“Alles andere als normal” – Teil 1 von 2
James Howard Kunstler in Traders Daily
vom 30. Mai 2008 12:00 Uhr
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“Alles andere als normal”, genau das waren die Worte, die der Vorsitzende der Zentralbank verwendete, um die Finanzmärkte zu beschreiben (und damit in der Erweiterung auch die Wirtschaft), in diesen unbesonnen Frühlingstagen, an denen jeder andere mit einem Podium, zu meinen scheint, dass die so genannte Liquiditätskrise unter Kontrolle gebracht wurde.
Es gibt einen großen Wunsch danach, dass die amerikanische Finanzwelt wieder zum normalen Geschäftsleben zurückkehren kann. Und dieser Wunsch bringt fantastische Gebühren für die Neuentwicklung neuer Methoden für handelbare Papiere und für die Gestaltung von Fusionen und Übernahmen, die auch gewaltige Gebühren erzeugen.
Und dazu Abfindungen im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar für die Geschäftsführer der Unternehmen, die sich so edelmütig bemühen, die amerikanische Produktionskapazität auseinander nehmen – doch offenkundig sind die Ereignisse noch immer nicht unter Kontrolle.
Die amerikanische Zentralbank selbst hat entscheidend daran mitgewirkt, diese Abnormalitäten zu fördern, indem sie alles ihr mögliche getan hat, um ein Herausarbeiten der nicht uneinbringlichen Forderungen im System zu verhindern.
Weil Geld durch die Kreditvergaben erst geschaffen wurde, und weil auch Kredite Geld sind, wird das Herausarbeiten der uneinbringlichen Forderungen die Entdeckung zur Folge haben, dass viel Geld verschwunden ist – und genau das ist auch der Fall. Die Zentralbank hat diese Berechnungen immer weiter hinausgeschoben, indem sie ganze Wagenladungen mangelhafter, nicht handelbarer Sicherheiten als Gegenleistung für die Kredite an die großen Banken aufgesaugt hat, die nicht genug Bargeld in den Händen haben, um ihre Hausmeister zu bezahlen.
Meine persönliche Theorie ist, dass das Gespenst des Ölgipfels ziemlich deutlich die Unfähigkeit industrieller Ökonomien mit sich bringt, weiterhin wirklichen Wohlstand auf die traditionelle Weise zu erwirtschaften. Angesichts dieser Tatsache stellen die Arbeitsbienen im Bankenwesen – entweder bewusst oder auf einer eher mystischen Ebene - fest, dass das Geld, wenn sie ihre Villen in den Hamptons halten wollen, irgendwie anders durch Kredite ins Leben gerufen werden muss (als durch die Leistungen der industriellen Produktivität).
Wir haben alles andere aber schon ausprobiert. Es gab die so genannte Dienstleistungswirtschaft: ein Versuch, die Produktion durch den Verkauf von Hamburgern zu ersetzen. Und dann gab es die Informationswirtschaft, in der die Arbeit durch das Kennen von Informationen ersetzt wurde.
Und dann gab es auch noch die Geschichte mit der Technologie, bei der es darum ging, dass man Internetfirmen, die es eigentlich nur auf der Rückseite von Einwegservietten gab, in die Phase des Börsengangs der Kapitalisierung brachte – und das erlaubte es einigen hundert dreißigjährigen Charmeuren, sich auf Weinhängen im Napa-Tal zur Ruhe zu setzen, während hunderte andere Ruheständler die Hälfte des Wertes ihrer Investmentportfolios verloren haben.
Und dann gab es auch noch den Immobilienboom, bei dem es um die Zersiedelung in die Vorstädte ging, aufgrund der Theorie, dass Häuser (oder das Zuhause, in der Sprache der Makler) eine auf der Hand liegende Form von Wohlstand darstellt, und dass deswegen die Nutzung des Hauses als Kreditsicherheit zulässt, dass man gigantische Mengen Geld ins Leben leiht – zusammen mit gewaltigen Gebühren für die Strukturierung der Kredite in Bündel anleihenähnlicher Dingsbums.