Alternative Energie gibt es im Überfluss in Ungarn
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 8. Oktober 2010, 17:00 Uhr
ENL5454
Neugierig wie ich bin, recherchierte ich natürlich inzwischen etwas genauer. Und siehe da, Ungarn ist mit beachtlichem Potenzial gesegnet, was die alternative Energie angeht: Von Geothermie (u.a. besitzt das Land mehr als 3.000 Thermalquellen) über beachtliche Sonneneinstrahlung bis zu Windkraft und großen, ungenutzten Anbauflächen für Agrarrohstoffe finden sich viele Ansatzpunkte. So plant z.B. das ungarische Unternehmen MOL derzeit ein geothermisches Kraftwerk mit 5 MW, insgesamt sind bereits Standorte zur Wärmeerzeugung für 255 MW und zur Stromproduktion von 79,6 MW identifiziert worden (Quelle: ITD Hungary, eine Regierungsagentur zur Förderung ausländischer Investitionen).
Sonnenenergie wird hier zunehmend wichtiger
Ebenso scheint die Sonne kräftig wie unermüdlich und der Wind bläst dazu ordentlich. Forschungsergebnisse rechnen mit 1.750 PJ/Jahr an Solar-Photovoltaik und 102,5 PJ/Jahr an anderer Solarenergie. Installiert sind laut Akademie der Wissenschaften Ungarn davon 2007 gerade einmal 0,11 PJ/Jahr. Das Windkraftpotenzial wird auf 532,8 PJ/Jahr geschätzt, genutzt werden erst 0,16 PJ/Jahr. Ungarn hat das Kyoto-Protokoll unterzeichnet und sich verpflichtet, bis 2020 einen Anteil von 13 - 15% erneuerbarer Energie an der Gesamtenergieproduktion zu erreichen. 2007 lag die Quote erst bei 4,9%, die Ziele sind also durchaus ehrgeizig. Investitionen werden jedoch staatlich gefördert ebenso wie die Forschung.
Biomasse ist der Vorreiter
Den größten Anteil an der Produktion alternativer Energie macht derzeit mit fast 90% jedoch die Biomasse aus. Sechs Kraftwerke erzeugen insgesamt 25 MW Leistung aus nachwachsenden Rohstoffen und landwirtschaftlichem Abfall. Dafür sind die wichtigsten Energiepflanzen Pappel, Robinie, Götterbaum, Energieschilf, Hanf und Tritikale.
Szarvasi-1-Gras. Quelle: www.energiafu.hu
Besonders bemerkenswert ist ein spezielles hybrides Energiegras (Szarvasi-1), das in Ungarn gezüchtet wurde. Es wächst auf kargen und, besonders wichtig, auch auf salzhaltigen Böden mit geringen Düngergaben auf über zwei Meter Höhe. Seine Wurzeln reichen ebenso tief in den Boden, lockern ihn dadurch auf und schützen gleichzeitig vor Erosion. Dabei ist die Energieausbeute in der 10 -15 jährigen Lebensdauer so hoch, dass es Holz als Energiepflanze für Biomassekraftwerke und zur Biogasproduktion ersetzen kann. Gleichzeitig ist es einfacher zu ernten als Bäume, denn dafür können normale Getreidemaschinen genutzt werden. Eine äußerst interessante Pflanze aus der Familie der Riesengräser. Von dieser Gattung sind in Zukunft noch weitere wichtige Entwicklungen für den Energiepflanzenanbau zu erwarten. Vor allem dann werden Gräser wichtig, wenn die Ethanolproduktion der zweiten Generation es erreicht, direkt aus Zellulose Bioethanol herstellen zu können.
Ethanol aus Weizen und Mais, Biodiesel aus Sonnenblumen
Interessant ist auch die Erzeugung von Biotreibstoffen in Ungarn. Die riesigen Felder mit Mais, Sonnenblumen und Weizen reichen bis zum Horizont. Raps dagegen wächst hier nicht so gut wie in unseren Breiten. Mit angepassten Sorten wird dennoch bereits experimentiert. Bei Weizen und Mais erzielt Ungarn einen Überschuss zwischen 3,7 und 5,4 Mio. Tonnen, der bisher überwiegend exportiert wird. Gegenwärtig gibt es erst je zwei Bioethanol- und Biodieselhersteller. Expertenschätzungen gehen jedoch davon aus, dass die landwirtschaftliche Basis ausreicht, um je weitere acht Produktionsanlagen zu beschicken. Unternehmen aus der Schweiz, Schweden und Australien sind bereits dabei, neue Kapazitäten zu planen. Schon heute können 5,75% des Treibstoffbedarfs aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt werden. Dieser Anteil soll in den kommenden zehn Jahren noch deutlich erhöht werden.
