Also sprach George Soros
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 13. Oktober 2009, 12:00 Uhr
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*** Nicht noch ein Gedicht, sondern noch eine Rezension.
Und zwar: „Das Ende der Finanzmärkte - und deren Zukunft. Die heutige Finanzkrise und was sie bedeutet" von George Soros.
Das, was ich beim von mir hoch geschätzten Norbert Walter etwas vermisst hatte - neue Aspekte, in-die-Tiefe-gehen - bringt George Soros. Und zwar mit seiner „Reflexivitäts-Theorie".
Finde ich absolut famos! Um was es geht:
Herrschende Meinung derzeit: Finanzmärkte sind „perfekt", tendieren zu einem Gleichgewicht. Temporäre Abweichungen sind möglich, dann geht es aber wieder hin zu diesem Gleichgewicht.
Soros verwwirft das und bringt diesen neuen Aspekt ein: An den Börsen beeinflussen die Marktteilnehmer auch das „Gleichgewicht". Dieses ist nicht Gott gegeben, sondern hängt auch von den Aktionen der Marktteilnehmer selbst ab.
Beispiel DAX. Herrschende Ansicht: Der DAX hat einen „fairen Wert". Wenn er darüber steht, sollte man verkaufen - wenn er niedriger steht, kaufen.
Soros sagt nun dies: Es kommt auf die Einschätzung der Marktteilnehmer an. Und zwar darüber, was diese in Bezug auf den fairen Wert DENKEN. Wenn z.B. Massen von Anlegern denken, der DAX sei unterbewertet und deswegen kaufen sie - dann wird der DAX steigen. Und zwar deshalb, weil diese Massen kaufen.
Damit schaffen sich diese Anleger eine neue Realität. Und diese kann wiederum die Realwirtschaft beeinflussen.
Es gibt also eine Wechselbeziehung zwischen Denken und Realität. Marktpreise lassen sich deshalb nicht deterministisch festlegen, nach dem Motto „dies wäre das Gleichgewicht". Nein, es sind zu viele Variablen im Spiel, nämlich die ANSICHTEN der verschiedenen Marktteilnehmer.
Und diese Ansichten beeinflussen eben nicht nur die Marktpreise, sondern auch die Fundamentalbedingungen.
*** Habe ich das zumindest halbwegs verständlich ausgedrückt? (Immerhin hat Soros darüber ein ganzes Buch geschrieben.)
Mich überzeugt diese Reflexivitäts-Theorie von Soros jedenfalls viel stärker als die „Lehrbuchmeinung", welche auch mir an der Uni beigebracht worden ist. (So sollen z.B. am Devisenmarkt Abweichungen vom „Gleichgewichtspreis" mittels „random walk", also zufallsbedingten Abweichungen, erfolgen. Lächerlich, finde ich!)
Vielleicht lässt sich die Ansicht von George Soros widerlegen. Solange ich allerdings keine überzeugende Widerlegung gelesen habe, halte ich mich von nun an an seine Reflexivitäts-Theorie. Ab sofort.
Mit reflexivem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Josef Müller (13.10. 2009 13:37 Uhr):
Hallo Herr Vaupel, wenn Sie schon beim Lesen sind, kann ich Ihnen eine Neuerscheinung empfehlen: "FALSCHGELD - Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit" von Samirah Kenawi ISBN 978-3-938175-49-1 EWK - Verlag Sie erklärt sehr anschaulich die Zusammenhänge der "Wirtschaftskrise" und bietet Lösungen an. Viel Spass bei der Lektüre und vielleicht eine kurze Antwort. Viele Grüße Josef Müller
Antworten - Kommentar von Werner Wielandt (13.10. 2009 13:57 Uhr):
was ist da so "überraschend" daran ?
Antworten - Kommentar von Frehner Hans (13.10. 2009 14:01 Uhr):
Ja, und genau das haben wir jetzt. Die Börse muss rauf, Teufel komm rauf. Mindestens über 10000 beim Dow. (Fast) alle wollen von allen fundamentalen Problemen nichts hören. 2008 musste nur irgend jemand auf der Welt husten, und die Börse reagierte negativ. Jetzt haben wir das Gegenteil. Ich hoffe, dass das Erwachen nicht allzu heftig sein wird.
Antworten - Kommentar von Peter Rapp (13.10. 2009 22:16 Uhr):
Dies entspricht auch meiner bescheidenen Ansicht - wie sollte sonst jegliche "Blase" überhaupt entstehen?
Antworten - Kommentar von fishman (13.10. 2009 23:26 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel! Eben! Und deswegen kann man nicht einfach davon ausgehen, daß das viele eingepumpte Geld auch viel nützt, außer den vorläufigen Rettungen und das es vermutlich für die Assetinflation ursächlich ist. Im Moment setzen die Politiker, Statisten, Journalisten usw. auf die Refleksion, in dem sie durch Falschmeldungen die Stimmungen zu beieinflussen suchen, in der Hoffnung, Die Refleksion geht in die positive Richtung. Refleksion ist immer das, was man hinterher genau beschreiben kann und was man vorher so nicht erwarten konnte. Grüße V.T.
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- Kommentar von Ulrich Wehmeier (14.10. 2009 11:15 Uhr):
Guten Morgen, Herr Vaupel, vielen Dank für den Beitrag über George Soros. Folgendes "Problem" habe ich damit: Ich habe eine sehr enge - platonische - Freundschaft mit einer Dame, die leider der Linken-Partei angehört. Wir besprechen alles miteinander, nur aus gutem Grund lassen wir Politik außen vor. Bei "Linken" sträubt sich in mir und an mir alles, was ich habe. Also nun: bisher konnte ich ja mit gutem Gewissen ein Mindestmaß von gesellschaftlichem Nutzen meiner Tätigkeit an der Börse unterstellen. Mit der "Reflexivität" ist das ja nun dahin. Oder? Wenn ich besagter Dame nun Vorhaltungen mache, weil mir möglicherweise, auch unter Betrachtung des Programms der NRW-Linken (ich kriege schon wieder Ausschlag..) der Kragen platzt, kriege ich doch mit Refexiv sofort einen Konter. Oder haben Sie trotzdem noch einen "moralischen" Nutzwert im Köcher? Mit gleichgewichtigen Grüßen Ihr Ulrich Wehmeier
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