Als wäre alles bestens - US-Verbrauchervertrauen in alter Stärke
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 27. September 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Offenbar hat sich die berechtigte Unruhe der Börsenakteure hinsichtlich einer möglichen, rezessiven Tendenz in den USA, losgetreten vom Einbruch des Immobilienmarkts, nicht bis zu den Verbrauchern herumgesprochen:
Das US-Verbrauchervertrauen für September bügelte den Rücksetzer vom August völlig aus. Der Wert kletterte auf 104,5, der August-Wert wurde von 99,6 auf 100,2 nach oben korrigiert. Dabei findet sich hier bei den Subindizes ein prägnanter Unterschied zum deutschen ifo-Index:
Zwar stieg auch hier die Komponente der aktuellen Lageeinschätzung (von 123,9 auf 127,7). Aber auch der Bereich der Erwartung kletterte markant von 84,4 auf nunmehr 89,0. Zugleich fiel die Inflationserwartung von 5,5 im August auf 4,9 im September. Der Grund ist jedoch leicht auszumachen:
Es handelt sich zwar in beiden Fällen um Stimmungsindizes. Aber während der ifo-Index Geschäftserwartungen projiziert, bildet das US-Verbrauchervertrauen die Stimmung der privaten Verbraucher ab. Und hier hat vor allem ein Element für einen deutlichen Stimmungsschub gesorgt: Die in den vergangenen Wochen deutlich gefallenen Benzin- und Heizölpreise.
Die Krise der Immobilien scheint die US-Bürger bislang nicht zu sorgen ... sofern sie nicht unmittelbar selbst betroffen sind. Das sich dies zügig ändern kann, ist klar. Aber kurzfristig scheint in den USA die gute Laune nicht abhanden gekommen zu sein.
Die US-Aktienmärkte (und in ihrem Schlepptau die europäischen Aktienindizes) nahmen diese Daten mit Erleichterung – und Kurssteigerungen auf. So gelang dem marktbreiten Standard & Poors 500 Index zum Handelsschluss ein neues Jahreshoch, das letztlich ein klares charttechnisches Kaufsignal darstellt.
Eine detaillierte Analyse von S&P 500 und den anderen großen US-Indizes folgt morgen, denn bevor ich hier genauer auf mögliche, noch zu erreichende Kursziele eingehe, möchte ich erst einmal die Reaktion auf die heute Nachmittag anstehenden Verkäufe neuer Häuser abwarten, die unter Umständen in der Lage wären, dieses bullishe Szenario zu konterkarieren.
