Angestellte, die ihr Gehalt selbst bestimmen
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 10. Dezember 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Wirklich dreist, dass manche Vorstände sich immer noch weigern, ihre Bezüge gegenüber den Aktionären offenzulegen. Machen Sie sich das einmal klar: Die Aktionäre – also die Besitzer der Unternehmen – erfahren nicht, was Ihre Angestellten (denn letztlich sind die Manager nichts anderes) verdienen! Noch krasser: Diese Angestellten bestimmen ihr Gehalt selbst. Und wenn der Eigentümer fragt, wie hoch denn die Gehälter sind, wird ihm die Auskunft verweigert.
Hier muss ich einmal Christoph Amberger zustimmen: Da sind die USA viel weiter, dort ist es selbstverständlich, dass die Bezüge den Aktionären bekannt sind. Transparenz und hartes Durchgreifen bei Betrug werden dort glücklicherweise groß geschrieben – es ist kein seltenes Bild, dass die US-Börsenaufsicht SEC Vorstände in Handschellen abführen lässt. Unvorstellbar deshalb, dass sich in den USA jemand so äußern würde wie Karl-Ludwig Kley, Finanzvorstand bei Lufthansa.
Dieser Mann verweigert nämlich beharrlich die Offenlegung der Vorstandsbezüge bei Lufthansa. Mit dem Argument: "Bislang ist noch nirgends der Nachweis erbracht worden, dass die Veröffentlichung der individuellen Vorstandsbezüge zu einer Steigerung der Managementqualität geführt hätte."
Tja, aber ist denn schon der Nachweis erbracht worden, dass die Nichtnennung der Vorstandsbezüge zur Steigerung der Managementqualität geführt hat? Ich habe da so meine Zweifel.
Ich kann nur hoffen, dass die Aktionäre von Unternehmen wie der Deutschen Lufthansa bei der jährlichen Hauptversammlung entsprechenden Anträgen auf Veröffentlichung der Vorstandsbezüge zustimmen werden.
*** In der aktuellen Ausgabe von "National Geographic" konnte ich lesen, dass die "Seegurken" (gehören zur Familie der so genannten Stachelhäuter) mit dem Menschen eng verwandt sind. DAS erklärt einiges!
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Advents-Wochenende,
Michael Vaupel