Aluminium - Contango
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 6. April 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Wie ich im 1.Teil schon schrieb, herrscht im Aluminiummarkt derzeit eine Contango-Situation vor. Was für die Spekulanten und Finanzinvestoren ein gutes Geschäft bedeutet, kann sich vor allem für Anleger aber auch zum Nachteil auswirken.
Der Nachteil der Contango-Struktur lässt sich folgendermaßen darstellen: wenn Sie jetzt auf Aluminium-Futures setzen (oder sagen wir es anders: wenn Sie jetzt auf ein einfach gestricktes Zertifikat o.ä. setzen, wobei immer nur der Nearby-Future gekauft und in den nächsten Termin gerollt wird) dann führt das ganze natürlich zu Rollverlusten. Damit diese ausgeglichen werden können, müsste der Anstieg der Aluminiumpreise schon sehr stark werden, also die Gewinne aus den Preisanstiegen müssten höher sein, als die Verluste aus den Rollvorgängen. Dies ist allerdings immer ein Problem, wenn (egal in welchem Terminmarkt) eine Contango-Situation vorliegt.
Eine Alternative wäre natürlich eine andere Struktur zu wählen und zum Beispiel auf weiter entfernte Liefertermine zu setzen um den Rollverlusten entgegen zu wirken. Was aber nach einer gewissen Zeit auch weitere Risiken mit sich bringen kann.
Vergessen Sie nie: Rohstoffe werden an Terminbörsen gehandelt und es ist umso wichtiger, sich mit den Gegebenheiten und Besonderheiten der Terminmärkte vertraut zu machen. Deshalb habe ich für Sie hier noch einmal ein kleines Glossar zu den wichtigsten Begriffen zusammengestellt:
Was ist eine Contango - Situation?
Contango bezeichnet eine Situation, in der der Nearby - Future beim Roll - Over zu einem höheren Preis gekauft werden muss, als der gegenwärtige im Moment des Roll - Overs verkaufte Kontrakt. Mit anderen Worten wir haben hier eine Situation steigender Rohstoffpreise, in den Futures. Das freut den Anleger, wenn er lediglich in einen zum Beispiel weiter entfernten Kontrakt investiert hat. Wenn er aber seine Kontrakte immer wieder in den Nearby rollt, also immer wieder seine gegenwärtigen Kontrakte vor Liefertermin verkauft und hernach den nächsten (Nearby) Kontrakt mit dem nächstmöglichen Liefertermin kauft, kann er eine Contango - Situation nicht zu schätzen wissen, da er Verluste macht, die Futuresrendite also negativ ausfällt.
(Kleine Überlegung am Rande: interessanterweise kann man in einer Contango-Situation aber durchaus mit einer Short-Strategie Geld verdienen, sofern natürlich das Underlying nicht zu steile Preisanstiege vollzieht, was die Strategie dann natürlich unsinnig macht...aber dies nur am Rande und zur Information..).
Was ist eine Backwardation - Situation?
Dies ist die optimale Situation für einen Anleger, welcher sich lediglich darauf beschränkt seine Kontrakte zu rollen. Hierbei sind die Future Kontrakte billiger als der gegenwärtige Spot - Preis. Mit anderen Worten der rollende Anleger verkauft vor Liefertermin seinen gegenwärtigen Kontrakt bei aktuell hohem Preis, und kann den Nearby - Kontrakt zu einem niedrigeren Preis erstehen. Die Rollrendite ist hier also positiv.
Was ist die Rollrendite?
Dies ist der Kapitalgewinn oder - Verlust, der beim Rollen von Rohstoff - Futures entsteht. Sprich Gewinn bei Backwardation und Verlust bei Contango.
Was ist die Futuresrendite?
Sie setzt sich aus der Rollrendite und der Spotrendite zusammen. Also dem was Sie als Investor letztendlich erhalten. Zu Berücksichtigen ist Ferner, dass der Anleger in Futures-Märkten nur einen Teil des tatsächlichen Wertes des Rohstoffes hinterlegen muss (Margin). Der Überhang kann dann zum Beispiel verzinst angelegt werden ( ;-) ich weiß, angesichts der aktuellen Zinsen ist dieser Satz eigentlich überflüssig, aber Sie wissen was ich meine...).
So long liebe Leser...so viel einmal für heute zum Aluminiummarkt und ein bisschen Basiswissen zu den Terminmärkten...die Kupfer-Reihe führe ich dann morgen fort...und damit verabschiede ich mich dann auch für heute und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und liebe Grüße...bis morgen...
Ihre Miriam Kraus