Alternative zum Rettungspaket
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 12. Mai 2010, 08:30 Uhr
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zuerst möchte ich mich heute bei Ihnen für das überwältigende Feedback auf meinen gestrigen Beitrag über das EU-Rettungspaket bedanken. Die zahlreichen, durchweg sehr niveauvollen Beiträge zeigen mir, wie intensiv Sie sich mit der Thematik beschäftigen und dass Sie sich glücklicherweise nichts vormachen lassen. Da ich nicht immer nur an Politikern herumnörgeln will, nachfolgend eine Alternative zur grassierenden Rettungswut.
Man hätte sicher vorab die Frage stellen können, ob solche astronomisch teuren Maßnahmen, mit Geld das gar nicht vorhanden ist, überhaupt zielführend sind. Wäre es nicht besser gewesen, hochverschuldete und wirtschaftlich schwache Staaten wie Griechenland, Portugal oder Spanien aus der Eurozone zu entlassen, damit diese mit einer eigenen Währung über den Weg der Abwertung konkurrenzfähiger werden können? Genau da liegt ja eines der Grundprobleme des Euro: Für zu unterschiedliche Volkswirtschaften gibt es eine einheitliche Währung mit der gleichen Zinspolitik. Was für das eine Land angemessen ist, ist für das andere Gift. Eigentlich sollten die Stabilitätskriterien bei der Aufnahme in den Währungsverbund dieses Problem mildern, aber die sind meiner Ansicht nach zu weich (und es wurde ja sowieso geschummelt).
Eine starke Kern-Eurozone mit Ländern, die dort auch wirklich hineinpassen, hätte dem Euro meiner Ansicht nach zu enormer und sofortiger Stärke verholfen. Das wäre allerdings mit dem Eingeständnis verbunden, sich mit der ursprünglichen Konstruktion der Gemeinschaftswährung verkalkuliert zu haben. Aber was wäre denn so schlimm daran, einen erkannten Fehler zu beheben? Mit den jetzt ergriffenen Maßnahmen ist der Euro dagegen wieder auf 1,26 abgeschmiert, was zeigt, dass der Markt die diese offensichtlich armselig findet. Nun gut, jetzt haben wir allerdings ein bereits beschlossenes Rettungspaket. Wie sehen die Folgen aus?
Variante 1: Das Rettungspaket dient als Selbstbedienungsladen für die hochverschuldeten Länder und alles geht so weiter wie bisher. Am Ende werden auch diese Gelder nie zurückgezahlt und auch die Geberländer stürzen schließlich in die Staatspleite ab. Summen wie diese wird auch kein starkes EU-Land mehr schultern können. Wie man hört, sollen strenge Kontrollmechanismen genau dies verhindern. Ich bin gespannt.
Variante 2: Den Schuldnerländer wird genau auf die Finger geschaut, ob sie ihre Staatsfinanzen tatsächlich konsolidieren, um aus der Schuldenfalle zu kommen und die Rettungsgelder zurückzahlen zu können. Das macht drastische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen nötig. Diese Maßnahmen dürften wie in Griechenland zu einer Rezession in den betroffenen Ländern mit Ansteckungsgefahr für die übrigen Länder führen. Dauer und Schwere offen. Noch sind die europäischen Volkswirtschaften nicht so stabil, dass sie solche Maßnahmen ohne Einbrüche verkraften können.
Der große Wurf also? Ich will nicht zu pessimistisch und auch nicht schlauer als er Markt sein, aber einen positiven Ausweg vermag ich bisher nicht zu erkennen. Vielleicht fällt mir ja noch was ein…
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Amelie Porter (12.05. 2010 09:38 Uhr):
Natürlich werden diese Schulden NIEMALS zurück gezahlt. Schließlich, wofür hat man seine Sklaven?? Die müssen halt mehr arbeiten, um das Geld heran zu schaffen, was die Politchaoten gerne und großzügig verschwenden und vernichten wollen! Ein Rausschmiss aus der Eurozone hätte natürlich auch noch mehr Probleme hervor gerufen, als nur das Eingestehen einer falschen Geldpolitik. Und höchstwahrscheinlich hätte der Euro kurzfristig auch an Glaubwürdigkeit verloren und wäre auch bei diesem Szenario abgeschmiert. Aber er hätte so die Chance bekommen, sich innerhalb der nächsten Monate zu bewähren und zu erholen. Diese Chance wird ihm angesichts der nicht mehr kontrollierbaren Überschuldung eindeutig genommen. Ich denke, wir sollten uns langsam auf den schleichenden Niedergang des Euros einstellen. Denn mit solchen Hirnies als gewählte sogen. Volksvertreter, die NUR sich selbst vertreten, haben wir keine Überlebenschancen mehr.
