Anlageempfehlungen für die Rezession
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 18. August 2003 18:00 Uhr
ENL5454
"Deutschland fällt in die Rezession", so eine BBC Schlagzeile von letzter Woche.
Vor einer Woche oder so heiß es dort "Italien fällt in die Rezession."
Auf der anderen Seite sollen sich Großbritannien und die USA in einer Erholungsphase befinden. Deshalb "solle man dort wieder einsteigen", so einer meiner Lieblings-Analysten, Larry Kudlow.
Ich mag Kudlow aus den gleichen Gründen, aus denen ich "Staranalysten" wie Abby Joseph Cohen oder Ed Yardeni mag – denn ich finde sie amüsant.
Gelegentlich fühle ich das Verlangen, kritische Bemerkungen zu ihren Analysen abzugeben, aber jedes Mal stoppe ich kurz davor. Sie scheinen keine Kritik, sondern Mitleid zu verdienen ... und zwar die Art von Mitleid, die man für einen "Jackass" hat, der in der Mitte der Autobahn spazieren geht. Ein solcher Typ hat keine Idee, wo er ist oder was er tut; er wartet nur auf einen LKW, der ihn aus seinem Elend befreit. "Macht denkt immer, dass sie eine große Seele hat", so John Adams. Und Leute wie der amerikanische TV-Kommentator Friedman, der mit den US-Truppen bei der Invasion des Irak teilnahm, denken wirklich, dass sie eine erleuchtete Demokratie nach Mesopotamien bringen. Sie denken, dass sie der Welt einen Gefallen tun; und der Irak wäre bestimmt ein besseres Land, wenn diese Wüstenstämme nur das tun würden, was man ihnen sagt.
Als ich Friedman's Artikel in der Times las, wollte ich seine Ideen kritisieren – aber mir ist nicht eingefallen, wie ich das tun könnte. Wenn ich sie "dumm" nennen würde, wäre das zu platt. An einem Tag wirft er den Arabern vor, dass sie sich nicht bereitwillig in liberale Demokraten verwandeln ... am nächsten Tag wirft er der US-Armee vor, dass sie nicht dafür sorgt, dass die Strom- und Wasserversorgung im Irak funktioniert. Und fast jeden Tag hat er Halluzinationen über die große Modell-Gesellschaft, die er mit helfen will zu kreieren – wenn nur jeder kooperieren würde!
Aber leider sagen auch manchmal Leute wie Friedman oder diese "Staranalysten" zufällig etwas, das Sinn macht. Kudlow hat Recht; wenn man Zocken will, dann sollte man wirklich bei US-Aktien einsteigen ... denn das wäre Spielen, und kein Investieren. Investieren braucht Werte. Beim Investieren steckt man sein Geld in etwas mit der begründeten Hoffnung, dass man eine vernünftige Rendite auf sein eingesetztes Kapital erzielen wird. So konnte man z.B. 1982 – als der Aktienmarkt einen Boden erreicht hatte – eine durchschnittliche Dividendenrendite von 5 % erzielen, und die Aktien hatten ein KGV von nur 6 bis 8. Natürlich hätten die Kurse auch von diesem Niveau aus noch weiter fallen können ... aber ein vernünftiger Investor konnte damit rechnen, dass sie dann nicht mehr viel gefallen wären.
Heute haben die amerikanischen Aktien ein durchschnittliches KGV von 30 – nachdem das Schulden/Einkommen Verhältnis von rund 160 % im Jahr 1982 auf 296 % heute gestiegen ist. Ja, die Aktien könnten noch weiter steigen. Aber kein vernünftiger Investor würde darauf setzen.
Kudlow hat die Investoren schon oft angespornt, Aktien zu kaufen. Selbst auf dem Höhepunkt der Spekulationsblase, im Jahr 2000. Er erwartete, dass die Kurse noch weiter steigen würden – vielleicht für immer. Er prognostizierte, dass der Dow Jones auf 20.000 Punkte steigen würde ... dann auf 30.000 ... 50.000!
Mit allen im Dow Jones enthalten Aktien könnte man heute 26 Unzen Gold kaufen. Mein Rat: Verkaufen Sie diese Aktien, kaufen Sie das Gold.
Und was sollte man dann tun? Nichts. Nehmen Sie sich einen Urlaub vom Investieren. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Job, auf Ihre Frau und Ihre Geliebte. Bereiten Sie sich darauf vor, den großen Abschwung zu genießen. Italien und Deutschland gehen voraus. Und die USA werden folgen.
Und jetzt für eine Brise frischer Meeresluft zu unserem Korrespondenten Eric Fry ... in San Francisco: