Amerikanische Anleihen – ein gefährlicher Schutz
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 26. März 2009, 07:30 Uhr
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Das ist eine Wasserrutsche in die Hölle!
Was war das nur für eine Woche. Unter dem Deckmantel des AIG Skandals hat die amerikanische Zentralbank vergangene Woche etwas wirklich Tollkühnes getan.
„Der Plan der Zentralbank raubt den Investoren die Worte", hieß es in einer Schlagzeile der Financial Times.
Es sollte uns alle erstaunen. Aber wir gewöhnen uns an derartig kostspielige Geldverschwendung auf Staatskosten.
Als Antwort auf die letzte Maßnahme der Zentralbank, ist die Rendite auf die zehnjährigen Schatzbriefe stärker gefallen als je zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1962. Von 3,01% sind sie unmittelbar nach der Nachricht auf 2,48% gefallen.
Die Erträge sind gefallen, weil die Zentralbank gesagt hat, sie würde Regierungsschulden im Wert von 300 Milliarden Dollar kaufen wollen. Die Aktien sind gestiegen. Und der Dollar ist gegenüber dem Euro heftig eingebrochen... auf weniger als 1,31 Dollar pro Euro.
Die meisten Menschen haben natürlich keine Ahnung, was das zu bedeuten hat. Aber ich bin nicht erst gestern geboren. Und ich habe diese Geschichte schon in den vergangenen 38 Jahren verfolgt.
Ein experimentelles Währungssystem
Ja, liebe Leser, seit Richard Nixon die Verbindung zwischen Gold und dem Dollar durchtrennte, nutzt die Welt ein Währungssystem, das man, wenn man es im besten Lichte stehen lassen will, als experimentell bezeichnen muss. Die letzten Experimente dieser Art - oder irgendetwas in dieser Größenordnung - wurden im 18. Jahrhundert durchgeführt. Die Banque Generale wurde von dem Schurken John Law gegründet, um die Schulden Frankreichs aufzukaufen - von denen es viele gab. Und ein ähnlicher Plan wurde auch in England kurz darauf für Regierungsschulden gefasst - er wurde später unter dem Namen South Sea Company bekannt.
In der amerikanischen Version des Jahres 2009 nutzte die Zentralbank grüne Papierfetzen, die man Dollar nannte, um die Regierungsschulden aufzukaufen.
Einen Moment noch, wo sind all die Dollar hergekommen? Ach, sie entstanden genauso wie auch die Aktien der South Sea Company... oder die Aktien der Mississippi Company (die französische Variante) - sie wurden ganz einfach gedruckt.
Und jetzt muss man sie noch nicht einmal mehr drucken. Wenn die amerikanische Zentralbank die amerikanischen Schulden aufkauft, dann ist das eigentlich nur eine elektronische Notiz... wie ein Schuldschein, der verschwindet, sobald einmal der Strom weg ist.
Ein unmoralisches Angebot
Als die Pläne, die Schulden aufzukaufen, im 18. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt wurden, sind die entsprechenden Aktien anfangs gestiegen. John Laws Aktien waren ein solcher Hit, dass die Damen ihn auf der Straße anhielten... es gab Gerüchte, dass sie ihm den am meisten geschätzten Gefallen tun wollten, wenn er ihnen die Möglichkeit zum Kauf geben würde. Die Aktien der South Sea Company sind derweil innerhalb eines einzigen Jahres um das Zehnfache gestiegen.
Amerikanische Schatzanleihen sind im Anschluss an die Nachricht natürlich auch gestiegen. Der reichste Anleger der Welt war gerade am Markt angekommen - und hatte bekannt gegeben, dass er für 300 Milliarden Dollar kaufen würde.
Und wenn das nicht funktioniert... dann wird er noch mehr kaufen.
„Die Zentralbank kauft eine Billion Dollar in Wertpapieren, um der Wirtschaft zu helfen", berichtet die New York Times.
„Die Zentralbank arbeitet an einer gewaltigen quantitativen Lockerung [quantitative easing]", sagte William Poole, einstiger Vorsitzender der Zentralbank von St. Louis.
Und warum auch nicht? Die Zentralbanken von England, Japan und der Schweiz kaufen alle ihre Regierungsanleihen. Und auch der Internationale Währungsfonds.
Rettungen und Konjunkturprogramme sind bislang gescheitert
Abgesehen davon haben all die Rettungen und Konjunkturprogramme bislang nicht funktioniert. Und wenigstens ergibt dieser letzte Plan ein wenig mehr Sinn. Das Problem sind die Schulden und nicht die Liquidität. Beim Kauf der Wertpapiere von Fannie und Freddie, wird die Zentralbank die Kosten für Hypothekenschulden senken. Das wird den Hausbesitzern eine Möglichkeit geben - vielleicht die letzte in ihrem Leben - ihre Häuser zu geringen Zinsen zu refinanzieren. Der Zielbereich... so habe ich gehört... liegt bei drei bis vier Prozent.
Wenn die Hausbesitzer in der Lage sind, zu so geringen Zinssätzen zu refinanzieren, dann wird das kurzfristig die monatliche Belastung des Geldflusses reduzieren und Geld für andere Dinge frei machen (wie z.B. um die Kreditkartenschulden abzuzahlen). Wenn ein Hausbesitzer in der Lage ist, derartig geringe Sätze zu sichern, dann wird er langfristig fast sicher erleben, dass die Schuldenlast selbst signifikant erleichtert wird - dank der steigenden Inflationsrate.
Bald ist man besser Kreditnehmer als Kreditgeber
Kreditgeber aufgepasst! Die amerikanischen Schatzbriefe sind attraktiv, weil sie sicher sind. Aber sie könnten sich als gefährlichster Schutz der Finanzgeschichte erweisen. Das ist der Moment, zu dem es vermutlich besser ist, ein Kreditnehmer als ein Kreditgeber zu sein. Refinanzieren Sie ihr Haus zu einem festen Zinssatz von 5%. In den ersten Jahren wird das Bezahlen der Raten vielleicht so schmerzlich sein, wie der Besuch eines Eheberaters. Aber wenn die Ehe dann irgendwann geschieden wird... und die Inflation auf die 10% zugeht,... stellen Sie sich einmal vor, wie frei und leicht Sie sich dann fühlen werden. Innerhalb weniger Jahre wird die Hypothek fast verschwunden sein.
Das ist so attraktiv, ich bin versucht, es selbst so zu machen. Aber ich habe schon seit 20 Jahren keine Hypothek mehr aufgenommen... ich will damit jetzt nicht anfangen.
Es ist besser, dem klugen Geld zu folgen. John Paulson ist einer der wenigen Hedgefondsmanager, die die Finanzkrise verstehen und die damit Geld verdienen können. Er hat ein Vermögen erwirtschaftet, als er im Jahr 2007 gegen die minderwertigen Kredite gewettet hat. Im Jahr 2008 ist ein Fonds um 37% gestiegen - während der Rest der Welt Billionen verloren hat.
Was tut er jetzt? Er war in dieser Woche in den Nachrichten, weil er einen großen Anteil an AngloGold Ashanti, einem Goldgräber, gekauft hat. Für 1,28 Milliarden Dollar.