Antworten - Kommentar von Herbert Breuer (12.05. 2010 09:54 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, ich lese immer wieder gerne Ihre Ausführungen und bin auch jetzt wieder ganz auf Ihrer Linie. Aber liegt das eigentliche Problem nicht darin, dass sich unsere Damen und Herren Politiker immer wieder von den Finanzmärkten treiben lassen. Auch das jetzige Rettungspaket ist doch eigentlich nur wieder der Rettung der Banken geschuldet, die massiv spekuliert haben und bei Staatsbankrotten in Griechenland oder wo auch immer riesigen Abschreibungsbedarf hätten. Es heißt immer wieder, dies wiederum würde sich auf die Gesamtwirtschaft auswirken. Aber kann man damit alles begründen und erneut den Steuerzahler für die Zockerei der Banken büßen lassen. Meines Erachtens muss nun endlich die bereits im Zuge der Lehman-Pleite vehement angkündigte Regulierung der Finanzmärkte angegangen und auch zügig umgesetzt werden. Aber ob dies geschieht und insbesondere ob die verantwortlichen Politiker dazu die Kraft und den Durchblick haben, glaube ich nicht. Viele Grüße Herbert Breuer
Antworten- Antwort von Saint Just (12.05. 2010 10:43 Uhr):
So lange "unsere" Politiker" BVG Richter Bundesbänker solche netten Briefe wie von Herrn Herbert B. bekommen, ändert sich gar nichts! Auf die Straßen! Peitsche! DAS und nur DAS, ist die Sprache, die diese Welt und Finanzverschwörer verstehen! Verbrecher, allesamt! Mfg Saint Just
- Antwort von Saint Just (12.05. 2010 10:43 Uhr):
- Kommentar von Werner Bläser (12.05. 2010 10:52 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voight, von Ihren Ausführungen ist im Prinzip jeder Satz zu unterschreiben. Ich hatte mich allerdings in meinem letzten Kommentar (einen Tag vor dem "Unfall- Crash") als unverbesserlicher Bulle geäußert (suboptimales Timing), aber ich bleibe trotzdem bei meiner optimistischen Einstellung für Aktien. Gründe: In der Diskussion wird immer wieder die Dimension des Griechenland-Problems übertrieben, auch jüngst wieder von FED-Lacker. Im Vergleich zu den Haushaltszuständen in USA und GB ist dieses Problem managebar. Schließlich schleppen wir seit Jahren auch Belgien problemlos durch, und die anderen Länder der Südschiene sind mit Griechenland wirklich nicht vergleichbar (so ist der italienische Staat vorwiegend bei seinen eigenen Bürgern verschuldet). Der "Casus Knacktus" scheint mir aber vor allem darin zu liegen, daß die positiven Konjunkturentwicklungen z.Z. einfach ausgeblendet werden. Die jüngsten "blow-out"-Zahlen der deutschen Exporte wurden kaum beachtet, und die Euro-Entwicklung läßt hier eher noch auf eine weitere Verbesserung hoffen. Anzeichen für eine Umkehr des Aufschwungs sind bisher nicht auszumachen, eher wird er kontinuierlich unterschätzt, was immer wieder für Überraschungs-potential sorgt. Zum Chart: Viele Chartisten beziehen die Kurse des Mini-Crashs von letzter Woche einfach in das Chartbild ein, was m.E. unsinnig ist; Charts sollen schließlich Anleger- einstellungen spiegeln und nicht Computerpannen. ...Und bin ich eigentlich der Einzige, der da im Dax eine schüchtern-verschämte umgekehrte SKS in der Entstehung sieht? (Schultern bei etwa 5900). Vielleicht hat die Panik solche Ausmaße erreicht, daß man alles andere ausblendet, oder liege ich da völlig falsch? (Dax, während ich dies schreibe, bei ca. 6130!) Mit freundlichen Grüßen des letzten (?) Bullen, Werner Bläser
Antworten - Kommentar von josef schreiber (12.05. 2010 11:13 Uhr):
Guten Tag. Ich finde Ihre Artikel immer toll. Gratuliere! Meine Frage: was wäre (oder würde) geschehen, wenn dieses Paket von 750 Mrd NICHT geschnürt worden wäre? Was wären die Konsequenzen, wenn Griechenland (und vielleicht noch andere) aus der Eurozone hinaustreten müssten? Vielleicht haben Sie diese Fragen schon in einem Artikel beantwortet und ich habe diesen nicht oder schlecht gelesen. Für eine kurze Antwort - falls es eine solche gibt - danke ich im Voraus. Freundliche Grüsse, Josef Schreiber.