Jede Gegend benötigt ihren eigenen Energiepflanzenmix
Ich finde es immer wieder interessant, welche unterschiedlichen Strategien für verschiedene Gegenden denkbar sind, um Energie aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen. Für besonders wichtig halte ich dafür extrem ertragreiche Energiepflanzen, die nicht der Nahrungsmittelproduktion Konkurrenz machen. Das heißt, sie müssen in der Lage sein, auf Böden zu wachsen, die sonst landwirtschaftlich kaum genutzt werden können. Im Idealfall verbessern sie die Böden sogar, sodass diese anschließend auch wieder für die Nahrungsmittelproduktion verwendet werden können. Dazu gehören nicht nur verschiedene Gräser, bei denen die Forschung erst am Anfang einer "grünen Revolution" steht.
Eine besonders interessante Ölpflanze ist ebenfalls die Jatropha, zu deutsch Zaubernuss. Sei wächst in tropischen Breiten sogar auf sehr kargen und trockenen Böden, wo sonst kaum etwas gedeiht. Auch ihr Anbau steckt noch in den Kinderschuhen, erst wenige Unternehmen haben sich darauf spezialisiert. Kollege Michael Vaupel, Chefredakteur der Rohstoff Signale und des neuen LOHAS Investor, ist gerade auf den Spuren der Jatropha in Afrika unterwegs. Seine interessanten Artikel darüber finden Sie im Traders Daily. Ich bin äußerst gespannt, welche lukrativen Anlagemöglichkeiten sich daraus noch für Sie ergeben. Ich werde Ihnen darüber in nächster Zeit noch weiter berichten.
Herzliche Grüße. Ein wunderschönes Herbstwochenende wünscht Ihnen
Ihre Daniela Knauer
PS: Diesen Daily habe ich schon vor einigen Tagen gechrieben, weil ich derzeit unterwegs bin. Daher heute noch zwei Nachträge zu den aktuellen Ereignissen:
Die Nachrichten von der Umweltkatastrophe durch den Unfall in einer ungarischen Alumiumfabrik haben mich sehr betroffen gemacht. Mein Mitgefühl gilt den Opfern. Wir können nur hoffen, dass die Ursache gründlich untersucht wird. Falls eine Schuld des Unternehmens vorlag, muss dieses für die entsetzlichen Schäden zur Verantwortung gezogen werden. Wenn es aber an zu laxen Bestimmungen lag, dass möglicherweise Hochwasser den Damm zum bersten bringen konnte, müssen diese Vorschriften verschärft werden. Viele Länder haben immer noch zu schwache Umweltschutzbestimmungen für die Metallminen und -verarbeiter. Hoffen wir, dass dieses Unglück hier zu einem Umdenken führt.
Alcoa hat nachbörslich die Quartalsberichtssaison eröffnet. Das Ergebnis lag leicht über den Erwartungen, vor allem der Umsatzanstieg überzeugte. Positiv stimmt der Ausblick auf die weltweite Aluminiumnachfrage. Die Prognose wurde von einem Anstieg um 12% auf nun 13% angehoben.Vor allem in den Schwellenländern steige der Verbrauch, zudem ziehe die Nachfrage aus der Luftfahrt- und Automobilindustrie an.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Ralf Viefhaus (11.10. 2010 11:17 Uhr):
Sehr geehrte Frau Knauer, obwohl die Zaubernuss (Hamamelis) eine wundervolle Pflanze ist, so gehört sie eher auf die Haut als Cremebestandteil als in den Tank. Als Herbst-/Winterblüher in unseren Breitengraden ist sie auch nicht tropisch. Der Name den sie meinten ist Purgiernuss oder aber auch - nicht ganz korrekt - Brechnuss. Trotzallem ein toller Bericht über Umweltbestrebungen in Ungarn von denen man sonst nirgendwo etwas hört. Besonders interessant dieses salztollerante Riesengras über das ich mich noch weiter zu informieren versuchen werde. Machen sie weiter so und mit freundlichen Grüßen Ralf Viefhaus
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