Amerika, die Dienstleistungsindustrie
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. März 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Elende Städte... Geisterstädte... wütende Wähler
Ich will heute einen genaueren Blick auf die neuen amerikanischen Geisterstädte werfen.
Es gibt viele Gemeinden und Städte mit schrumpfenden Bevölkerungszahlen... die die wesentlichen Branchen verlieren... und die vermutlich am Rande der Auslöschung stehen. USA Today erwähnte einige davon in der Titelgeschichte der Dienstagsausgabe.
Ravenswood in West Virginia ist ein Beispiel. Die Stadt hat 4.000 Einwohner und ein großes Unternehmen. Es ist eine Stadt, in der man alles auf ein Pferd gesetzt hat und der Gaul geht jetzt. Die Aluminiumwerke sind teilweise bereits geschlossen, heißt es von USA Today und der Rest steht zum Verkauf.
Was wird mit Ravenswood passieren? Es könnte zu einer Geisterstadt werden.
Es gibt bereits Dutzende Städte in West Virginia, in denen überwiegend Geister leben. Sie sind die Relikte der Booms und Krisen der Vergangenheit. Bergbau, Holzwirtschaft und die Eisenbahn - sie alle haben ihre eigenen Städte hervorgebracht. Und dann sind die gewinnträchtigen Unternehmen der Vergangenheit irgendwann nicht mehr gewinnträchtig gewesen. Die Leute sind gegangen. Und die, die noch da sind, leben hinter verschlossenen Fensterläden.
---------------------------------------------------------- Anzeige ------
AKROPOLIS ADIEU: Welche deutschen Banken als Gläubiger Griechenlands demnächst in die Pleite rutschen. Hier klicken
Wenn an der Themse die Lichter ausgehen: Warum Großbritannien das nächste Island ist ... diesmal aber im XXL-Format! Hier klicken
-----------------------------------------------------------------------------
Die Booms und Krisen unserer Zeit fordern ganz einfach nur mehr Opfer. Cleveland verliert Einwohner. Genauso Baltimore. Und genauso Dutzende anderer amerikanischer Städte.
„In dem Amerika, in dem Güter produziert werden, gehört zu einer Rezession auch eine Krise", heißt es in dem Bericht weiter. „Laut einer neuen Studie der Northeastern University ist einer von sechs Arbeitsplätzen für Industrieangestellte seit dem Jahr 2007 verloren gegangen."
Und einer von fünf erwachsenen Männern im besten Arbeitnehmeralter steht ohne Arbeit da. Es gibt immer weniger Fabrikstädte in den USA... und immer weniger Arbeitsplätze für die Menschen, die dort arbeiten. Und jetzt heißt es, dass die Verkaufszahlen für Autos im Februar um fast 4% gefallen sind. Eine frühe Schätzung geht davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen, auch weiter düster aussehen werden.
Eine reine Dienstleistergesellschaft?
„Fabrikarbeiter sind Dinosaurier", heißt es von einer entlassenen Arbeiterin, die jetzt auf mobilen Krankenpflegedienst umschult.
Hmmm... ich will wissen, wie das funktioniert. Niemand stellt mehr etwas her. Wir alle werden zu Arbeitnehmern in der Dienstleistungsindustrie... und kümmern uns um den jeweils anderen. Ich gebe Ihnen fünf Dollar, damit Sie meinen Rasen mähen... und sie geben mir fünf Dollar und ich schneide Ihnen dafür die Haare. Keiner von uns hat anschließend auch nur einen Penny mehr. Wie können wir uns dann noch leisten, etwas zu kaufen?"
„Eine Industriestadt stellt Güter her, die Wohlstand in die Gemeinschaft bringen, eine postindustrielle Stadt hat eine Nullsummen-Wirtschaft. Die Leute mit einfachen Stellen, ‚bedienen und zahlen einander‘, heißt es in USAToday.
---------------------------------------------------------- Anzeige ------
Das nächste Griechenland: Dieses Land (eine der größten Volkswirtschaften der EU!) wird als nächstes fallen Für alle Details hier klicken
PANIK AN DER THEMSE: Warum Großbritannien die nächste Phase der Finanzkrise einläuten wird. Denn diese Gift-Papiere brechen dem Land in Kürze das Genick! Welche das sind: Hier klicken
------------------------------------------------------------------------------
Dienstleistungen machen die Menschen nicht reicher. Sie machen ihnen das Leben angenehmer. Aber wahres Vermögen erfordert echtes Zeug - Lebensmittel, Autos, Tische, Glühbirnen, iPads.
