Anlagealternativen in Krisenzeiten
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Kapitalschutz
vom 22. Dezember 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
Allein die Tatsache, dass Staatsanleihen kein sicherer Hafen mehr für Kapitalanleger darstellen, beschreibt die Ausnahmesituation an den Finanzmärkten. Der Kreis der Triple-A-Staaten wird immer kleiner. Der Kandidatenkreis für ein Downgrade dagegen immer größer. Aktienindizes stürzen aufgrund der Möglichkeit eines Downgrades kurzweilig ab. In Europa bestimmt die Diskussion über die Krisenanfälligkeit des Euro weiter die Medienlandschaft. Wo kann man also noch guten Gewissens sein Erspartes anlegen? Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien oder Gold?
Staats- und Unternehmensanleihen
Anleihen von Staaten und Unternehmen bieten weiterhin eine relativ hohe Sicherheit. Wer sich dabei ausschließlich auf die Triple-A-Staaten beschränkt, investiert in eine vergleichsweise solide Kapitalanlage, dessen Verzinsung jedoch nicht jeden Anleger zufriedenstellt. Alternativen gibt es genug. Die Schwellenländer verfügen über ein robustes Wirtschaftswachstum, weisen geringere Schuldenstände auf und bieten eine höhere Verzinsung. Auch Unternehmensanleihen verfügen über eine höhere Verzinsung als mit der Bestnote ausgestattete Staatsanleihen. Sie gehen aber unterhalb des High Grades (mindestens AA- bzw. Aa3 Rating) vor allem in einem Konjunkturabschwung auch mit einem höheren Risiko einher.
Beim Aktienmarkt kommt es auf die richtige Wahl an
Aktien muss man etwas differenzierter betrachten. Selbst international aufgestellte Unternehmen von Weltrang können sich konjunkturbedingten Umsatzeinbrüchen nicht entziehen. Es gibt jedoch Unternehmen, die unverzichtbare Güter produzieren, an denen kaum gespart werden kann. Dazu zählen etwa Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie, die eine breite Produktpalette anbieten, Konsumgüterkonzerne und Unternehmen aus der Gesundheitsbranche. Ihre Umsätze sind relativ stabil, was sich auch in einer geringen Schwankungsbreite des Kursverlaufs widerspiegelt. Unternehmen wie Wal-Mart (Lebensmittel) und Fresenius Medical Care (Gesundheitsbranche) liefern Beispiele für überdurchschnittlich stabile Kursverläufe.
Hoher Goldpreis macht den Einstieg schwer
Gold ist in diesen Tagen in aller Munde, werden die Alternativen für sichere Geldanlagen doch immer knapper. Gleichwohl gilt für Gold nur, dass es keinen Totalverlust erleiden kann. Gold wird immer einen Gegenwert haben. Das allein schützt aber nicht vor Verlusten. Denn der aktuelle Goldpreis ist hoch, die Fallhöhe nach unten also auch. Obwohl die Eurokrise sich in den letzten Monaten verschärft hat, reagierte der Goldpreis nur marginal. Das kann zweierlei Gründe haben. Entweder es wurde die Krisenverschärfung bereits vorher eingepreist, weil der Markt mit einem ähnlichen Krisenverlauf gerechnet hat, oder es wurden spekulative Bestände verkauft, um Verluste aus Aktiengeschäften auszugleichen.
Rohstoffe sind nichts für Einsteiger
Rohstoffe gelten im Allgemeinen als risikobehaftet. Denn die Preise schwanken stark, je nach Einsatzbedarf und Konjunkturlage. Kupfer, Öl oder Grundnahrungsmittel kommen etwa als Kapitalanlage infrage. So wie Öl das Schmiermittel der Wirtschaft ist, so ist Kupfer der Baustoff für jede Infrastruktur. Allerdings benötigen beide Rohstoffe wachsende Märkte. Kupfer benötigt insbesondere den weiteren Aufbau der Infrastruktur in den Schwellenländern. Auf dem Rohstoffmarkt tummeln sich viele Spekulanten. Mischen Sie also nur mit, wenn Sie sich mit den Marktgegebenheiten wirklich auskennen. Zudem belasten die bei Rohstoffinvestments oft anfallenden Halte- bzw. Finanzierungskosten die Rendite.
Auch Immobilien bieten keine Sicherheit
Immobilien verfügen wie Gold über eine große Sicherheit. Doch auch hier gilt, dass Wertverluste gut möglich sind. Als Eigennutzer sparen Sie jedoch die monatliche Miete und können bei Immobilien in guter Lage auch mit Wertsteigerungen rechnen. Allerdings kommt es auf dem Immobilienmarkt auch immer wieder zu Spekulationsblasen - sie waren Auslöser der noch andauernden Krise.
Darüber hinaus ist die Mindestinvestitionssumme bei Immobilien hoch, sodass eine ausreichende Risikostreuung des Gesamtportfolios für den Normalverdiener schwierig umzusetzen ist. Eine Alternative stellen Immobilienfonds dar - die jedoch trotz Kapitalstreuung auch keinen Schutz vor Kapitalverlusten bieten. Viele in den letzten Jahren abgewickelte Immobilienfonds haben das Anlegerkapital mehr als halbiert.
Kurz gesagt: Risiko bleibt riskant. Sichere Anlagen gibt es nicht, denn die Rendite eines Investments stellt stets nur eine Kompensation für das eingegangene Risiko dar. Und dieses Risiko kann sich hin und wieder in Verlusten manifestieren.