Am meisten passiert – nichts!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 26. März 2004 18:00 Uhr
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Bei Gold und Dollar passiert derzeit nicht viel. Der Goldpreis pendelt sich im Bereich 415 Dollar ein – immerhin liegt das rund 20 Dollar über dem Kurs von vor 2 Wochen.
Der Dollar steigt ein bisschen, dann fällt er wieder ein bisschen ... ohne klaren Trend oder richtiges Elend in Sicht.
Derzeit passiert das, was meistens passiert – nichts.
Aber ich erinnere Sie daran, dass es nicht immer eine gute Wette ist, wenn man darauf setzt, dass "nichts" passieren wird. Die durchschnittliche Person kann sich einfach nicht vorstellen, was alles passieren könnte. Deshalb setzt die durchschnittliche Person ihr Geld darauf, dass nichts passieren wird – in der Annahme, dass das, was gestern passiert ist, mehr oder weniger auch morgen wieder passieren wird. Die Preise spiegeln immer eine Entwicklung ohne Überraschungen wider. Das emotionale Momentum der Investoren bildet nur eine gerade Linie ... von gestern übers heute und ins morgen ... wo nichts als immer so ziemlich das Gleiche passiert. Am Ende eines langen Bärenmarktes sind die Kurse im Keller ... weil die Investoren erwarten, dass die Kurse weiter fallen werden. Am Ende eines langen Bullenmarktes sind die Kurse auf schwindelerregende Höhen geklettert ...
Aber wenn die Leute schon sehr lange erwarten, dass immer "mehr vom Gleichen" passieren wird ... dann ist es nicht unbedingt eine gute Idee, auch darauf zu setzen. Das ist dann "überkauft". Die Leute haben darauf gesetzt. Sie sind davon abhängig geworden. Wenn z.B. die Zinsen jahrelang fallen, dann stellen sich die Leute vor, dass die Kredite immer billig und leicht zu haben sein werden. Wenn die Immobilienpreise nur zu steigen scheinen ... dann kaufen sich diese Leute ein größeres Haus ... und sie setzen darauf, dass weitere Preissteigerungen und niedrige Hypothekenzinsen ihnen das erlauben.
"Stabilität führt zu Instabilität", sagte der Ökonom Hyman Minsky. Die Leute sind widerwillig, Geld zu verleihen, wenn die Zukunft gefährlich aussieht. "Es könnte was passieren", sagen sie sich dann. Aber wenn lang genug nichts passiert ist ... dann werden sie zuversichtlicher. Sowohl die Gläubiger als auch die Schuldner denken, dass sie ihr Geld "arbeiten lassen" sollten, was für beide Seiten besser wäre. Sie erweitern ihre Häuser, kaufen neue Autos, kaufen Technologieaktien; die Wirtschaft boomt.
Wenn für eine lange, lange Zeit nichts passiert ... dann beginnen die Leute zu denken, dass niemals wieder irgendetwas Unerwartetes geschehen wird. Ein Investor, der darauf setzt, dass etwas Überraschendes passieren WIRD, der wird fast jeden Tag falsch liegen. Seine Freunde werden sich über ihn lustig machen ... und er wird ein bisschen Geld verlieren. Er hätte auch wie jeder andere Technologieaktien kaufen können. Er hätte sich auch ein größeres Haus kaufen können, oder die Hypothek auf sein altes Haus erhöhen können, um mehr Geld für den Konsum zu haben. Er hätte sich mehr Geld leihen können, mehr Geld ausgeben können, und besser leben können.
Aber dieser Mann wird seine Rache haben. Die Wahrscheinlichkeit ist auf seiner Seite. Er mag zwar an den meisten Tagen mit seiner Einschätzung daneben liegen ... aber dann, eines Tages, wird IRGENDETWAS passieren.
Im Januar 2000 begann so ein "irgendetwas". Die Aktienkurse fielen. Ein Jahr später begann eine Rezession. Aber es gab eine große offizielle Kampagne, die verhindern sollte, dass etwas passiert – es wurden so viel neues Geld und neue Kredite in die Wirtschaft gepumpt, dass die Leute sich weiterhin Geld leihen und es ausgeben konnten, so wie sie es vorher getan hatten. "Nichts hat sich geändert", sagten die Investoren. "Es ist immer noch dasselbe", sagten die Konsumenten. "Die Party geht weiter", sagte Alan "Spekulationsblasen" Greenspan.
Die Neuigkeiten dieser Woche bringen nichts, was ihnen widerspricht. Die Verkäufe von Häusern steigen. Die Hypotheken werden weiter erhöht.
Der Druck, Geld loszuwerden, ist so groß, dass sogar den Kunstgalerien die Werke ausgehen, laut einem Bericht der New York Times (mehr dazu in meinem zweiten Beitrag heute, weiter unten). Und in der New York Times steht auch, dass Betrüger im Internet (sogenannte "Phister") derzeit Überstunden machen.
Nichts scheint sich geändert zu haben. Und dennoch sah es letzte Woche ... oder war es die Woche davor ... so aus, als ob etwas beginnen würde.
Es gingen Gerüchte um, dass Mr. Mizoguchi, der führende monetäre Stratege Japans, genug davon habe, den USA Geld zu leihen. Er dementierte die Gerüchte ... aber die Leute wundern sich immer noch ein wenig.
Und jetzt sehe ich, dass die Aktienmärkte überall auf der Welt so aussehen, als ob sie den Wendepunkt erreicht haben.
"Heute Morgen habe ich mir vielleicht 100 Charts angesehen", schrieb mir gestern Richard Russell, "und was ich sehe, ist eine weltweite Bewegung HINAUS AUS den Aktien. Überall, wo ich hinsehe, sehe ich Topps – mittlere Topps, kleinere Topps, auch kleine Topps. Diese Charts sagen mir, dass die amerikanischen und auch die weltweiten Investoren sich aus dem Aktienmarkt hinaus bewegen." Das ist kein großes Thema für die Finanzpresse – zumindest bis jetzt noch nicht. Keine Panik. Derzeit scheint das noch niemand bemerkt zu haben. Aber irgendetwas muss früher oder später passieren. Da kann es auch direkt passieren.
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