Am Rande der Rezession ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 21. Februar 2005 18:00 Uhr
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In der letzten Woche kamen die deutschen Aktien nicht mehr voran. Im Wochenvergleich verlor der deutsche Leitindex knapp ein Prozent.
Gewiss, im Verlauf der letzten Tage übersprang der Index die Marke von 4.400 Punkten. Auf Wochenschlussbasis konnte diese aber nicht verteidigt bzw. gehalten werden. Interessant ist, dass nunmehr erste Analystenstimmen zu vernehmen sind, die dem DAX nach diesem Anstieg kein Aufwärtspotential mehr einräumen. Sprich, das Kursziel sei beim Stande von 4.400 erreicht worden.
Hinzu kommt, dass das Gros der Anleger sentimenttechnisch wieder deutlich pessimistischer gestimmt ist. Insofern hat sich in den letzten Tagen ein regelrechter Trendwechsel vollzogen. Die Zahl der Bären nahm deutlich zu. Nunmehr ist das Verhältnis Bullen zu Bären fast wieder eins zu eins.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung würde es kaum groß überraschen, wenn der DAX zumindest kurzfristig noch tendenziell positiv überrascht. Zumindest bis zum Ende der Dividendensaison. Danach werden die Karten ohnehin neu gemischt.
Denn dann könnte die berühmt-berüchtigte Katze aus dem Sack gelassen werden. Oder, anders formuliert, das unschöne R-Wort dürfte mehr denn je auf die Agenda kommen.
Fakt ist, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal des vergangenen Jahres bereits geschrumpft ist. Und zwar um 0,2 Prozent. Auch die Daten für das dritte Quartal 2004 wurden nach unten revidiert. Und zwar von 0,1 Prozent auf null. Einige Experten sprechen in diesem Kontext ganz offen von Horrorzahlen. Erste Auguren sehen das einstige Wirtschaftswunderland bereits jetzt in der Rezession.
Sicherlich dürften damit auch die Wachstumserwartungen für das Jahr 2005 bei weitem nicht das erfüllen, was sich die Verantwortlichen erhoffen. Und die immer bedrohlichere Lage der deutschen Staatskassen dürfte sich weiter zuspitzen. Insofern besteht auch kein Anlass, auf eine Besserung der Lage am deutschen Arbeitsmarkt zu hoffen. Im Gegenteil, die Realeinkommen dürften tendenziell eher weiter unter Druck geraten. Und die Zahl der gutbezahlten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze wird weiter zusammenschrumpfen. Die spannende Frage wird letztlich die sein, wie lange der verbliebene harte Kern der Beschäftigten diese fast schon unerträglichen Lasten noch stemmen kann.
Jenseits des Atlantiks trübt sich die Stimmung unter den Verbrauchern ebenfalls deutlich ein. Das von der Uni Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen ist zum zweiten Mal hintereinander erneut gefallen. Insofern scheint die Konjunkturzuversicht der US-Konsumenten weiter schwach zu sein.
Wohl auch nicht ganz unberechtigt. Denn auch in den USA ist das Phänomen zu beobachten, dass die Realeinkommen tendenziell bestenfalls stagnieren. Gleichzeitig ziehen aber die Preise bisweilen gar heftig an. So fiel der Anstieg der Kernrate der Erzeugerpreise für den Monat Januar 2005 deutlich höher aus als von sämtlichen Experten vorher erwartet. Die Zunahme betrug stolze 0,8 Prozent. Dabei handelt es sich um den stärksten Monatsanstieg seit sechs Jahren.
Kein Wunder, dass infolge dieser doch beachtlich hohen Zuwachsrate die Rentenmärkte deutlich unter Druck kamen. Die Rendite bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen sprang innerhalb von Tagen von unter 4 auf 4,27 Prozent hoch. Auch der Bund-Future ging in eine Konsolidierungsbewegung über. Die Entwicklung an den Rentenmärkten darf keinesfalls unterschätzt werden. Denn, sollte die aktuelle Entwicklung weiter anhalten, könnte der Aktienmarkt (speziell die zinssensitiven Titel wie Versorger bzw. Finanzwerte) deutlich unter Druck geraten.
Der Goldmarkt vollzog in den letzten Tagen im Wesentlichen den erneuten Anstieg des Euro im Verhältnis zum Dollar nach. Auf Eurobasis ist keine wesentliche Veränderung eingetreten. Die alles entscheidende Ausbruchsmarke von 350 Euro je Feinunze ist kurzfristig betrachtet immer noch weit entfernt. Aber man sollte nie unterschätzen, dass in den Goldmarkt relativ rasch Dynamik kommen könnte.