Alternative(n) zum Dollar
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. Juni 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Wir müssen das internationale Währungssystem stärken, nicht nur mittels einer Konsolidierung des Dollars, sondern auch über die Schaffung neuer Reservewährungen", sagte der russische Präsident Medwedjew am Dienstag auf einem Gipfeltreffen in Jekatarinenburg.
Erstes BRIC-Treffen
Auf dem ersten Gipfeltreffen der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) ging es laut dem Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten, Arkadij Dworkowitsch, vor allem darum, eine Alternative zum US-Dollar im internationalen Währungssystem zu finden. Dazu soll der Einfluß der vier Staaten im Internationalen Währungsfonds (IWF) gestärkt werden. Vor allem Russland und China drängen darauf, die Dominanz des US-Dollars als Weltreservewährung zu beenden. Um diese Zielsetzung zu erreichen, setzt der russische Präsident vor allem auf die gigantische Größe der vier Staaten.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, Herr Medwedjew hat wohl nicht unrecht, daß es am Ende des Tages von der Kooperationsfähigkeit der zwei bevölkerungsreichsten Staaten der Welt (China und Indien mit 37 Prozent der Weltbevölkerung) mit Brasilien (die Nr. 5) und Russland (Nr. 9) abhängen wird, inwiefern eine Ablösung des US-Dollars als Weltleitwährung gelingen wird.
Erweiterung der IWF-Sonderziehungsrechte
Der Berater des russischen Präsidenten brachte in diesem Kontext erneut eine neue Reservewährung in Gestalt der IWF-Sonderziehungsrechte ins Spiel. Bisher basiert diese künstliche Rechnungseinheit des IWF auf der Wertentwicklung von Dollar, Yen, Euro und britischem Pfund. Dieser Währungskorb soll nach dem Willen Russlands um den Rubel, den chinesischen Yuan, Rohstoffe und Gold erweitert werden. Hier sei vielleicht kurz erwähnt, dass bereits im Jahr 1944 auf der Bretton-Woods-Konferenz der Engländer John Maynard Keynes eine aus einem Korb mit 30 Rohstoffen basierende Weltleitwährung vorschlug. Sein Plan zur Einführung des Bancors scheiterte aber damals. Dagegen wurde der White-Plan, nach dem der Dollar als Weltleitwährung an ein festes Tauschverhältnis zu einer Feinunze Gold (35 $ entsprachen 31,104 Gramm Gold) gebunden war, umgesetzt.
Bewußte Abkopplung vom Dollar
Mit Blick auf die Gegenwart stellt sich nun die spannende Frage, wie die Neuordnung und Anpassung an die neuen Realitäten über die Bühne gehen wird. Tatsache ist jedenfalls, dass die aufstrebenden Wirtschaftsmächte weitgehend unbeachtet bereits Fakten schaffen und in diversen bilateralen Währungsabkommen den Dollar außen vor lassen. Des weiteren sind es insbesondere China und Russland, die im Hintergrund ihre Goldreserven aufstocken. Ferner baut China - u.a. vor allem in Australien - seine strategisch wichtigen Rohstoffbeteiligungen bzw. -importe aus.
Angst vor dem Dollar-Kollaps
Kein Wunder, dass sich kein Geringerer als Nobelpreisträger Joseph Stiglitz erst jüngst besorgt zu Wort meldete. Es gehe nicht mehr darum, ob der Dollar den Leitwährungsstatus verlieren werde, sondern nur noch um den Weg. Die äußerst spannende Frage ist nun wirklich, ob dies in geordneten Bahnen oder aber mittels eines formidablen Dollar-Crashs über die Bühne gehen wird.
In der Tat wären alle Hoffnungen auf ein Ende der Weltwirtschaftskrise umsonst, wenn nun noch eine veritable Dollar-Krise hinzukommen würde.
Ja, die Angst vor dem Dollar-Crash geht um. Und mit ihr die Angst vor der globalen Hyperinflation als Folge.