Amerika konsumiert mehr, als es produziert
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 30. Oktober 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Die Besucher von Einkaufszentren sind bei ihren Shopping-Touren zurückhaltender geworden, so die letzten News aus den USA.
Wenn das wirklich zutrifft, dann wundert mich das nicht: "Das musste so kommen", ist seit Wochen meine Einschätzung – wie Sie wissen. Schließlich konnte der amerikanische Konsument nicht dauerhaft mehr ausgeben, als er verdient.
Ein anderes Ereignis, das meiner Meinung nach "auch so kommen musste", war der Fall des Dollar. Amerika verhielt sich genauso wie seine einzelnen Konsumenten – es wurde mehr konsumiert als produziert. Es kann durchaus sein, dass Amerika die beste und leistungsfähigste Volkswirtschaft hat, die es jemals auf der Welt gegeben hat. Aber es hängt vom Wohlwollen der Ausländer ob, ob die Differenz zwischen dem, was Amerika produziert, und dem, was Amerika will, problemlos ausgeglichen wird.
Ich arbeite – wie Sie wissen – in Paris, und ich weiß deshalb viel über "Ausländer". Ich habe jahrelang unter ihnen gelebt und ihre Eigenschaften kennen gelernt. Sie sind nette Leute, ganz bestimmt. Und sie helfen normalerweise in Not geratenen Fremden. Aber sie lassen sich nicht gerne ausnutzen – genauso wenig wie Amerikaner.
Deshalb glaube ich, dass es nicht ewig so weitergehen kann: Die Ausländer werden den überzogenen amerikanischen Konsum nicht für immer finanzieren wollen. Früher oder später werden sie auf die Berge ihrer Papierdollar blicken und denken, dass sie genug haben. Dann werden sie diese Dollar in ihre Währungen zurücktauschen wollen. Aber wer wird sie dann kaufen? Die Amerikaner haben schon Dollar ... und sie sind Dollar-Netto-Exporteure, jeden Tag verlassen 1,5 Milliarden Dollar das Land. Die Amerikaner wollen ihre Dollar genauso wenig zurück wie die Japaner ihre Hondas oder die Franzosen ihren Champagner zurücknehmen würden. Champagner und Hondas sind immerhin nützliche Dinge. Aber was kann man mit einem benutzten Dollar machen, den niemand haben will?
Damit bleibt für die Ausländer nur die Möglichkeit, die Dollar an andere Ausländer weiterzuverkaufen. Und auf einmal könnte es möglich sein, dass die imperiale Währung zusammenbricht.
In Märkten – wie auch im Rest der Natur – hält nichts für immer. Und Dinge, die "passieren müssen", werden auch passieren. Das einzige Problem ist, dass Sachen, "die nicht mehr lange so weitergehen können", doch noch lange so weitergehen können – vielleicht sogar länger als man lebt.
Zuletzt fiel der Dollar immerhin leicht. Mehr dazu von Eric Fry.