An wen Sie strategische Metalle verkaufen können
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Strategische Metalle
vom 26. Januar 2012, 12:00 Uhr
ENL5454
Trader´s Daily-Leser Peter F.:
"Ich kann wohl solche Materialien physisch kaufen; auch der Platzbedarf ist überschaubar.
Aber wie verkaufe ich die notfalls? Wird mich Siemens als Anbieter ernst nehmen? Und die meisten dieser Materialien werden ja in Asien verarbeitet."
Meine Antwort:
Ich sage Ihnen mal etwas: Letztens war ich beim Metallhändler meines Vertrauens. Der hatte kurz vorher geschätzte 5% der Weltjahresproduktion an Hafnium gekauft, zum Weiterverkauf. Bei solchen Größenordnungen werden Sie von der Industrie ganz bestimmt ernst genommen. Und bei strategischen Metallen geht so etwas auch, spürbare Mengen der Weltjahresproduktion zu kaufen...
Wenn Sie hingegen 5% der Weltjahresproduktion an Kupfer kaufen wollten, wäre der Kauf mancher Großunternehmen günstiger...
Nehmen wir Rhenium. Dieses Metall mag ich als Rheinländer natürlich schon wegen seines Namens.
(Aktuell wird es besonders für die Triebwerke des neuen Airbus A380 benötigt, die arbeiten nämlich mit einer Wolfram-Rhenium-Hafnium-Legierung. Spart pro Triebwerk eine Tonne Gewicht und damit auch Treibstoff, was also die Umwelt, die Fluglinie und die Rhenium-Investoren freut.)
Bei Rhenium erreicht die Primär-Jahresproduktion lediglich knapp 50 Tonnen. Das sind gerade einmal 50.000 Kilogramm. Die Hälfte davon kommt aus Chile, und da ist es ein einziges Unternehmen (Molymet), welches diese Produktion kontrolliert. So hat Molymet mal eben die Hälfte der Jahresproduktion der Welt unter Kontrolle.
Was nun, wenn dieses Unternehmen seine Marktmacht ausspielt, und auf höhere Preise pokert? Airbus-Produktion...ach, ja gerne können Sie unser Rhenium kaufen, aber derzeit haben wir Lieferschwierigkeiten....doch gegen eine saftige Preiserhöhung könnte es schneller gehen...etc. pp.
Wenn Sie in so einer Situation als Privatanleger an einen Triebwerk-Produzenten herantreten, mit sagen wir einmal 15 Kilogramm Rhenium - glauben Sie, der wird Sie abblitzen lassen? Wenn Sie für weniger als 3.000 Euro pro Kilogramm gekauft haben...und einige Triebwerke dringend fertig gestellt werden müssen...glauben Sie, da fällt es für den Hersteller entscheidend ins Gewicht, ob er nun 3.000 oder 6.000 oder auch 9.000 Euro je Kilogramm zahlt? Der Anteil daran an den Gesamtkosten ist relativ gering! Und das ist eine Chance für die Anbieter des Rohstoffes.
Im Normalfall suchen Sie sich aber einen Metallhändler Ihres Vertrauens, der kauft die Metalle dann auch zurück. Wir haben es hier aber nicht mit Zertifikaten zu tun, mit minimalen Transaktionskosten. Metalle wollen gelagert sein, versichert, müssen bei Verkäufen transportiert werden. Deshalb ist es in diesem Bereich normal, einen "Spread" (= Spanne zwischen An- und Verkaufskurs) zwischen 10% und 20% zu haben.
Das müssen Sie schon akzeptieren, sonst ist dieses Geschäft nichts für Sie.
Um das mal in eine Relation zu setzen: Das von mir genannte Rhenium notierte noch im Jahr 2006 bei Preisen um die 1.000 Euro je Kilogramm. Mit Aufkommen der neuen Technologien stieg der Preis rasant, bis auf knapp 7.500 Euro je Kilogramm Ende 2008. Wo wurde schon auf diese Performance hingewiesen?
(Antwort: Ich kenne keine einzige schriftliche Quelle innerhalb der allgemeinen Finanzpresse - außer jetzt hier, im Trader´s Daily.)
Wer hätte da nicht gerne die 10-15% Spread "gerne" gezahlt, bei einem Verkauf im Jahre 2008....
Mit metallischem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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