Alle Welt blickt auf Gold. Ein anderer „gelber“ Rohstoff ist nicht im Fokus der Anleger, notiert aber auf Rekordniveau
Von Dr. Mark Skousen in Investoren Wissen
vom 06. Juni 2006 16:00 Uhr
ENL5462
In den letzten zwei Wochen gingen Gold und andere Rohstoffe steil nach unten. Zuvor hatten sie aber einen glänzenden Lauf hingelegt.
Neben Gold gibt es noch einen anderen „gelben“ Rohstoff. Der konnte sich dem allgemeinen Abwärtstrend entziehen und wird wahrscheinlich noch weiter steigen. Ich spreche von Uran.
Heute notiert Uran bei 43 US-$ je Pfund. Gegenüber dem Jahr 2000 ein Anstieg um 437 Prozent. Damals kostete Uran nämlich noch 8 US-$. 2005 überstieg die Nachfrage nach Uran das Angebot um 100 Millionen Pfund. Sehen Sie sich einmal die Preisentwicklung an:
Ich habe zum letzten mal im September über Uran berichtet. Damals sagte ich eine zähe Energiekrise vorher und sagte zu Uran und Kernenergie: Besser und billiger als Kohle, Wasser, Wind oder Brennstoffzellen. Seither legte der Preis für Uran um mehr als 30 Prozent zu.
Sehen wir uns die aktuelle Situation an:
3 Dinge sprechen für einen weiteren Bullenmarkt
1. Der Hauptgrund für den Kursanstieg bei Uran, dem Treibstoff der Kernkraftwerke, ist der starke Anstieg der Nachfrage. Im vergangenen Jahr stieg die Nachfrage auf 250 Millionen Pfund – mehr als doppelt so viel, wie im alten Rekordjahr 1996. In diesem Jahr könnte es sogar noch mehr werden...
Da die USA ihre Abhängigkeit vom Öl aus dem Mittleren Osten reduzieren wollen, zeigt der Trend für Uran weiter nach oben. Die Regierung und die Firmen geben Milliarden für die Suche von Alternativen aus. Auch wenn es Fortschritte bei Solarenergie und Treibstoff aus Bioethanol gibt – die weltweite Energienachfrage kann damit nicht bedient werden.
Kernenergie ist die einzige verfügbare Energiequelle um die steigende Energienachfrage zu befriedigen. Sie könnte der Treibstoff Nummer 1 der Welt werden.
Zur Zeit erzeugen in den USA Kernkraftwerke 19,9 Prozent des Stroms. 17 Prozent sind es weltweit. Die Regierung will weitere Kraftwerke im ganzen Land bauen. Der Anteil der Kernkraft könnte sich so in den nächsten Jahren ganz einfach verdoppeln.
Auch Russland will 24 weitere Atommeiler hinstellen. Die Chinesen planen sogar 30 Reaktoren. Auch in Indien wird die Atomkraft stark ausgebaut. Weltweit sind zur Zeit 160 Kernkraftwerke geplant oder im Bau.
2. An Uran zeigen auch Hedge Fonds immer mehr spekulatives Interesse. In diesem Jahr wurde 25 Prozent des Urans von Hedge Fonds gekauft. Sie sind auch stark an Cameco (NYSE-Kürzel: CCJ), einem der größten Uranproduzenten weltweit, beteiligt.
Spekulative Nachfrage ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Sie kann einen steilen Anstieg der Preise bringen aber auch zu einem instabilen Markt führen. Bei Uran und den Aktien der Produzenten könnte es deswegen zeitweise starke Korrekturen geben.
3. Die Stimmung der Nuklear-Gegner schlägt um
Vergangene Woche änderte der britische Premierminister Tony Blair seine Aussage von 2003. Damals sagte er, Kernkraft sei nicht attraktiv. Vor Vertretern der Industrie im Lande sprach er jetzt davon, dass Kernkraft wieder ganz klar auf der Agenda stehen würde. Kernkraft dürfe angesichts der globalen Erwärmung, der Versorgungssicherheit und der hohen Kosten von Wind und Solarenergie nicht vernachlässigt werden.
Selbst Aktivisten von Greenpeace ändern inzwischen ihre Meinung. Immer mehr sehen in der Kernenergie die einzige kostengünstige Möglichkeit die Treibhausgase zu reduzieren und gleichzeitig eine steigende Nachfrage nach Energie zu bedienen. Viele sind jetzt davon überzeugt, dass Atomenergie ohne Risiken erzeugt werden kann und besser ist, als Solarenergie, Brennstoffzellen usw.
Wie man an steigenden Preisen verdienen kann
Es ist gut möglich, dass die Preise für Uran weiter steigen. Inflationsbereinigt notierte Uran Anfang der 80er Jahre nämlich bei 98 US-$ je Pfund und damit mehr als doppelt so hoch, wie jetzt.
Vor neun Monate, als ich zum erstenmal über Uran schrieb, hat sich Cameco, meine favorisierte Uran-Aktie, fast verdoppelt. Sie kann noch einmal um 100 Prozent steigen. Für Spekulanten eine heiße Sache.
ähnliche Beiträge:
- Maispreis: Auch der "andere" gelbe Rohstoff steigt
- Ein für den Goldpreis bullisher Faktor
- Von Stopp-loss und Abstauberlimit - Teil 2
- Hurrican-Saison steht bevor: Erdgas-Turbo dreht bereits
- Griechen-Votum im Fokus
- Nach der Krise der Bank of America: Anleger „flüchten“ aus Aktien
- Insider im Fokus: Update zu Continental
- Gut frisierte Hedgefonds
- Gold wird wieder interessant
Artikel weiterempfehlen