Antworten - Kommentar von urs (12.05. 2010 13:11 Uhr):
Hallo, auch ich bin ein "Fan" von Ihnen. :-) Meine "offenen Punkte" zur Ihrem Beitrag: - Eine eigene Währung ist ja nur "die halbe Miete": Mit Drachmen die Euro-Schulden zurückzahlen, wird noch schwerer fallen. Wenn GR also erklärte, nur noch 50% der Schulden zurückzuzahlen, werden Kreditgeber (aller Staaten) "erkennen", dass sie Risikoaufschläge ernsthaft kalkulieren müssen. Das würde doch nicht nur GR treffen... - Es gibt Stimmen, die einen "Zinspolitik" der Zentralbanken für einen wesentlichen Baustein dieser Krise halten. Dasselbe (Zinspolitik) soll nun da heraus helfen? - Gewiss wurde geschummelt. Es mag auch interessant sein, die Verantwortlichen zu benennen, doch das hilft nicht. Benötigt sind Lösungen für die Zukunft, die den heutigen IST-Zustand berücksichtigen. - Griechenland ist kaum relevant - die großen Beträge finden sich in den USA, GB, Japan. - Ist all das bloß ein Ablenkungsmanöver? Ein schwacher Euro via Sorgen von Sach-Investitionen könnte prima genutzt werden, damit sich die big-player im Ausland einkaufen, bevor es die Masse tut. Die könnten immerhin ihre eigenen Verluste im jeweiligen Inland damit kompensieren - und ich fürchte, die haben noch reichlich Bedarf an Kompensation. ;-) - Ich frage mich, ob die Europäer nicht eher zu einer Art "Notwehr" gezwungen waren. Immerhin drucken in USA, GB, Japan die Zentralbanken fleißig Geld. Was, wenn all deren Geld hier auf den Markt schwappt? - Ich höre in der Presse auch Vorwürfe in Richtung EZB, nun Staatspapiere aufzukaufen. Das will ich zwar nicht befürworten, jedoch: Ist es letztlich eigentlich etwas anderes als Staatsanleihen mit 1% als Sicherheit zu akzeptieren? Nicht alles Punkte, die Sie in Ihrem Beitrag erwähnen. Viele Grüße, Urs
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- Kommentar von Michael Kohl (12.05. 2010 13:32 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, auch ich lese Ihre Beitraege sehr gern, bieten se mir doch zumeist wichtige Denkan-stoesse. Ich halte Ihre letzte Darstellung allerdings den Politikern gegenueber fuer viel zu "wohlwollend". Ist denn die Alternative 1 (Zwangs -austritt auf freiwilliger Basis) wirklich eine diskussionswuerdige Option? Sicher doch nur in der Theorie. Weshalb hat man denn dieses nicht wenigstens mit der Verabschiedung des Maßnahmekatalogs bei Inan -spruchnahme weiterer EU Mittel defi- zitaerer Staaten als Ultima Ratio auf -genommen ?Freiwillig tritt doch kein Staat solange aus der Eurozone aus, wie der Euro noch soeben zusammen- haelt. Mich aergert die Diskussion um die boesen Spekulanten. Schuld sind doch die Politiker, die -um immer wieder neu gewaehlt zu werden- rueck- sichtslos Staatsverschuldung hinneh- men und so oekonomisch denkende Akteure zum "Spekulieren" einladen. Ansatzweisen Optimismus zur Loesung der Eurokrise sehe ich nicht. MfG M.Kohl
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