also sicher sind, dass die Zinsen steigen werden, sollten Sie lieber nicht in Anleihen investieren (denken Sie daran, dass man die weitere Entwicklung der Zinsen nicht voraussehen kann).
Zweitens, es ist eine Fehlannahme zu denken, dass die Zinsen ein Rekordtief erreicht haben. Im 20. Jahrhundert lagen die Zinsen der Staatsanleihen die meiste Zeit unter 4 %. Um die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt für ein gewinnbringendes Portfolio inkl. Anleihen zu beantworten: JETZT ist der richtige Zeitpunkt! Sie sollten es aus Diversifizierungsgründen tun. Sie können nicht wissen, wie sich die Zinsen entwickeln werden. Ich weiß es auch nicht. Niemand weiß es. Alles was wir daher tun können, ist das Risiko so gut wie möglich zu verteilen, und das schließt den Anleihenkauf mit ein.
Frage: Wieviel Prozent des Anleihen-Portfolios sollte man in Junk-Bonds investieren?
Antwort: Bevor ich Ihre Frage beantworte, möchte ich noch mal daran erinnern, dass Ihr POTENZIELLER Gewinn am höchsten ist, wenn Sie das größte Risiko eingehen. (Natürlich bedeutet das auch, dass Sie umso mehr verlieren können). Die sicherste Kategorie sind Staatsanleihen von stabilen Ländern. Natürlich bringen diese auch die wenigsten Zinsen ein. Die nächste Stufe auf der Risikotabelle sind Anleihen von Gesellschaften höchster Qualität, die die höchsten Zinsen zahlen. Und die letzte – und somit riskanteste – Kategorie sind die sogenannten "Junk-Bonds". Es handelt sich um Anleihen von finanziell stark angeschlagenen Firmen, die oftmals zweistellige Zinsen zahlen müssen, wenn sie sich Geld leihen. (Es gibt noch weitere Kategorien, aber das sind die drei Basis-Gruppen.)
Ich kann Ihnen die Frage nicht beantworten, wie viel Risiko Sie eingehen sollten. Und deshalb kann ich Ihnen auch nicht sagen, wie die optimale Anleihen-Mischung aussieht.
Was ich Ihnen sagen kann ist: Es ist gut, Ihr Risiko zu streuen.
Auch wenn Junk-Bonds genauso riskant wie Aktien sein können, können Sie immer noch einen Fonds dieser speziellen Anleihen kaufen – dann ist Ihr Risiko weit gestreut und daher also reduziert. Und: Junk-Bonds entwickeln sich normalerweise sehr gut, wenn sich die Wirtschaft aus einer Rezessionsphase befreit. Der Grund ist, dass sich Investoren von den Junk-Bonds zurückziehen, sobald wir in eine Rezession eintauchen. Dann, wenn die Sonne wieder aufgeht, wollen die Investoren wieder einsteigen und die Anleihen werden beflügelt. Um ein Portfolio anzulegen, ist es ratsam, als Ausgangspunkt ein Drittel jeder Kategorie abzudecken. Abhängig davon, wie sehr Sie das Risiko lieben, können Sie dann Ihr Portfolio mit Anleihen einer bestimmten Kategorie weiter ausbauen.