Angebot stagniert - Nachfrage steigt
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 25. September 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leserinnen und Leser,
Den heutigen Tag werde ich mir vorsorglich im Kalender in grüner Farbe markieren und ich empfehle Ihnen, dies auch zu tun. Wenn mich nicht alles täuscht, wurde heute ein bedeutender Stimmungsfaktor, der in die Lehrbücher der Börsenpsychologie" eingehen sollte, geboren. Falls er sich als treffsicher erweisen sollte, werde ich ihn den Peer-Faktor" nennen und den Namen als Marke schützen lassen.
Heute früh sah alles nach einem weiteren tristen und tendenzlosen Handelstag aus, der zwischen Hoffen und Bangen dahin plätschern würde. Doch dann ließ mich eine Schlagzeile hellwach werden: Unser Finanzminister Peer Steinbrück hat mit geschwellter Brust verkündet, dass nach der Finanzkrise nichts mehr so sein werde wie zuvor. Der gute Mann mag Recht haben, dachte ich mir und überlegte, wie die Börsianer auf den melancholische Finanzminister reagieren werden. Denn bekanntlich kommt ja in der Politik die traurige Melancholie nach Panik und Verzweiflung. Das eine Rallye in der tiefsten Verzweiflung geboren wird, weiß jedes Kind. Wie aber politische Melancholie sich auf das Kursverhalten auswirkt, galt es nun wissenschaftlich zu untersuchen. Und richtig, der DAX testete nur Minuten später sein Unterstützungsniveau bei 6.060 Punkten erneut um dann bis an den nächsten Widerstand bei 6.130 zu sprinten. Für mich besteht kein Zweifel, melancholische Politiker sind ein Kaufsignal unter den Stimmungsindikatoren. Ich vermute, dass der Peer-Indikator" einmal bedeutender wird als der altbekannte Effekt einer Börsen-Schlagzeile in der Bild-Zeitung"!
Wie vergangene Woche versprochen will, ich heute nochmals auf die derzeit verprügelten Titel der alternativen Energien eingehen. Denn möglicherweise bietet uns der stark gefallene Ölpreis hier einige Einstiegsgelegenheiten trotz der anhaltenden Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Oder sollte ich sagen wegen der Turbulenzen? Denn ganz ehrlich bin ich mir nicht so sicher, ob wir ohne die Bankenkrise heute auch über Ölpreise von 100 $ sprechen würden. Genauso wie den rasante Preisanstieg der ersten Jahreshälfte halte ich auch die derzeitige Korrektur für eine Übertreibung. Beide Phasen haben wir wohl einigen Hedgefonds zu verdanken. Erst trieben die Trendfolger die Preise nach oben. In den vergangenen Tagen ging das Spiel aber umgekehrt, als die Positionen von in Schieflage geratenen Spekulanten eingedeckt werden mussten. Auch der vorübergehend schwächere $ tat sein übriges, um die Ölblase anzupiken. Ein rationaler Investor wird sich aber kaum von den hektischen kurzfristigen Preisschwankungen beeinflussen lassen, sondern vielmehr eine langfristige Strategie verfolgen.
Steigende Nachfrage trifft auf sinkendes Angebot
Mal abgesehen von periodischen, durchaus heftigen Preiskorrekturen, dürfte sich der Ölpreis langfristig eher nach oben absetzen. In Anbetracht der explodierenden Anzahl von Konsumenten in den Schwellenländern, die nun auch ihren Anteil vom Kuchen des Wohlstands einfordern, bleiben mir nicht viele Argumente für einen fallenden Ölpreis. Obwohl ich nicht viel von plakativen Horrormeldungen halte, muss man schon aufhorchen, wenn namhafte Regierungsberater einen Ölpreis von 500 $ binnen fünf Jahren für realistisch halten. Im Sommer brachte T. Boone Picken, einer der bekanntesten und reichsten US-Ölunternehmer, die Argumente auf den Punkt als er sagte: "Öl zu fördern wird immer teurer werden, schwerer zu finden und es gibt nicht mehr genug, um die Nachfrage zu befriedigen... und nun hat es seinen Krisenpunkt erreicht." Die Krise besteht darin, dass in den vergangenen 10 Jahren alleine 500 Mrd. Barrel Öl verbraucht wurden, was ein Viertel der bisher gefundenen Menge darstellt. Außerdem war das Jahr 2005 insofern bedeutend für uns Konsumenten, da damals die Hälfte der bekannten Vorräte verbraucht war. In den vergangenen 200 Jahren hing die Energieversorgung von fossilen Brennstoffen ab. Nun aber übersteigt die globale Nachfrage plötzlich die Förderungsmöglichkeit. Denn ohne Frage sind die Quellen, die in den letzten Jahren erschlossen wurden, nur mit ungleich höheren Kosten auszubeuten als z.B. die flach unter dem Wüstensand liegenden arabischen Ölfelder.ähnliche Beiträge:
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