Am Kaukasus scheiden sich die Geister
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 13. August 2008, 20:00 Uhr
ENL5462
Liebe Leser,
noch immer beschäftigt mich der Kaukasus. Mittlerweile hat auch Georgien dem Friedensplan zugestimmt. Doch die Schlammschlacht der Worte geht weiter. Georgien wird nicht müde keifernd mit dem Finger auf die Russen zu zeigen und holt sich dabei Unterstützung von Mutter" USA. Auch aus den USA und Großbritannien werden die Misstöne immer lauter. Und die ehemaligen russischen Satellitenstaaten und Jetzt-EU-Mitglieder fühlen sich sogleich wieder in alte kommunistische Zeiten zurückversetzt. Perfekt für die USA, die nun nach Tschechien auch Polen mit seinem Sicherheitsgesuch mit offenen Armen empfängt und sogleich wieder den altbekannten Raketenabwehrschild aus dem Gepäck zieht. Hier ist die Meinung klar: Russland wird als der Aggressor betrachtet.
Dabei geht allerdings noch immer unter, dass den ersten Schritt zur Eskalation die Georgier unternommen haben. Und nicht nur das, Georgiens Saakaschwili fordert trotz der Niederlage noch immer, dass die abtrünnigen Republiken Südossetien und Abchasien zum georgischen Staatsgebiet zugerechnet werden. Diese Haltung dürfte aber mit der Zeit immer schwerer vertretbar sein, nachdem nun auch Bilder der Bombardierung Südossetiens durch Georgien um die Welt gingen.
Ebenfalls wenig Beachtung auf der Weltbühne findet die Meinung der Südossetier und Abchasier zu der ganzen Sache. Diese versuchen nämlich die Friedensverhandlungen zwischen Russland und Georgien zu blockieren, lehnen Gespräche mit der georgischen Regierung kategorisch ab. Interessiert aber nur wenige, da die Sache lediglich als Konflikt zwischen Russland und Georgien dargestellt wird.
Ebenfalls interessiert nur wenige, dass die Russen sich an den Plan gehalten haben und nicht weiter auf Tiflis vorgerückt sind. Es ist schade, dass von vielen Seiten nun ausschließlich Russland der schwarze Peter zugeschoben wird, obwohl ich zugeben muss, dass die Russen mit ihrem Einmarsch in Georgien durchaus zu weit gegangen sind.
Gegenwärtig gibt es nur zwei Stimmen die sich etwas kritischer oder vorsichtiger zu der Sache äußern. Sie kommen aus Frankreich und Deutschland. Während von Frankreichs Seite direkt Kritik geübt wird am Vorgehen der Georgier, übt sich Bundesaußenminister Steinmeier in neutraler Haltung. Er halte nichts davon lange Diskussionen über Urheberschaft und Verantwortung für die Eskalation zu betreiben, sagte er. Gleichzeitig warnt er aber vor einer Verurteilung Russlands und plädiert für den weiteren Dialog mit beiden Staaten. In meinen Augen eine vernünftige Haltung, jedenfalls vernünftiger als die des britischen Außenministers Miliband der bereits über den Abbruch der Gespräche über ein Partnerschaftsabkommen mit den Russen nachdenkt.
Nun, so sieht es momentan aus. Vielleicht fragen Sie sich weshalb ich mich so sehr für diesen Konflikt interessiere?! Nun, weil dieser Konflikt kein neuer ist. Im Gegenteil es ist ein sehr alter, bei dem die Wurzeln sehr weit in der Historie zurückreichen. Ebenso verhält es sich mit den strategischen Interessen der Großmächte an dieser Region. Was das Ganze in einem Rohstoffbrief zu suchen hat? Weil es hier auch um die strategische Sicherung von Rohstoffreserven geht, wobei aktuell die USA natürlich noch weitere Interessen verfolgen wie den strategisch bedeutsamen Ausbau ihrer Präsenz nicht nur im Kaukasus, sondern auch in den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken und Satellitenstaaten. Überdies ist es mir wichtig ein Verständnis - unabhängig von der aktuellen vorherrschenden Berichterstattung - für die gebeutelte und geschüttelte Krisenregion Kaukasus zu entwickeln. Dies ist aber nur möglich durch die Aufarbeitung der Geschichte dieser Region. Denn die Abfolge der historischen Ereignisse führt schließlich zu dem Punkt der die heutige Bedeutung der Region erklärt. Der Geschichte dieser Region möchte ich mich deshalb in den folgenden Beiträgen widmen und den Beginn mit dem Jahr 1850 im zweiten Teil setzen. Lesen Sie also bitte im zweiten Teil weiter...
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