Alles andere als normal” – zweiter und letzter Teil
James Howard Kunstler in Traders Daily
vom 2. Juni 2008, 19:21 Uhr
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All das ist gescheitert, denn die Gaunerei ging zu weit. Jeder mögliche Kandidat für ein Festsitzen, saß fest. Es gab zu viele Kreditsicherheiten, die niemand haben will, gingen ins Aus.
Der wahnsinnige Anstieg der Hauspreise machte einen Abwärtstrend der Preise unvermeidlich, und sobald eine Trendwende eintrat, fiel sie in die gnadenlose Algebra des deflationären Todesstrudels.
Noch wichtiger ist jedoch, dass diese Gesellschaft heute keine Tricks mehr kennt, wie man über Kredite Geld erzeugen kann.
Deswegen fängt diese Gesellschaft jetzt an, den Schmerz zu spüren, den Geld erweckt - von dem man dachte, man habe es erzeugt und das sich jetzt aufgrund von Zahlungsunfähigkeiten in Luft auflöst.
Und schlimmer noch, diese Zahlungsunfähigkeiten führen zu logarithmischen Ketten der Geldzerstörung an ihren Ursprungsorten, bei den Investmentbanken, die die Gaunereinen überhaupt erst erschaffen haben.
Der wichtige Teil ist hier, dass das Geld weg ist. Was die ganze Sache mit der Blase der Vorstadthäuser wirklich furchterregend werden lässt, ist die Tatsache, dass die zu genau dem Moment in der Geschichte auftrat, in der der wichtigste Rohstoff für die Ermöglichung des vorstädtischen Lebens - Öl - in die Phase der Verknappung eingetreten ist.
Die logische Folgerung aus all dem ist gewiss nicht das, was die amerikanische Öffentlichkeit gerne hören würde: Wir sind heute eine sehr viel ärmere Gesellschaft, und stehen nun vor der unumgänglichen Aufgabe, gewaltige Änderungen in der Art, wie wir leben, vorzunehmen.
All diese Taschenspielertricks auf den höchsten Ebenen der Finanzwelt laufen letztendlich auf die Bemühung hinaus, das unvermeidlichen zu verhindern, unsere Verluste aufzudecken. Mit Sicherheit werden die negativen politischen Folgen all dessen ganz beachtlich sein.
Aber hier geht es wirklich nicht um die Politik. Es geht vielmehr um eine Gesellschaft im Ganzen, die nicht mehr in der Lage ist, einen funktionstüchtigen, neuen Konsens über die Realität herzustellen.
Es ist schwer vorherzusagen, wie lange diese Institutionen im Herzen unseres Wirtschaftssystems diesen „alles-andere-als-normalen" Schwebezustand noch werden aufrecht halten können, so zu tun, als würde das Geld nicht durch die Zahlungsunfähigkeit der Kreditnehmer verschwinden. Da der gleiche Prozess auch in Großbritannien und Spanien zu beobachten ist, in Ländern also, die außerhalb der Reichweite eines Ben Bernanke, des Finanzministers Paulson und der Jungs von der Wall Street liegt.
Und da die Maßnahmen und Reaktionen dort immer noch das Schicksal des Geldes hier bestimmen werden, ist es sicher, die Folgerung zu leugnen, dass wir im besten Falle Monate von der brutalen Feststellung entfernt sind, dass es der Wall Street gelungen ist, sich selbst in den Konkurs zu treiben (und damit auch die Vereinigten Staaten).
Das ist der düstere Kern der Angelegenheit, von der niemand zu sprechen wagt.
Derweil sieht auf dem Boden jeder im Lande, wie an den Zapfsäulen die Preise hinter dem Dollarzeichen auf über vier steigen und die Leute stellen mit erschrecktem Blick die zweistelligen Preisschildchen auf gewöhnlichen Supermarktprodukten fest.
Und sie fühlen, wie ihnen das Blut in den Kopf schießt, wenn ein Kassierer bei Wal-Mart feststellt, dass eine bestimmte vorgebrachte Kreditkarte über das Limit belastet ist und wenn es ein paar Fremden in Overalls - nach Auskunft der Nachbarn - gelungen ist, den GMC Sierra auf der Garageneinfahrt kurzzuschließen und mitzunehmen. Die Präsidentschaftskandidaten werden viel haben, über das sie reden können. Ich frage mich, ob sie das wagen werden.