Angriff auf den Iran? Sie sollten auf Überraschungen immer gut vorbereitet sein!
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 16. Februar 2005 18:00 Uhr
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Um 14.10 Uhr kam eine Nachricht über die Ticker, dass eine Rakete auf einen Atomreaktor in Deylam im Iran abgeschossen worden sein soll.
Hier ist ein schönes Beispiel dafür, was ich gestern zu dem Thema "Überraschung" und die Notwendigkeit, in solchen Momenten genau zu wissen, was man tun muss, geschrieben habe. Der DAX rasselte natürlich nach dieser Nachricht erst einmal in die Tiefe, Investoren sprangen ängstlich aus ihren Positionen.
Ich hatte gerade gestern einen Artikel für die nächste Ausgabe der MakroStrategie geschrieben, in dem ich darauf einging, dass es für den Iran im Moment wenig Sinn mache, sich mit den USA anzulegen. Immerhin regiert im Iran die schiitische Mehrheit. Dadurch, dass nach der Wahl im Irak die Schiiten auch dort die Politik maßgeblich mitbestimmen können, haben die Schiiten ihre Macht und ihren Einfluss maßgeblich in der Region erweitern können. Sie sind jetzt sozusagen die Sieger eines langen Konflikts mit den irakischen Sunniten. Somit wäre es aus schiitischer Sicht völliger Unsinn, sich gegen die USA zu stellen und damit diese Vormachtstellung in der Region zu riskieren.
Genau das wissen natürlich auch die USA und so wird die US-Regierung sicherlich zunächst diesen Faktor in die diplomatische Waagschale werfen. Zumal der Iran in letzter Zeit auch oft genug mit diplomatischem Geschick agiert hat. Ebenso musste man aus den Erfahrungen nach dem 11. September davon ausgehen, dass die USA nicht ohne vorherige Drohgebärden den Iran angreifen werden.
Und ein letzter, aber wahrscheinlich der wesentlichste Punkt: Es wäre aus strategischer Sicht mehr als dämlich, nur eine Atomanlage im Iran anzugreifen, anstatt eine generelleren Angriff auf die vielen atomaren Standorte im Iran gleichzeitig zu vollziehen. Denn das würde den Zorn Irans und anderer moslemischer Länder hervorrufen und zu einer großen Krise führen, ohne dass dabei ein sinnvoller Erfolg erzielt worden wäre.
Mit diesem Hintergrundwissen konnte ich davon ausgehen, dass es sich bei diesem Anschlag höchstwahrscheinlich um irgendetwas anderes handeln musste.
Und tatsächlich kam zunächst aus Israel ein Dementi, dann sehr schnell aus den USA und zum Schluss bestätigte auch Russland, dass keine Informationen über einen Raketenangriff vorliegen.
Etwas später kam dann die Meldung im iranischen Fernsehen, das zuvor die Anschlagsthese verbreitet hatte, dass es sich bei der Explosion auch um den abgeworfenen/abgefallenen Tank eines iranischen Flugzeugs gehandelt haben könnte. Diese Meldung wurde zwar später ebenfalls dementiert, aber etwas später meldete die iranische Regierung, dass es definitiv keinen Anschlag gegeben habe.
Natürlich hätte man auch trotz dieser Hintergrundinformationen "falsch" mit der Einschätzung, dass es nicht die Amis waren, liegen können. Sicherheit gibt es an den Börsen nicht. Wenn man sich jedoch, wie gestern angedeutet, bereits im Vorfeld möglicher Krisen intensiv mit dem Thema beschäftigt, kann man häufig genug in überraschenden Situationen die richtigen Entscheidungen treffen.
Doch nun zu noch zu einem anderen Thema: Deutschland hat im vierten Quartal ein negatives Wirtschaftwachstum zu verzeichnen, nun hört man das Gleiche von Japan. Mittlerweile drei Quartale hintereinander hat es in Japan ein negatives Wirtschaftswachstum gegeben. Japan rutscht damit in eine Rezession.
Vielleicht erinnern Sie sich, dass ich im letzten Jahr während der Seitwärtsbewegung in den ersten Quartalen sagte, dass die Börse immer die Entwicklung der Wirtschaft weit vorwegnimmt. Zurzeit ca. 1 Jahr. Damals hatte ich schon vermutet, dass die Wirtschaftsentwicklung Ende 2004, Anfang 2005 stagnieren könnte, wenn die Märkte stagnieren. Es hat einen Grund, warum ich Sie daran erinnere:
Die Märkte sind seit August letzten Jahres deutlich gestiegen. Aus diesem Grund kann man davon ausgehen, dass es im dritten/vierten Quartal 2005 zu einem deutlichen Anziehen der deutschen Wirtschaft (im Zuge der Weltwirtschaft) kommen wird. Das wird auch der Grund sein, warum viele namhafte Analsten ein Anziehen der Binnennachfrage in Deutschland für diesen Zeitraum "vorhersehen".