Alles ist relativ
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. Januar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Sie meinen, der Ölpreis sei gestiegen? Dann sollten Sie darüber noch einmal nachdenken.
Mein Kollege in Buenos Aires hat mich auf den richtigen Dampfer gebracht:
“Seit 2001 haben der Preis für Öl und der Preis für Gold ein fast perfektes Tandem gebildet“, schreibt Chris Lowe. „Der Goldpreis ist seit 2001 um 293% gestiegen, während der Ölpreis um 267% gestiegen ist. Wenn der Dollar seit 2001 ‚so gut wie Gold’ geblieben wäre, dann würde das bedeuten, dass Öl heute für 30 Dollar verkauft werden müsste, und nicht für ungefähr 99 Dollar. Gold war traditionell ein ungefährer Stellvertreter des Preisniveaus, und somit legt der Rückgang des Dollars gegenüber Gold und Öl nahe, dass die amerikanische Geldpolitik zu viele Dollar zur Verfügung stellt.
Und da haben wir es, liebe Leser.
Gemessen am wahren Geld – Gold – ist Öl immer noch günstig.
Doch dann gilt auch, dass Gold in Öl günstig ist. Gemessen an allem, das real ist, ist alles andere auch realistisch. Bewertet in Gold ist ein einfaches amerikanisches Haus heute günstiger als vor fünf Jahren. In Öl ist die durchschnittliche Aktie kaum halb so viel wert wie noch vor fünf Jahren. In Relation mit Sojabohnen sind sogar die Krankenversicherungen heute noch ein Schnäppchen.
Was soll man davon halten?
Bewertet in Öl oder Gold haben sogar die anderen Rohstoffe angefangen, vernünftige Preise zu haben. Um genau zu sein, sieht alles so aus, als habe alles einen halbwegs vernünftigen Preis… sogar der Euro. Das europäische Geld ist von einem Tiefstwert von 88 Cent auf einen Höchstwert von fast 1,50 Dollar geklettert.
Ist der Euro so großartig?... oder der Dollar so schrecklich? In Euro sind amerikanische Häuser heute ungefähr so viel wert wie vor zehn Jahren. Ja, hier ist ein fauliger Geruch, der aus dem Finanzfass stammt. Aber es ist der Dollar, der stinkt.
Eine Sache, die man daraus schließen kann, ist offensichtlich:
Es ist besser, echtes Geld als trügerisches Geld zu haben. Echtes Geld ist beständig. Und wenn man echtes Geld hat, dann kann man echte Dinge kaufen… selbst wenn der Preis dafür nominell steigt.
Häuser sind reale Dinge. Land ist noch realer… in dem Sinne, dass man hier nicht so leicht etwas vermurksen kann. Man kann mehr Häuser bauen, man kann aber nicht mehr Land bauen – zumindest nicht so einfach.
“Die Grundstückspreise sind um 35% gestiegen”, heißt es in einer Zeitung aus Buenos Aires. Die Verkäufer fordern bis zu 10.000 Dollar pro Hektar – für bestes Farmland. Kleine Parzellen bringen bis zu 15.000 Dollar pro Hektar… und das zur ungefähr gleichen Zeit, zu der auch die Rohstoffpreise steigen… und ungefähr zur gleichen Zeit, in der auch Gold steigt.
Was für ein Zufall, nicht wahr?
Sojabohnen sind in den letzten sechs Monaten um 50% gestiegen. Die Gewinne aus der Landwirtschaft sind explodiert und haben dazu geführt, dass die Farmer ihre Produktion so schnell sie konnten angekurbelt haben.
Natürlich geht ein Preisboom immer einem Einbruch der Preise voraus. Aber was bedeutet es, wenn die Preise nur mit Gold mitgehalten haben?... Wenn sie sich dem Goldpreis angepasst haben, dann sind sie nicht wirklich so sehr gestiegen, oder?
Ich weiß es nicht ganz. Aber es scheint mir so, als würde Gold seine Aufgabe erfüllen. Es sagt uns die Wahrheit darüber, was die Dinge wirklich wert sind, und dass ist der Grund, warum ich Gold für eine so interessante Investition halte. Und wenn Sie darüber nachdenken, etwas von dem, was ich als „ultimative Vermögensversicherung“ bezeichne, zu ihrem Portfolio hinzuzufügen, aber von den hohen Preisen davon abgehalten werden – machen Sie sich keine Sorgen.
Ein Barrel Öl ist ungefähr eine Achtel Unze Gold wert. Ungefähr genauso viel war Gold auch 2001 wert… und genauso viel ist es heute wert. Und Weizen… und Sojabohnen… und landwirtschaftlich nutzbares Land… sind auch allesamt korrekt ausgezeichnet. Zumindest, sofern man sie gegeneinander bewertet.