Man könnte natürlich denjenigen Dienste anbieten, die diese Dinge herstellen. Ein kleines Land wie z.B. Singapur könnte z.B. seinen Lebensunterhalt verdienen, indem es Finanzdienstleistungen anbietet. Eine karibische Insel könnte Ferien anbieten. Aber was ist mit einem so großen Land wie den Vereinigten Staaten, was haben sie zu bieten? Sie können mit Dienstleistungsangeboten nicht über die Runden kommen. Und sie können auch nicht die Hälfte der Bevölkerung über Wohlfahrtsprogramme, Arbeitslosenhilfe und Lebensmittelmarken unterstützen. Man braucht auch die Herstellung... man muss etwas produzieren... und dann verkaufen.
Warum tut man das nicht bereits? Wie kommt es, dass so viele Menschen ohne Arbeit dastehen? Wie kommt es, dass die Männer keine Arbeit finden können?
Oooh lala, das sind zu viele Fragen. Aber können Sie sich erinnern, wann Sie zuletzt eine Mutter hörten, die stolz verkündet, dass ihr Sohn jetzt in die Produktion geht? Oder dass er sich zum Maschinisten ausbilden lässt? Wann haben Sie zuletzt gesehen, dass eine neue Fabrik gebaut wurde? Wann haben Sie zuletzt zu etwas in einem Geschäft gegriffen und es umgedreht und dort ein Schild gefunden, auf dem stand: Made in America?
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Windisch (12.03. 2010 08:46 Uhr):
Die USA haben doch die FED, die produzieren Dollars, die übrige Welt liefert ihnen alles dafür, dann kommt GoldmanSucks und nimmt der Welt die Dollars wieder ab. Perfekt!
Antworten - Kommentar von Wasser (12.03. 2010 09:17 Uhr):
Das ist genau der Punkt, der in der öffentlichen Diskussion über Wohlstand nicht geführt wird. Woher kommt der Wohlstand. ?
Antworten - Kommentar von Anonymus (12.03. 2010 11:33 Uhr):
Sehr richtig, aber haben Sie auch schon mal überlegt, was der Vorteil dieser Dienstleistungsgesellschaft ist? Das folgende Beispiel zeigt es: Eine Mutter mit kleinen Kindern, die arbeiten geht, z.B. als Friseuse zahlt Steuern + Sozialabgaben (SS). Dafür bringt sie ihr Kind in den Kinderhort und die Erzieherin zahlt SS. Weil sie keine Zeit zum Putzen hat, hat sie eine Putzfrau, die zahlt SS. Weil sie keine Zeit zum Kochen hat, kauft sie Fertignahrung. ... Und was hat der Staat von einer Mutter, die ihr Kind selbst im Kinderwagen spazieren fährt, ihr Haus selber putzt und das Gemüse im eigenen Garten anbaut? Da in Zukunft wieder mehr zu dieser traditionellen Form zurückkehren werden müssen, wird man dann von einer Dienstleistungsblase sprechen.
Antworten - Kommentar von Peter Harting (12.03. 2010 13:08 Uhr):
Sie fragen: Warum sind so viele Männer ohne Arbeit? Und geben fast selbst die Antwort: Wo gibt es noch eine Mutter, die stolz darauf ist, dass ihr Sohn in der Produktion arbeitet! - Es gibt zu viele Frauen, die in die Männerarbeit gerudert sind. Es gibt zu wenig Frauen, die daheim ein Zuhause schaffen, eine Kinderstube, eine Bleibe für Kinder und so weiter, weil ihnen die Decke auf den Kopf fällt in ihrer Geisterstadt. Man könnte ja eine generelle Arbeitsteilung einführen: Die Männer produzieren und die Frauen leisten Dienste, soweit sie über ihre Nestpflege hinaus Zeit haben. Ein Aufschrei würde durch die Welt fahren, vor Allem von jenen, die meinen, es müssten noch viel mehr Frauen "Chef" sein.
Antworten - Kommentar von Manfred Parnitzke (12.03. 2010 18:41 Uhr):
Artikel sehr gut.Trifft aber nicht nur fürdie USA zu in Deutschland sieht es zu nehmend nicht anders aus. Wo ist die Großindustrie geblieben ? Schiffsbau,Anlagenbau,Landmaschinen Straßenbaumaschinen usw.
Antworten
ENL5462
- Kommentar von Wiener (25.03. 2010 10:59 Uhr):
Vielleicht ist das Produzieren unrentabel geworden? Durch Mikroelektronik und Automation wird zwar jede Menge Reichtum hervorgebracht - aber in der ökonomischen Konkurrenz heisst das nur dass die Dinger billiger und billiger werden. Es ist schlicht und einfach nicht rentabel, es lohnt sich nicht mehr zu produzieren. Der ökonomische Wert und der stoffliche Gebrauchswert rasen auseinander wie nach einer Explosion. Damit steht und fällt aber auch die ganze Wirtschaft. Es ist richtig: wo nicht mehr produziert wird bricht das Leben langfristig zusammen. Um es zu erhalten müssten wir gänzlich neue Wege gehen. Aber wer will das schon?
Antworten
Artikel weiterempfehlen