Angst vor Inflation oder Deflation?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 03. März 2008 07:30 Uhr
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Öl hielt sich Mitte vergangener Woche noch bei 99 Dollar. Der Dow war um 9 Punkte gefallen. Und der Dollar befindet sich gegenüber dem Euro auf das geringste Niveau aller Zeiten. Wenn Sie einen Euro kaufen wollten, dann kostete er 1,51 Cent.
Auch Gold ist nach oben geschossen, um weitere 12 Punkte, womit der Preis einen neuen Rekord von 971 Dollar erreichte.
Warum fällt der Dollar? Warum steigt Gold? Sie kennen die Antwort schon, liebe Leser.
Weil die Leute, die sich um den Dollar kümmern, wollen, dass er fällt. Sie tun alles um sicher zu stellen, dass er an Wert verliert. Und bislang haben sie zumindest dabei Erfolg.
„Der Dollar erreicht einen Tiefstwert ,nachdem der Vorsitzende der Zentralbank einen Hinweis auf Zinssenkungen laut werden ließ“, schreibt die Financial Times. „Bernanke sagt, dass die Bank dazu beitragen werde, das Wachstum zu unterstützen.“
Die Zentralbank ist im gleichen Kreuzfeuer gefangen, wie alle anderen auch. Auf der einen Seite brechen die Hauspreise ein… den Verbrauchern geht das Geld aus… und die Banken haben Angst, Kredite auszustellen. Auf der anderen Seite steigt die Geldmenge… und zwingt die Preise von fast allem außer den Finanzanlagen nach oben.
Öl… Gold… Kupfer… Weizen… Traktoren… Weideland – all das wird von der Inflation nach oben getrieben.
Die Zentralbanker senken die Zinssätze normalerweise nicht, wenn sie steigenden Verbraucherpreisen entgegenblicken. Aber unser armes, von Bernanke angeführtes Bankenkonsortium hat das Gefühl, es bliebe ihm gar keine andere Wahl. Die Kanonen der Deflation stehen zur Linken… und die Artillerie der Inflation macht auf der rechten Seite laute Geräusche – sie werden auf der linken angreifen.
Warum? Aus zwei Gründen. Zum einen glauben sie, dass sie die Inflation jederzeit in die Pfanne hauen können. Das hat Paul Volcker vor 25 Jahren gezeigt. Die Inflation kann geschlagen werden, indem man streng gegen die Kreditvergabe vorgeht… und die Geldmenge reduziert.
Doch die Deflation? Die aktuelle Generation der Zentralbanker auf der Welt konnte Japans Schwierigkeiten in den letzten 18 Jahren verfolgen. Sie denken, dass sie daraus etwas gelernt haben. Auch die Bank of Japan verfügt über Wirtschaftswissenschaftler. Sie lesen die gleichen Wirtschaftslehrbücher. Sie haben die gleichen schicken Universitäten besucht. Sie glauben an die gleichen Unsinnstheorien wie die toten Ökonomen. Sie haben die Zinssätze im Prinzip auf Null gesenkt (Geldpolitik)… und sie haben mehr für völlig unsinnige Regierungsprojekte ausgegeben, als irgendeine andere Regierung (Steuerpolitik). Was hätten sie darüber hinaus noch tun können?
(Nun, die angelsächsischen Kritiker haben geschrieben, die Japaner seien Feiglinge, die nicht bereit sind, die großen Banken scheitern zu lassen, damit die Wirtschaft wieder auf die Beine kommen kann.)
Die Zentralbanker haben größere Angst vor der Deflation als vor der Inflation, denn sie halten sie für die Krankheit, die schwerer zu heilen ist.
Der zweite Grund, warum die Zentralbank die Deflation attackiert und nicht die Inflation, ist ausschließlich politischer Natur. „Wandel“ ist etwas, was jeder Kandidat verspricht, aber es ist auch etwas, was kein Kandidat wirklich will… zumindest nicht in der Form, die Mr. Market auf den Weg in ihre Richtung schickt.
Nach einem gewaltigen Boom liefert Mr. Market eine Korrektur. So erledigt er die Sache ganz einfach.
Boom… Krise… dann wieder Boom. Und weder die Wähler, noch die Politiker sind besonders scharf auf den Teil mit der Krise. Und sie alle gehen davon aus, dass sie etwas tun können… und sollten…, um es zu verhindern. Also bekämpft die Zentralbank die Deflation… und kümmert sich nicht um die Inflation, weil sie glaubt, dass die Inflation das Wachstum ankurbelt (und oft fälschlich von einfachen Beobachtern für Wachstum gehalten wird.)
Aber es sieht so aus, als würden Inflation und Deflation BEIDE gefährlicher werden.
„Die Inflation könnte schlimmer sein, als wir glauben”, heißt es in einem Artikel des Wall Street Journals. Ja, das würde mich nicht überraschen. Eine Sache, die ganz definitiv stark im Preis steigt, ist Benzin. In Amerika zahlen die Autofahrer heute für die Gallone 19 Cent mehr als vor zwei Wochen. Einige Experten gehen davon aus, dass der Preis noch vor Beginn des Sommers bei vier Dollar liegen wird. Das sind sehr schlechte Nachrichten für die Verbraucher.
„Damit kommt zur Kreditkrise und zur Immobilienkrise jetzt auch noch ein Ölschock”, schreibt Nigel Gault, ein Ökonom von Global Insight. „Selbst die amerikanische Wirtschaft kann sich all dem nicht gleichzeitig widersetzen.“ Wie erwartet, tun die Verbraucher genau das, was ihnen jetzt noch zu tun bleibt. Sie geben weniger Geld aus.
“Die Gewinne des Einzelhandels brechen ein”, berichtet die New York Times. Was passiert mit einer Verbrauchergesellschaft, wenn die Verbraucher aufhören zu konsumieren?
Ach, liebe Leser, die Antwort darauf kennen sie auch… sie schrumpft.