Alles nur Zufall?
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily
vom 16. Januar 2012, 17:00 Uhr
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vergangene Woche habe ich hier geschrieben, dass sich im angelaufenen Jahr noch nicht besonders viel ereignet hat, was man u.a. an der Aufmerksamkeit der Medien an der Affäre unseres Bundespräsidenten erkennt. Eine Woche später, exakt am angeblich bedeutungsvollen Freitag den 13.kommt Bewegung in den Wirtschaftsteil der Zeitung. Außerdem zeichnet sich ab, dass wie von vielen erwartet, die Probleme des alten Jahres auch die des neuen sein werden. Damit spiele ich natürlich auf die Euro- und Schuldenkrise an, die durch die Absenkung des Ratings mehrerer Euro-Länder durch die US-Agentur S & P wieder stark an Aufmerksamkeit gewonnen hat.
Wie hier schon mehrfach von mir in den vergangenen Monaten betont, gibt es für das europäische und auch das amerikanische Verschuldungsproblem keine schnelle Lösung. Diese Krise wird erst beendet sein, wenn sich eine Reduzierung und Tragfähigkeit der Schulden abzeichnet. Und trotzdem hat sich im neuen Jahr etwas verändert. Ich meine die bisherige relative Gelassenheit der Marktteilnehmer auf die Herabstufung, die vor wenigen Wochen sicherlich noch ein Beben an den Börsen ausgelöst hätte. Auch hier scheint sich eine gewisse Gelassenheit und Abgebrühtheit durchzusetzen. Diese hat auch damit zu tun, dass die Macht der Agenturen sehr stark nachgelassen hat.Vor allem in Europa sind immer mehr Menschen davon überzeugt, dass es hier gar nicht um eine objektive Bewertung der Bonität eines Schuldners geht. Vielmehr wird immer deutlicher, dass es vor allem um die Wahrung von amerikanischen Interessen geht, denn natürlich haben diese kein Interesse daran, mit dem Euro eine konkurrierende Währung gegen den US-Dollar aufzubauen, der dessen Stellung als wichtigste Reservewährung angreifen könnte. Hierin sehe ich den wichtigsten Grund dafür, warum immer dann gegen den Euro geschossen wird, wenn sich der Patient auf dem Weg der Besserung befindet.
Alles eine Frage des Timing
Die Herabstufung vom Freitag kommt nicht wirklich überraschend. Schließlich standen fast alle EU-Länder seit Monaten unter verschärfter Beobachtung und außerdem wurde den Franzosen bereits im vergangenen November die Bestnote entzogen - wenngleich auch nur für einige Minuten. Dieser Schritt war mit Sicherheit ein Testballon, nur um einmal abzuschätzen, wie groß die Nervosität an den Märkten im Ernstfall sein könnte. Denn zu sehr ins eigene Fleisch schneiden, oder gar auf Dauer schaden, will man sich natürlich auch nicht. Auf jeden Fall hat die Sache aber einen faden Beigeschmack und ich frage mich, was sich in den vergangenen beiden Monaten wohl an der Stabilität Frankreichs geändert haben könnte. Warum war die Herabstufung des Nachbarlandes im November noch ein Versehen, nun aber bitterer Ernst? Da sind uns die Rechenkünstler aus dem Hause S & P wohl noch eine Erklärung schuldig. Und da diese nicht so einfach zu erbringen sein wird, wurde die Herabstufung des für den Rettungsschirm sehr wichtigen Landes bisher auch von den Investoren weniger beachtet als zunächst befürchtet. Die Waffen der Ratingagenturen stumpfen also ab, da diese sehr deutlich von ihrer früheren Autorität verloren haben. Trotzdem aber bleibt die Frage, warum derartiges immer dann passiert, wenn die Eurokrise etwas abklingt und der Euro wieder an Vertrauen zu gewinnen droht. Ich glaube hier nicht mehr an Zufall sondern an knallharte Interessen. Denn immerhin haben die Amerikaner eine Menge zu verlieren wenn eines Tages das vor allem in Asien verbreitete Interesse abklingt, um jeden Preis in amerikanische Schulden zu investieren, ganz egal ob diese eine positive Rendite abwerfen oder nicht.