An die Abschlussklasse von 2012

in Kapitalschutz Akte
vom


Ich verbrachte das Wochenende in Charlottesville, Virginia, bei der Universitäts-Abschlussfeier meines Sohnes Henry.

Die Universität von Virginia (UVA) ist wohl der ansehnlichste Campus in Amerika. Vor allem im Mai. Dort gibt es einen zentral gelegenen, grünen Vorplatz mit Gebäuden mit Säulenhalle im griechisch-römischen Stil. An einem Ende steht die berühmte „Rotunda". Blumen und Bäume blühen wohin man blickt.


Ich kenne keinen anderen Präsident, der etwas Gleichwertiges erreicht hätte. Einige haben zweifelhafte Kriege geführt. Einige riefen dubiose Sozialprogramme aufgestellt. Die besten von ihnen verbummelten ihre Karriere, schüttelten Hände, machten Deals und schlurften von der Bühne, die sie nicht besser und nicht schlechter hinterließen, als sie war, bevor damals für sie der erste Vorhang fiel. Doch Mr. Jefferson hinterließ ein architektonisches Denkmal, das einfach atemberaubend ist. Er wäre heute sehr stolz darauf.

Die Reden bei der Verabschiedung waren jedoch keineswegs atemberaubend. Stattdessen gab es nichts als diese üblichen hohlen Phrasen, die man mit den Rednern einer solchen Veranstaltung verbindet. Einer drängte die Schüler hinaus in die Welt zu gehen und „etwas zu bewegen". Ein anderer sagte ihnen, sie sollen ihre Ausbildung für große öffentliche Zwecke nutzen. Ein anderer drängte darauf, dass sie die Führungskräfte von morgen werden sollen. Alle erklärten, dass die Jahre an der UVA (keiner sagte etwas von dem Geld) eine gute Investition gewesen sind, sowohl prägend als auch entscheidend. Sie haben sie zu den bestimmten und fähigen Menschen gemacht, die sie nun angeblich sind.

Jefferson hätte mit den Augen gerollt.

Hiermit biete ich eine alternative Abschlussrede. Eine ehrliche Ansage an die Abschlussklasse von 2012. Eine, mit der ich niemals gebeten werde sie zu halten:

Ich sehe Sie hier vor mir. Angeordnet in alphabetischer Reihenfolge. Von Mr. Aaron von Alexandria nach Mr. Zyman von Richmond. Sie haben sich alle schick gemacht, Sie tragen  die antike Kleidung, die Gelehrte seit hunderten von Jahren geprägt hat. Und in ein paar Minuten werden Sie die Quasten an ihren lustigen, kleinen Hütchen von rechts nach links hängen um zu zeigen, dass Ihnen der Bachelor-Abschluss anerkannt wird. Das bedeutet, dass Sie in den Kreis der wenigen aufgenommen werden, der Elite, der Gelehrten.

Aber wie viele von Ihnen sind wirklich gelehrt? Wie viele von Ihnen sind Schwindler? Wie viele sind in der Lage ein einfaches Essay zu verfassen? Wie viele können ein lateinisches Verb deklinieren? Wie viele beherrschen Infinitesimalrechnung und Quantenphysik?

Sie haben von einer Gruppe Männer in einem alten englischen Club gehört. Der Kellner kommt zu ihnen und fragt, ob sie gerne etwas Hock möchten. Einer von ihnen sagte geschickt „hic, haec, hoc". Also kam der Kellner zurück, mit Drinks für alle außer ihm. Als er fragte wieso, antwortete der Keller: „Aber Sir, Sie haben den Hock dekliniert" (engl. declined=abgelehnt)

Wie viele von Ihnen haben den Witz verstanden?

Ich stelle diese Frage nur, weil ich misstrauisch bin. Viele College Absolventen von heute können kaum als ‚Intellektuelle‘ bezeichnet werden.

von
Bill Bonner
Bill Bonner

Bill Bonner ist einer der anerkanntesten Finanzexperten der USA und Bestseller-Autor. Bei uns schreibt er regelmäßig im Börsen-Newsletter Kapitalschutz Akte.


Anzeige

Weshalb die Börsen demnächst rapide abstürzen werden – und warum Sie dieser Crash z. B. +270,2% reicher machen wird …“

Roland Fressl erzielt mit seiner Trendfolge-Strategie seit 1990 unglaubliche +84,1% Performance – Jahr für Jahr!

Während der 2008er Finanzkrise waren es sogar unglaubliche +270,2% – während weltweit alle Anleger Zeter und Mordio schrien.

Jetzt schlägt sein Trading-System erneut Alarm.

Roland Fressl lädt Sie heute ein, seine in der Finanzkrise erprobte +270,2%-Gewinn-Strategie nachzumachen.

Haben Sie den Mut, jetzt einzusteigen? Maximal 100 Tradern steht diese Chance jetzt offen.

Erfahren Sie hier mehr!



Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben

Kommentar von Eberhard Witz

Trifft auf den Punkt, - es ist aber Maßstab unserer Gesellschaft: "Mehr scheinen, als sein!" Nach dem "Peter-Prinzip" erreicht jeder irgendwann eine Position, die die erste Stufe seiner Inkompetenz darstellt. Leider befinden sich heute viele Politiker, trotz Universitätsbesuchs, schon in viel höheren Stufen.

Antworten
Kommentar von berger

Treffender kann unsere Elite sehen. Früher waren auch gute Handwerker besser ausgebildet.

Antworten
Kommentar von herzog Waydelich

Der Kellner hatte verstanden, wie hock dekliniert wird. Er verfügt demnach auch über einen gehobenen Bildungsabschluss. Nur findet er offensichtlich keinen, seiner Ausbildung adäquaten Arbeitsplatz und muss sich mit Billigjobs durch das Leben schlagen. "...Alle erklärten, dass die Jahre an der UVA eine gute Investition gewesen sind, sowohl prägend als auch entscheidend. Sie haben sie zu den bestimmten und fähigen Menschen gemacht.." Wunsch und Wirklichkeit...

Antworten