Doch viele Leute erhalten die falschen Signale. Sie halten die Inflationsgewinne für wahre Gewinne… und sie machen Fehler. Und genau das ist einigen Bauunternehmern passiert, die dachten, dass die höheren nominellen Preise bedeuten, dass es eine größere, wirkliche Nachfrage gibt. Zuletzt stellten sie fest, dass die höheren Preise nur eine Illusion waren. Zum einen stellten sie keinen wahren Anstieg der Nachfrage dar… und zum anderen sind die nominellen Preise so sehr gestiegen, dass die Leute es sich nicht mehr leisten konnten, sie zu zahlen.
Die Folge: zurückgehende Verkaufszahlen.
Und jetzt stellen wir fest, dass die Bauern so viel mehr Soja anbauen, als handelte es sich um Häuser. Argentinien ist von Sojabohnen bedeckt. Und Amerika ist von Mais und Häusern übersät. Die Hauspreise haben bereits angefangen zu fallen. Es wird nicht mehr lange dauern, ehe auch die Preise für landwirtschaftlich nutzbares Land fallen. Alle Fehler werden korrigiert.
Der amerikanische Immobilienpreis ist in der Phase 1997 – 2007 gestiegen, hauptsächlich verursacht durch die Preise für die Grundstücke – nicht für die Häuser selbst. Die Häuslebauer dachten, sie würden Geld verdienen.. und sie haben noch mehr gebaut.
Doch in Wahrheit haben die Grundstückspreise auf den Einbruch des Dollarwertes reagiert. Die Bauunternehmer waren getäuscht. Nominell verdienten sie Dollars, aber das waren nicht notwendigerweise auch effektiv mehr Dollar. Und sie bauten mehr und mehr Häuser, und schon bald fing der Preis ihrer Produktion an zu fallen. Und irgendwann machten sie auch nominell keinen Gewinn mehr. Und selbst einige der größten Bauunternehmen – besonders beachtlich Levitt und Sons – machten Pleite.
Derweil eine traurige Nachricht: Gold, Öl und Weizen mögen auf Rekordniveau stehen… doch die Einkommen sind kaum gestiegen.
Mit anderen Worten: Nominell in Dollar verdienen Amerikaner im Schnitt ein bisschen mehr als vor fünf Jahren. Aber in Gold, Öl und Weizen… haben sich die Löhne halbiert – oder noch schlimmer reduziert.
Und das ist der große Ruhm der Finanzmärkte. Ganz egal, was die Leute sagen… ganz egal, was die Verantwortlichen tun… der Markt wird immer tun, was er tun muss. Die Amerikaner haben über Jahre über ihre Verhältnisse gelebt. Sie haben kein Geld gespart. Und sie haben ihren Wettbewerbsvorteil an das Ausland verloren. Irgendwie mussten sie ärmer werden, denn genau das passiert den Menschen nach übermäßigen Konsum.
Aber wie könnten sie ärmer werden? Weil die Löhne fallen? Weil der Wert ihrer Vermögenswerte fällt? Ja, als Antwort auf beide Fragen.
Die amerikanischen Wirtschaftler jubeln über den fallenden Dollar – denn er macht die Exporte günstiger – und er macht auch unsere Arbeit günstiger. Und es entwertet die Dollar, die wir gespart… oder verdient haben… oder die wir in unseren Taschen mit uns herumtragen. Ein schwächerer Dollar macht uns ärmer.
Die amerikanischen Verantwortlichen tun alles Menschenmögliche, um die Inflation zu leugnen. Sie drehen die Zahlen. Sie zermalmen sie. Und dann formen sie daraus seltsame neue Formen. Aber das ist nichts Neues. Es ist einfach nur Teil eines vergeblichen Versuchs, unsere einbrechende Wirtschaft zu stützen und den drohenden Tag der Abrechnung noch ein wenig weiter herauszuzögern. Finden Sie heraus, wer nicht die Wahrheit sagt.
Hier in Argentinien liegt die offizielle Inflationsrate bei nur 9%.
Doch alle wissen, dass die Statistiker lügen.
Experten gehen davon aus, dass die Inflationsrate in Wahrheit eher bei 20% liegt. Und sogar die Regierung selbst gibt zu, dass die Zahlen Betrug sind. Als es an der Zeit war, die Regierungsgehälter an die Inflation anzupassen, war es den Bürokraten nur Recht, einen Anstieg anzunehmen, der deutlich über den offiziellen Zahlen liegt. In diesem Sinne sind die Argentinier deutlich ehrlicher als ihre amerikanischen Gegenstücke.