Amerikaner und Chinesen
Investors Daily
vom 24. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
*** Die Amerikaner glauben, dass die ganze Welt so sein will wie sie. Die sogenannten "Neokonservativen" sagten, dass man nur die US-Army in den Irak schicken müsse, um Saddam zu stürzen ... und das ganze Land würde erleichtert aufatmen. Und alle würden sich danach sehnen, genau wie die Amerikaner zwei Parteien zu haben, Demokraten und Republikaner.
"Auf Kurs bleiben", sagt US-Präsident Bush. Die Iraker wollen immer noch Amerikaner werden; es gibt nur eine paar reaktionäre Elemente, die im Weg stehen.
Diese falsche Einschätzung wird nicht nur auf die Wüstenstämme von Mesopotamien übertragen, sondern auf die ganze Welt.
Natürlich sind die Chinesen – wie jeder weiß – jetzt wie die Amerikaner geworden. Sie sind jetzt Kapitalisten und Demokraten. Wenn man es ihnen erlauben würde, dann würden sie George Bush wählen und Hedgefonds-Boutiquen an jeder Ecke eröffnen.
Aber in den 1950ern waren die Chinesen noch ganz anders. Im Winter 1959 entschied sich die chinesische kommunistische Führung unter Mao dazu, den eigenen reichen Bauern den Krieg zu erklären, wie Jasper Becker in seinem Buch "Hungry Ghosts" (zu Deutsch: Hungrige Geister) schreibt. "Reiche" Bauern wurden gequält und ermordet. Private Küchen wurden verboten. Alte Leute wurden in "Glücks-Häuser" geschickt, wo ihnen erlaubt wurde, sich zu Tode zu hungern. Kinder wurden in kommunale Baracken gesteckt – wo auch sie hungerten.
*** Es ist ein typischer Sommer hier in London – es regnet. Aber andererseits regnet es auch immer, wenn Wimbledon stattfindet.