Angebot und Nachfrage ausgeglichen erwartet
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily
vom 17. Januar 2012, 17:00 Uhr
ENL5454
Sehen wir uns also noch an, wie sich die Angebots- und Nachfragesituation für 2012 darstellt. Die Daten dazu habe ich dem Jahresausblick von Tiberis Asset Management entnommen. Dieses Analysehaus ist spezialisiert auf das Management von Rohstoffen sowie entsprechenden Fonds und bietet immer wieder einen sehr guten Überblick.
Kurz zusammengefasst: Tiberius erwartet nach Jahren einer eher defizitären Marktstruktur 2012 eine relativ ausgeglichene Angebots- und Nachfragesituation. Dazu trägt eine geplante Ausweitung der Kupferförderung in verschiedenen Ländern bei, ebenso wie der Start großer neuer Produktionsanlagen. Bis letztere allerdings auf vollem Niveau arbeiten, kann es längere Zeit dauern. So wird für die riesige neue Mine Oyu Tolgoi in der Mongolei 2012 nur eine Produktion von 20.000 t erwartet. Langfristig sollen hier gigantische 750.000 t Kupfer im Jahr gefördert werden.
Eher negativ wirkten sich in den vergangenen Jahren politische Turbulenzen und Streiks in den wichtigsten Minenländern in Südamerika und Afrika aus. Auch die drittgrößte Mine der Welt, Grasberg in Indonesien, ist seit Oktober durch einen Streik lahmgelegt. Damit fallen immerhin monatlich rund 50.000 t Kupfer weg, die dem Markt fehlen. Selbst wenn sich die Lage wieder bessern sollte, rechnen Analysten nur mit einem Anstieg der Produktion von vier bis fünf Prozent weltweit in diesem Jahr.
Dem stehen auf der Nachfrageseite Sorgen um die Konjunkturentwicklung gegenüber. Obwohl sich die Weltwirtschaft wohl etwas schwächer entwickeln wird, sehe ich keinen deutlichen Einbruch bei der Kupfernachfrage. Dafür sprechen auch die in der vergangenen Nacht veröffentlichten Zahlen zum Wirtschaftswachstum in China: Es lag im vierten Quartal 2011 bei 8,9% - die meisten Länder wären froh, wenn sie solch einen Wert jemals erreichen würden, auch wenn es für China eine leichte Abschwächung bedeutet. Positiv überraschte ferner der ZEW-Index für Deutschland. Mit -21,6% leigt er zwar noch im negativen Bereich, zeigt aber eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vormonatsstand von -53,8%.
Angesichts der nach wie vor relativ hohen Preise für das Kupfer könnte natürlich auch die Substitution durch andere Metalle eine Rolle spielen, etwa durch Aluminium oder Nickel. Doch für viele Anwendungen ist das einfach nicht wirtschaftlich, weil deren Eigenschaften einfach nicht wirklich vergleichbar sind. Gerade für den weiteren Ausbau alternativer Energieerzeugung und dessen Verwertung etwa durch Elektrofahrzeuge ist Kupfer nahezu unersetzbar. Das zeigen auch die Lagerbestände für Kupfer in London, die schon wieder im Fallen begriffen sind. Das bedeutet, dass jeder günstigere Kurs genutzt wird, um die Lager der Firmen aufzufüllen. Diese hatten sich bei den hohen Preisen eher zurückgehalten und ihre Bestände verbraucht, doch seit einiger Zeit sind vor allem die Chinesen wieder sehr stark als Käufer unterwegs.
Insgesamt kann ich also nur zu dem Schluss kommen, dass die Aussichten für Kupfer zwar nicht überwältigend gut sind, ich aber derzeit auch keinen weiteren Absturz der Preise kommen sehe. Mit Spekulationen auf der Shortseite wäre ich also noch vorsichtiger als mit solchen auf längerfristig wieder steigende Kupferpreise. Aber dafür bevorzuge ich natürlich vor allem interessante junge Firmen, die Ihnen durch eine gute Entwicklung einen Zusatzgewinn bringen können.
Herzliche Grüße,
Ihre Daniela Knauer