Alle Wege führen nach Moskau
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 23. November 2006 12:00 Uhr
ENL5462
Wenn es im Jahr 2006 einen universalen Sieger gegeben hat, dann sollten Sie nach diesem nicht im näheren Umfeld von Nordamerika suchen.
Denn der Mann des Jahres ist der russische Präsident Wladimir Putin.
Denken Sie einmal darüber nach. Russland hat sich all den Krankheiten widersetzen können, die heute den Westen plagen. Die Lebenserwartung geht in Russland zwar wegen Alkoholismus, Aids und dem kriminellen Ausmaß der Umweltverschmutzung zu Zeit des Kommunismus rapide zurück. Doch aus Sicht der weltweiten Energie, laufen die Dinge für Russland bestens.
Dank des Sturzbaches an Petrodollar hat Russland nicht nur eine deutliche Vertiefung bei seinen Auslandsschulden erreichen können, es hat auch eine der größten Reserven für Gold und ausländische Devisen weltweit aufbauen können. Russland hat Kontrolle über den Energiemarkt im größten Teil Westeuropas und einem Teil Südeuropas durch das Staatsmonopol Gazprom erlangen können und man hat ein geheimnisvolles Händchen dafür, die Klippen der Eigeninteressen anderer Nationen zu umschiffen, die sich Russland in den Weg stellen.
Und solange es der weltweiten Erderwärmung nicht gelingt, die kalten und dunklen europäischen Winter bis zu Beginn der Weihnachten zu beseitigen, hat Russland Kunden so lange es will.
Auch geopolitisch hat sich Russland als sehr gerissen erwiesen. Man hat es den Amerikanern überlassen, sich im Irak eine blutige Nase zu holen, während man mit dem Iran und Nordkorea weiterhin prächtige Geschäftsbeziehungen aufrecht halten konnte. Tatsächlich übernahm Russland in Teheran und Pjöngjang die gleiche Rolle wie Frankreich in den 1980ern und 1990ern in Saddams Bagdad – und setzte die eigenen Vetomächte gegen die UN Sanktionen zum vollständigen Nutzen für die reifenden Bedrohungen amerikanischer Interessen ein.
In Zukunft werden die Aussichten für Russland wohl noch besser werden: Im Falle eines Rückzugs der Amerikaner aus diesem Gebiet, so wie er während der Wahlkampagnen zur Wahl 2006 von einer ganzen Reihe der Kandidaten der Demokraten versprochen wurde, werden Chaos und Unruhen am Golf die Folge sein... und auf Chaos ist Moskau bislang immer gut gediehen.
Besser noch, ein demokratischer Kongress wird vermutlich keine militärischen Gegenmaßnahmen zu den russischen, chinesischen oder iranischen geopolitischen Ansprüchen einleiten.
Es ist demnach an der Zeit, sich darauf einzustellen: Im Jahr 2007 werden alle Straßen nach Russland führen.
*** ... und die weiteren Aussichten…
Zuletzt habe ich geschrieben, dass die Inflation in Amerika in der nächsten Zeit noch kein Thema ist.
Die amerikanischen Blue Chips haben zuletzt auch entsprechend zugelegt nachdem die Verbraucherausgaben zurückgingen.
Der Verbraucherpreisindex sank im Oktober um 0,5% und konnte damit sein Abschneiden im Monat September wiederholen. Unter Ausschluss von Lebensmittel- und Energiekosten stiegen die Kernverbraucherpreise um nur 0,1% nach einer Zunahme von 0,2% im Monat zuvor.
Gleichzeitig stieg der allgemeine Index der Zentralbank von Philadelphia im November auf 5,1 nach -0,7 im Oktober.
All das sind Anzeichen dafür, dass wir uns, internationale Zwischenfälle, die die Ölvorräte bedrohen einmal ausgenommen, auf einen großartigen Monat November für die Aktien freuen dürfen... und womöglich auf einen noch besseren Dezember.
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