Alte und neue Sorgen ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 07. April 2003 18:00 Uhr
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Je näher das mögliche Ende des Krieges am Golf rückt, desto "euphorischer" und optimistischer scheinen die Aktienmärkte zu reagieren. Gut möglich, dass sich der Anstieg auch in den nächsten Tagen, wenn nicht sogar Wochen, fortsetzt. Es ist also freilich keinesfalls ausgeschlossen, dass der Dax, von kurzfristig, wie im Herdentrieb agierenden Spekulanten angetrieben, wieder gen 3000 Punkte katapultiert wird. Jedenfalls würde es mich aber auch nicht wundern, wenn es zwar zu einem raschen und steilen Anstieg der Märkte kommen würde, dieser aber wieder umso heftiger bereinigt werden würde.
Denn: fast alle Marktteilnehmer erwarten diese Aufwärtsbewegung! Insofern könnte die Rallye auch schon vor dem eigentlichen Ende des Krieges beendet sein. In diesem Zusammenhang sei zum wiederholten Male darauf hingewiesen, die Chance zum Ausstieg im Zuge dieser Gegenbewegung konsequent zu nutzen.
Momentan scheinen alle harten Wirtschaftsdaten noch von den Kriegswirren überdeckt zu werden, aber schon bald wird sich das Interesse der Marktteilnehmer wieder auf das äußerst fragile und schwache Fundament der Weltwirtschaft, im speziellen der US-Wirtschaft, richten. Gerade in diesen Tagen gesellen sich zu den ohnehin schon dramatisch brüchigen Grundlagen der Wirtschaft weitere Risikofaktoren "externer" Natur, seien es mögliche terroristische Attacken, seien es sonstige Gefahren, welche durch global wütende Viren, wie aktuell das SARS, keinesfalls unterschätzt werden sollten.
Hinsichtlich der Stabilität der Wirtschaft wurde letzte Woche erneut klar, dass die Talfahrt der Real-Wirtschaft sich nahezu ungebremst fortsetzt. Dies- und jenseits des Atlantiks, in den USA und in Deutschland waren die Arbeitsmarktdaten keinesfalls dazu angetan, einen Silberstreif am Horizont erkennen zu lassen. Eher das Gegenteil ist der Fall.
Allein im März verlor die US-Wirtschaft mehr als 100 000 Stellen, die Arbeitslosigkeit unter Teenagern nahm weiterhin drastisch zu. Ferner ist in der Bundesrepublik die Arbeitslosigkeit am Ende des ersten Quartals des Jahres 2003 mit über 4,6 Millionen offiziell registrierten Menschen ohne Arbeit mehr als nur beängstigend hoch. Ja, die Unternehmen halten sich mehr denn je mit Einstellungen zurück. Es wird schlicht kaum oder fast gar nicht mehr investiert. Mittlerweile beklagen selbst Softwarefirmen wie PeopleSoft oder Siebel Systems in ihren Berichten die Investitionszurückhaltung der Unternehmen. Zudem besteht keinesfalls die Aussicht auf rasche Besserung, zumal überdies das verarbeitende Gewerbe und der Dienstleistungssektor von sinkenden Auftragseingängen berichten.
Außerdem wird die Gefahr eines Platzens der US-Immobilienblase immer größer. Selbst der Internationale Währungsfonds sieht mittlerweile eine 40 %-Wahrscheinlichkeit, dass diese Übertreibungen ähnlich wie beim Aktienmarkt beseitigt werden. Daß bei einer Krise am Immobilienmarkt die Auswirkungen auf die Real-Wirtschaft noch gravierender sein werden als durch das Platzen der Spekulationsblase bei den Aktien, sei nicht unerwähnt. Wie schon berichtet, die ersten alarmierenden Fakten, die auf künftige ernste Probleme im Immobiliensektor schließen lassen, sind ja bereits vorhanden.
In diesem Kontext ist es also keinesfalls "schwarz-seherisch", von einer nahenden, möglicherweise globalen Rezession zu sprechen, wie dies gar jüngst von einer großen US-Investmentbank ins Kalkül gezogen wurde.