Alternativen Brennstoffe
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 10. April 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Ihr seid verflucht, wenn ihr es tut und verflucht, wenn ihr es nicht tut
Der genesende kubanische Führer Fidel Castro nahm am Mittwoch einen Mini-Urlaub davon, den Gringos wegen ihrer Nutzung fossiler Brennstoffen die Schuld an der Klimaerwärmung zuzuschreiben. Stattdessen hat er George Bushs jüngste Auseinandersetzung mit Biobrennstoffen angegriffen: Lebensmittel als Brennstoffe zu verwenden bedeute Hunger und Tod für die Hälfte der Erdbevölkerung.
Landwirtschaftlich nutzbare Flächen in den ärmeren Ländern würden für den Anbau von Biobrennstoffen verwendet, die für die reichen Länder bestimmt seien.
“Wenden Sie dieses Rezept auf die Länder der dritten Welt an und sie werden sehen, wie viele Menschen unter den hungrigen Massen unseres Planeten nicht länger Mais konsumieren werden”, schreibt Castro, „oder schlimmer noch: wenn man den armen Ländern Geld anbieten würde, damit sie Ethanol aus Mais oder einem anderen Lebensmittel herstellen, wird bald kein Baum mehr übrig sein, der die Menschheit vor dem Klimawandel schützt.“
(Er hat nicht erwähnt, dass ein Anstieg der Verwendung von Biobrennstoffen irgendwann einen großen Batzen aus dem Ölgewinn seines petro-kommunistischen Kumpels Hugo Chavez in Venezuela entfernen wird.)
Doch auch abgesehen von Castros Beschwerden, sind die alternativen Energiequellen zu einem wichtigen Thema in der Politik und den Medien geworden. Laut einer neuen und vorherrschenden Volksweisheit ist der Import von Öl ganz besonders schlecht, die Energieunabhängigkeit des Heimatlandes ist gut. Ganz egal was es kostet. Die USA importieren gegenwärtig 64% ihres Erdöls aus dem Ausland. Die Regierung erwartet, dass diese Zahl bis 2025 auf 77% gestiegen sein wird.
Bedenkt man die zunehmenden geopolitischen Spannungen bezüglich des nuklearen Ehrgeizes im Iran, die Möglichkeit einer heftigen Hurrikan-Saison und die nahende Fahrsaison – ganz zu schweigen von dem möglichen Fiasko hinsichtlich der Entführung britischer Soldaten im Iran – dann scheint es kurzfristig kein Mittel gegen die höheren Ölkosten zu geben, und damit gibt es weiteren politischen Druck, in die alternativen Energiequellen zu investieren.
Präsident Bush hat kürzlich bekannt gegeben, dass die alternativen Brennstoffe die Lösung für eine Aufstockung des amerikanischen Energiebedarfs seien. Er unterzeichnete auch den „Renewable Fuels Standards“ (Standard der erneuerbaren Brennstoffe) des „Energy Policy Act“ (Energiepolitik-Gesetz) von 2005, eine Maßnahme die die Produktion und Verwendung von erneuerbaren Brennstoffen bis 2012 auf 7,5 Milliarden Gallonen anheben soll.
Zusätzlicher Druck wird auf der Ebene der einzelnen Bundesstaaten ausgeübt. Arnold Schwarzenegger, der Senator von Kalifornien, hat zuletzt eine Herabsetzung des Kohlenstoffanteils der Treibstoffe für Motorfahrzeuge gefordert, während die Senatoren in 37 weiteren Staaten sich auf einen Vorstoß zu einem neuen Bundesgesetz vorbereiten, dass eine stärkere Verwendung von Ethanol-Brennstoffen fordert. Neue Bundesstandards würden eine vermehrte Nutzung von Ethanol befürworten, das aus den Abfällen von Bauernhöfen und aus Holzspänen hergestellt werden kann, und nicht von Mais abhängig ist, dem Rohmaterial, welches gegenwärtig von Ethanolproduzenten verwendet wird.
Die Preise für Mais sind in die Höhe geschossen. Genauso die Nachfrage nach landwirtschaftlich nutzbarem Land, um den Mais anzubauen und nach Dünger, der gebraucht wird, um den Mais wachsen zu lassen. Genauso auch nach Anlagen, die Biomasse in Biobrennstoff umwandeln.