Anschläge und Deflationsängste
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 19. Mai 2003 18:00 Uhr
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Auch wenn ich mich in dieser Annahme lieber geirrt hätte, die Anschläge in Marokko bestätigen meine Vermutung, dass sich die El-Kaida wieder neu organisiert hat und dass mit weiteren Anschlägen zu rechnen ist. So hat nun auch der BND nach Informationen der "Welt am Sonntag" verlautbaren lassen, dass sich die EL-Kaida neu geordnet habe und auch finanziell wieder in der Lage sei, weltweit zuzuschlagen. Andere Geheimdienste gehen davon aus, dass auch weitere Anschläge in Amerika bevorstehen.
Ich bin ehrlich gespannt, wie die Börsen diese Nachrichten aufnehmen werden. Die Charts weisen alle auf weiter fallende Kurse hin. Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) im Dax wird deutlicher erkennbar. Aber es fehlt hier noch der Bruch der Nackenlinie.
Der Euro lugte heute morgen kurz über die 1,17 Dollar. Etwas zu früh rausgegangen, aber Gewinn ist Gewinn und die Longposition befindet sich schließlich immer noch im Depot. Doch so langsam erkenne ich beim Euro die gleichen Effekte, die ich Anfang des Jahres beim Gold gesehen habe: Überall wird zum Einstieg in den Euro geraten. Aktien, die vom starken Euro profitieren, werden empfohlen, etc. Noch ist dieser Effekt vergleichbar verhalten, aber Sie kennen meine antizyklische Haltung. Also Vorsicht ist angesagt.
Grund für diesen Anstieg: Bei dem Gipfeltreffen der G7-Minister im französischen Deauville hat sich US-Finanzminister John Snow zum Dollar geäußert. Er betitelte die jüngste Abwertung des Dollars als "recht moderat. Diese Äußerung lässt vermuten, dass die Amerikaner die Politik des starken Dollars endgültig verlassen haben und der Trend noch weiter gehen wird.
Trotzdem, diesen letzten Anstieg des Euros würde ich nicht überbewerten, da er sozusagen "nachrichtenorientiert" ist. Sollte es bei diesem kurzen und steilen Anstieg bleiben, dann wäre das sogar eher als Bearsignal zu werten. Abwarten.
Gold befindet sich weiter auf Kurs, natürlich auch aufgrund der Anschläge. Bei 360 Dollar stehen allerdings bedeutende Widerstände an. Mal schauen, wie sich Gold in der Nähe dieser Widerstände verhält. Das wird einiges über die innere Stärke des Edelmetalls verraten.
Der Internationale Währungsfonds hat Deutschland vor bestehenden Deflationsgefahren gewarnt. Sollte sich die Konjunktur anhaltend schwach zeigen, erhöhe sich die Gefahr, dass Deutschland in eine Deflation abrutscht, so der IWF. Für Deutschland wird es schwer diesem Risiko entgegenzutreten. Allein die EZB könnte durch weitere Zinssenkungen dem entgegenwirken.
Doch ob das funktioniert? In Amerika sieht es im Moment nicht danach aus. Aber lesen Sie dazu auch die Berichte der amerikanischen Korrespondenten, die sich ausführlicher mit dem Thema Deflation beschäftigen.
Diese beiden Nachrichten: Die Anschläge und Deflationsängste sind, neben den schlechten Vorgaben aus Amerika vom Freitag, der Grund für den Daxrückgang von 2,64 % auf 2910 Punkte.
Das Wochenende habe ich intensiv zur Recherche genutzt. Sie glauben gar nicht, wie entspannend es ist, an seinem gewohnten Arbeitsplatz zu sitzen und wie entspannend durchschnittliche 1 Mbits/s sind. Natürlich werde ich heute seit zwei Wochen wieder die ersten Intradaytrades wagen, aber mit Vorsicht. Ich bin wahrscheinlich ein wenig aus der Übung.
Gerade beim Futuretraden ist man nicht mehr als Wolf unter Wölfen. Jeder Euro den ich verdiene muss jemand anderes auf dieser Welt verlieren. Es ist vielleicht die ehrlichste Form an den Börsen zu handeln und trotzdem wird nirgendwo sonst mehr "gefaked" und manipuliert. Überall auf dieser Welt sitzen Menschen mit den finanziellen Möglichkeiten kurzfristige den Future zu bewegen. Gerade im Dax-Future ist das zeitweise relativ leicht möglich. Nur wenn ich das weiß und diese "Spiele" erkenne, kann ich entsprechend agieren, um in diesem Sumpf zu überleben. Aber gerade das macht auch den ungeheuren Reiz aus.