Angebot und Nachfrage
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 12. Juli 2007 20:45 Uhr
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Liebe Leser,
gegenwärtig macht man sich darüber Gedanken, dass in Deutschland und Frankreich die Zahl der neuen KFZ Zulassungen rückläufig ist. Das ist nicht schön für die Automobilindustrie und drückt überdies gerade ein wenig auf den Palladiumpreis.
Es ist müßig nach dem Warum zu fragen! Vielleicht sind die Menschen vom Verlust ihrer Kaufkraft belastet, vielleicht sind sie im Zuge der CO2 Kampagne dem Ruf gefolgt aufs Fahrrad umzusteigen, vielleicht warten sie auch einfach auf die endlich fahrsichere, günstige chinesische Karosse! ;-)
Tatsache ist Zeichen, die auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums hindeuten wirken sich prinzipiell auch auf die Rohstoffpreise aus.
Palladium fiel im Zuge rückläufiger KFZ Zulassungen von 377 US Dollar pro Unze auf gegenwärtig 367 US Dollar.
Doch um wieder zur längerfristigen Realität zurückzukehren: Die Nachfrage nach Palladium steigt.
Nachfrage
Der große Preistreiber der Platingruppenmetalle ist vor allem der Umweltschutz. Nicht erst seit Frau Merkel sich die Erderwärmung auf die Fahnen geschrieben hat, erhält das Thema wachsende Popularität. Und der internationale Druck auf alle Staaten steigt. Dies zeigt die steigende globale Nachfrage nach Autokatalysatoren.
Und für diese KATs nutzt man Platingruppenmetalle. Noch hat hier Platin die Nase vorn, doch Palladium ist ihm dicht auf den Fersen.
Denn Palladium hat gegenüber Platin einen großen Vorteil: Es ist billiger. Seit Anfang letzten Jahres ist der Preis für Platin doppelt so stark gestiegen wie der von Palladium.
Die Nachfrage nach Palladium aus der Automobilindustrie ist steigend und sie verbraucht bereits jetzt die Hälfte allen Palladiums. Im vergangenen Jahr stieg die Nachfrage durch die Autobauer um 3,9 % auf 4,02 Millionen Unzen.
Hinzu kommt, dass seit letztem Jahr Palladium nun auch in Diesel Katalysatoren eingesetzt wird. Zwar ist auch hier noch Platin der Vorreiter, aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften, doch an neuen Techniken zum effizienteren Einsatz des Palladiums wird fieberhaft gearbeitet. Und selbst bei einer gegenwärtigen Substitutionsrate von 25 % wäre Palladium noch zu einem Preis von über 400 US Dollar die günstigere Alternative zum Platin.
So weit bis jetzt, aber nun richten Sie zudem ihren Blickwinkel von den US –amerikanischen und europäischen Autobauern nach China, dem bereits jetzt zweitgrößten Automobilmarkt der Welt. Auch hier werden Autos gebaut, auch für diesen Markt bauen ausländische Automobilhersteller in zunehmendem Maß, auch hier verschärfen sich die rechtlichen Bestimmungen im Zuge des internationalen Drucks und signifikanter Luftverschmutzung. Hier warten noch eine Milliarde Chinesen auf Autos mit Katalysatoren.
Unterschätzen darf man auch nicht die steigende Nachfrage aus der Schmuckindustrie. Allein die nordamerikanischen Juwelieren fragten im letzten Jahr 40 000 Unzen nach.
Die Firma Fortunoff begann im November Eheringe aus Palladium herzustellen und sagt nun das Metall repräsentiere inzwischen bereits 10 % des Marktes.
Kein Wunder, Palladium sieht toll aus, ist aber wesentlich billiger als Platin.
Hinzu kommt die steigende Nachfrage aus der Elektronikindustrie, wo die Platingruppenmetalle in der LCD Bildschirm Produktion verwendet werden.
Angebot
Russland, der größte Palladiumproduzent der Welt, kontrollierte – siehe Ford Debakel – bereits in der Vergangenheit den Markt.
Im letzten Jahr lagen die russischen Exporte um 33 % unterhalb der Spitze von 1998.
Russland produzierte in 2006 3,9 Millionen Unzen, gefolgt von Süd Afrika mit 2,95 Millionen Unzen, Nord Amerika mit 985 000 Unzen und Zimbabwe mit 142 000 Unzen.
Man nimmt an, die russische Zentralbank halte in etwa 6 Millionen Unzen an Reserven. Doch genaueres ist nicht bekannt.
Und so schnell wird dies wohl auch nicht bekannt werden, denn die Russen sorgen mit ihren Exportbeschränkungen und einer Geheimnistuerei dafür, dass das Angebot niemals zu hoch ist. Zwar ist seit Januar das russische Exportquotensystem offiziell aufgelöst, doch Norilsk Nickel darf nach wie vor nur über eine staatliche Handelsorganisation sein Palladium verkaufen. Die Russen haben aus der Vergangenheit gelernt. Eine weitere Blase werden sie nicht mehr kreieren, aber eben auch nicht ihr Palladium auf den Markt werfen und die Preise abstürzen lassen. Vielmehr scheinen sie sich den Anforderungen des Marktes anzupassen, ohne die Preise dem Verfall preis zugeben.