Alles beim Alten, Teil 2
John Mauldin in Investors Daily
vom 19. Dezember 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Bill Bonner hält es für keine gute Sache, ein Imperium zu sein, auch wenn er bereit ist einzugestehen, dass Amerika kein Imperium im alten Stile ist. Alle Imperien werden eines Tages enden. Und deshalb wird auch das amerikanische Imperium irgendwann zu Ende gehen. Bonner glaubt, dass es in Schulden enden wird.
Bonner und Wiggins sind Freigeister. Sie sprechen sich für eine minimale Regierung aus. Sie glauben, dass wenn sich ein Imperium in Probleme einmischt, die Probleme im Zweifelsfall eher größer werden. Und dabei geht es ganz besonders um Interventionen durch das Militär oder durch die Zentralbanken.
"Wenn sie leugnen wollen, dass die USA heute ein Imperium sind, dann sind Sie ein ebenso großer Dummkopf wie wir es waren. Wir haben diesem Konzept sehr lange widerstanden", schreiben Bonner und Wiggin in der Einleitung. "Wir wollten einfach nicht, dass die USA ein Imperium sind. Wir dachten, man hätte da eine politische Wahl. Uns gefiel die alte Republik von Jefferson und Washington, und die amerikanische Verfassung ... die bescheidene Nation der harten Währungen und der weichen Birnen; das wollten wir nicht aufgeben. Wir dachten, es wäre ein Fehler, wenn die USA sich so verhielten, als wären sie ein Imperium."
"Was sind wir doch für Dummköpfe gewesen. Wir haben die Sache absolut nicht begriffen. Es ging ja gar nicht darum, ob wir es wollten oder nicht. Da hatten wir ungefähr so viel Wahl wie eine Raupe, die zu einem Schmetterling werden muss."
Es ist ganz offensichtlich keine gute Idee, wenn eine Nation sich selbst in den Ruin treibt. Und warum sollte man in den Irak einmarschieren oder einen Krieg gegen den Terror anfangen – denn beides würde höchstwahrscheinlich in teuren Katastrophen enden. Es handelt sich jedoch um die USA, die versuchten, sich selbst zu zerstören – zum einen, indem man die Wirtschaft in den Ruin treibt und dann, indem man sich überall auf der Welt Feinde macht."
"Dann ist uns natürlich aufgefallen, dass die USA genau das tun müssen! Amerika ist ein Imperium; die Leute müssen sich also für Imperialisten halten. Um ihre Mission zu erfüllen, müssen die Menschen in der Heimat zu dem werden, was Orwell als "Dumme Schießbudenfiguren" bezeichnete. Die Bürger eines Imperiums müssen glauben, dass sie es verdient haben, die imperiale Macht zu stellen."
"Es ist ein eitler Betrug, aber er ist so hell und so groß, dass er einige Anziehungskraft auf die gesamte Gesellschaft hat. Bald schon hat diese Kraft ein ganzes System der Eitelkeiten und Illusionen in Bewegung gesetzt, so weit von der Wahrheit entfernt wie Pluto und so seltsam wie der Saturn. Die Amerikaner glauben, sie könnten reich werden, indem sie das Geld anderer Leute ausgeben. Sie glauben, dass andere Länder tatsächlich eingenommen werden wollen. Das macht das Studium der modernen Wirtschaft so unterhaltsam. Man sitzt hinter seinen Teleskopen und lacht wie ein Scheidungsanwalt der sich die Bilder ansieht, auf denen man einen reichen Mann in Flagranti ertappt hat; man weiß einfach, wo sich das große Geld machen lässt." Aber Amerika ist kein Imperium im alten Stil. Die Mongolen und die Römer haben erobert und Steuern erhoben, (räuberische 10 % ungefähr). Die Briten und die Franzosen nahmen Rohstoffe und billige Güter. Die Amerikaner schicken eine Armee und zahlen dann Milliarden von Dollar an die Eroberten.
Wie sind wir zu einem Imperium geworden? Bonner verweist auf die Anfänge im Jahr 1913, als sowohl die Einkommenssteuer als auch die Federal Reserve eingeführt wurden. Das waren die Bauwerkzeuge, die das Imperium einmal finanzieren sollten.
Das zweite große Ereignis auf dem Weg zum Imperium war Nixon, der das goldene Fenster schloss und zuließ, dass die Fed und die Regierung die Währung so lange manipulierten, wie sie es für nötig befanden.
Genauso wie Anleger im Jahr 1999 dachten, dass Technologieaktien nur steigen können, sehen Bonner und Wiggin heute ein Land, dass denkt, dass Aktien nur steigen können. Nachdem dies 225 Jahre lang der Fall war, warum sollte es heute anders sein?
Und damit kommen wir zu dem Punkt. Für Bonner und Wiggin ist Amerika auf dem besten Wege in eine leichte Depression, die durch Schulden verursacht wurde, einfach nur weil wir ein Imperium haben. Wir haben die Einkommen der zukünftigen Generationen schon ausgegeben, um heute konsumieren zu können, wir haben Schuldenberge angehäuft, die immer größer werden Wir haben unsere Kinder dazu verpflichtet, für Social Security und Medicare zu bezahlen, wozu sie, so wie die Sache im Moment aussieht, einfach nicht die Mittel haben. Der Generationenvertrag wird gebrochen, weil er nicht bezahlt werden kann.
Das ist nicht die übliche Gebetsmühle vom Untergang. Hier geht es um ein ganz anderes Niveau, denn es handelt sich um den unvermeidlichen Untergang. Wir kriechen in Amerika in Richtung düsterer Zeiten, und sind uns unseres eigenen Schicksals nicht bewusst. So haben alle Imperien geendet. Entweder mit viel Gejammer oder mit einem Knall. Sie machen die Sache sehr gut deutlich. Die Frage ist nur, können wir das alles ignorieren? Haben sie unrecht? Oder werden die Dinge auf irgendeine Art doch anders laufen?