Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom
Jetzt noch auf einen fallenden Euro spekulieren?
Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leser, aber kommt es Ihnen nicht auch suspekt vor, dass gerade in den letzten Tagen von allen möglichen politischen Gruppierungen beteuert wurde, man wolle Griechenland unbedingt helfen und das Land im Kreis der 17 Euro-Partner belassen? Das klingt für mich wie das Pfeifen im Walde und nach einem wohlgeordneten Rückzug der maßgeblichen politischen Akteure.
Lassen Sie mich ungeachtet dessen, was Politiker gerade dazu sagen, noch einmal resümieren. Der Euro ist politisch im Kreuzfeuer, weil kaum noch jemand daran glaubt, dass das im Vertrag von Lissabon formulierte Verbot der Schuldenübernahme durch andere Euroländer (No-Bailout-Klausel) nicht doch durch Eurobonds ausgehebelt wird. Der Euro bleibt im Kreuzfeuer, solange Griechenland als Mitglied der Eurozone weiter mit Milliarden unterstützt wird und sich gegen Reformen zur Wehr setzt. Der Euro wird sich erst erholen, wenn Griechenland zur eigenen Währung zurückkehrt. Meine These gründet auf drei Ansätzen.
Erstens zeigen die Fußspuren der großen Spekulanten unübersehbar in Richtung schwächere Eurokurse. Die wöchentlichen Commitment-of-Traders-Statistiken (COT-Daten) geben dem geübten Leser wertvolle Hinweise darauf, in welche Richtung sich spekulative Fondsmanager mit ihren Hedgefonds oder alternativen Investments orientieren und damit auch die Devisenmärkte erheblich beeinflussen. Einen Extrakt aus diesem Zahlendschungel der COT-Daten biete ich meinen Lesern im Target Trader wöchentlich in der Minikolumne: Die Spur der Wölfe. Der Auszug aus der letzten Ausgabe untermauert meine Einschätzung, dass der Euro weiter unter Druck stehen wird, aber lesen Sie bitte selbst.
Die Spur der Wölfe*: Große Spekulanten haben ihre Euro-Shortposition in der vergangenen Woche um weitere 29.885 auf 173.869 Kontrakte aufgestockt. Damit bauen die großen spekulativen Fonds ihre Shortpositionen wieder aus und profitieren stärker als in den Wochen zuvor von einem fallenden Euro (siehe Erläuterung COT-Report am Ende).