Antizyklische Investmentstrategie
Dominique Braun in Investors Daily
vom 6. Mai 2009, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
oft werde ich gefragt was das eigentlich bedeutet, wenn man antizyklisch investiert. Ist so gesehen ganz einfach. Wenn man das Wort antizyklisch einmal auseinander nimmt, dann wird es vielleicht klar:
Anti = gegen
zyklisch= wiederkehrendes/fortlaufendes/gewohntes Ereignis
Also mit einer antizyklischen Investmentstrategie versucht man demnach gegen ein wiederkehrendes bzw. gewohntes Ereignis zu investieren. Man investiert gegen die Gewohnheit und damit gegen die Masse. Hört sich vielleicht dennoch etwas eigenartig an.
Lassen Sie mich Ihnen daher erst einmal ein paar Beispiele aus dem Alltag geben. Jeder verhält sich irgendwann im täglichen Leben antizyklisch. Als ich 1998 den beruflichen Weg in die Finanzmärkte eingeschlagen habe, habe ich mich so gesehen antizyklisch verhalten. Denn zu dieser Zeit gab es neben der Asienkrise noch die Russenkrise und der Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM. Eigentlich eine ungünstige Zeit sich berufsmäßig in den Finanzbereich zu begeben. Denn während die meisten in keinster Weise nur im Geringsten daran dachten ihren beruflichen Werdegang im Finanzbereich zu suchen, tat ich es.
Oder nehmen Sie einmal an, Sie hätten sich im vergangenen Jahr im Finanzbereich als Vermögensverwalter selbständig gemacht. Mitten zum Höhepunkt der Finanzkrise sind sicherlich nicht viele auf diese Idee gekommen oder hätten die Muße dazu und damit hätten Sie sich auch antizyklisch verhalten, gegen das Verhalten der Masse.
Sie merken vielleicht schon worauf ich hinaus möchte. Mit einer antizyklischen Investmentstrategie setzt man sich gegen die Meinung der Masse. Dies nicht aus dem Grund weil man stur ist, sondern weil die Masse aufgrund von verschiedenen Faktoren verkehrt liegt und nur psychologisch getrieben wird.
Nehmen wir mal als Beispiel zwei Stimmungslagen an den weltweiten Aktienmärkten. Aufgrund von verschiedenen Indikation kann man festmachen, ob man z.B. ein Stimmungshoch oder ein Stimmungstief vorliegen hat. Bei beiden Extremen kann man damit rechnen, dass sich die Stimmung irgendwann plötzlich wandelt und ehe man sich versieht ändert sich ein Stimmungshoch bzw. ein Stimmungstief in die entsprechend entgegengesetzte Richtung.