Alle Mann runter vom Strand
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 15. Februar 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Im vergangenen August wurde berichtet, dass die Deflation in Japan einen neuen Rekord erreicht hätte. Die Preise sind schneller als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in 38 Jahren gefallen. Bis November war es die Dauer und nicht die Tiefe, die die Aufmerksamkeit der Presse auf sich zog. Die Preise sind 10 Monate in Folge gefallen. Und in der vergangenen Woche gab es ein Update:
Japans Deflation erreicht eine Rekordgeschwindigkeit", berichtet die BBC. Die Preise in Japan sind schneller eingebrochen als zu irgendeinem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen in den Siebzigern. Die Ebbe hat sich so weit zurückgezogen, dass sich die Strandgutsammler nicht erinnern können, wann es zuletzt so viel Strand zum Absuchen gegeben hätte. Doch das, was dann folgt, wird nicht wie eine Vorhersage dargeboten, sondern nur als Interesse. Ich weiß nicht, wie die Sache ausgehen wird. Könnte es auf eine Hyperinflation hinauslaufen? Vielleicht.
Die Preise brechen in Japan ein. Und der Yen steigt. Und die Regierung nutzt jeden Trick, den sie in den Büchern findet - und einige davon sind immer noch nicht veröffentlicht - um das zu verhindern. Wenn man in der Lage ist, sich Geld von der Zentralbank leihen zu können, dann geben es einem die Zentralbanker fast zinsfrei. Und wenn ihre Kommune eine Brücke haben will, oder eine Gemeindezentrum, dann bekommt man auch das von der japanischen Regierung. Keine Regierung war jemals so großzügig. Zumindest nicht, ohne irgendwann Pleite zu machen. Für jeden Yen, den die Regierung ihren Steuerzahlern abpresst, gibt sie zwei Yen für öffentliche Ausgaben zurück.
Die Anleger müssen denken, dass dieser Trend auf ewig so weitergehen wird. Aber vermutlich denken sie überhaupt nicht nach. Sie verleihen ihr Geld über zehn Jahre an die verschwenderischste Regierung der Welt und verlangen als Gegenleistung lediglich einen Ertrag von 1,310%.
Das Drama an dieser Geschichte ist alt und bekannt. Helden mit Fehlern sitzen in den Zentralbanken der Welt und beim Finanzministerium und denken, sie könnten die Wirtschaft besser führen als die Märkte selbst. Sie sind es beispielsweise, die die Preise für das kurzfristige Geld bestimmen, und nicht die willigen Kreditgeber oder -nehmer. Sie sind es, die die Korrektur auf jedem Meter des Weges bekämpfen. Man will sich auch nicht hinter sie stellen, denn jeder Schuss, den sie abgeben, führt zu einem Rückstoß.
In Frankreich ist die Sparrate als Anteil der Einnahmen in den vergangenen 16 Monaten auf 17% gestiegen - das ist die höchste Sparrate in 27 Jahren. Der Grund dafür ist, dass die Regierung unter Sarkozy in die Fußstapfen Japans und der Vereinigten Staaten tritt, mit einem Defizit von ungefähr 8%... verglichen mit 10% in den Vereinigten Staaten und sogar noch mehr in Japan. Das ist nicht das erste Mal, dass so etwas in Frankreich passiert. Der vorhergehende Anstieg der Sparrate kam, als die Regierung Mitterand in den Achtzigern versuchte, die Wirtschaft während einer Konjunkturkrise in den frühen Achtzigern anzukurbeln. Je mehr eine Regierung versucht, die Ausgaben über Defizite anzkurbeln, desto mehr Menschen versuchen sich selbst durch Ersparnisse zu schützen.
Während sich das Drama überall auf der Welt fortsetzt, ist die Geschichte in Japan am weitesten fortgeschritten. Das soll heißen, dass sich die Zentralbanken in noch größere Schwierigkeiten geritten haben. Martin Wolf von der Financial Times und Richard Koo von Nomura Securitites haben deren Leistungen zugejubelt. Aber während sie versuchten, eine Korrektur im Privatsektor zu unterdrücken, haben die japanischen Zentralbanker die Konjunkturkrise über zwei Jahrzehnte hinaus ausgedehnt und das Land in eine noch tiefere Krise im öffentlichen Sektor getrieben. Und es gibt nichts, was sie dagegen tun können. Ihre fiskalischen Stimuli stimulieren die Wirtschaft nicht mehr. Ihre monetäre Inflation inflationiert nicht mehr. Und jede Quacksalberei, die sie anbieten, bringt den Patienten noch näher ans Grab. Man denkt jetzt vielleicht, dass sie aufgeben. Stattdessen haben sie die Dosis erhöht. Die fiskalischen Stimuli sind auf Rekordniveau, genauso wie die Deflation.
Es ist jedoch die letzte Tatsache, die mich interessiert. Bei einer öffentlichen Verschuldung von fast 200% des Bruttoinlandsprodukts und 700% der Steuereinnahmen, sollte es so lange nicht mehr dauern. Bedenkt man die Erfolgsbilanz, muss man davon ausgehen, dass wir genau das Gegenteil dessen zu sehen bekommen werden, was die Zentralbanker zu erwarten scheinen. Sie zielen auf den ersten Schrei des neugeborenen Wachstums ab. Wahrscheinlicher ist, dass sie es mit dem Schlag der Hyperinflation zu tun haben werden.
Die Japaner waren zuletzt unter den ersten Sparern der Welt. Direkt oder indirekt, haben diese Ersparnisse die Konjunkturbemühungen finanziert. Banken, Rentenfonds, Versicherungsunternehmen - sie alle kauften Regierungsanleihen als eine sichere Möglichkeit, das Ersparte zu bewahren. Die Regierung hat aus diesem aufgesparten Vermögen geschöpft, um die Brücken ins nichts und andere Geldverschwendung auf Staatskosten zu finanzieren. Die Folge ist ein Missverständnis auf dem Weg in die Krise. Die Japaner freuen sich in der Regel immer noch auf einen Ruhestand mit einem Berg von Ersparnissen im Hinterhof. Sie glauben, sie haben ihren Kuchen noch. Die Regierung hat ihn jedoch schon aufgegessen.
Höhere Sparraten führen normalerweise eine Zeitlang zu geringeren Preisen. Die Währungen steigen. Selbst in der Weimarer Republik in Deutschland gab es 1920 eine Phase, in der die Mark gestiegen ist. Fallende Preise sollten beweisen, dass das Geld immer noch da ist. Aber das wahre Geld ist weg. Und dann stellen die Leute plötzlich fest, dass ihre Ersparnisse eigentlich nur Papier sind.
Die Gezeiten ändern sich. Das Vertrauen verschwindet. Die große Welle der angesammelten Ersparnisse trifft auf den Markt wie ein Tsunami. Verzweifelte Menschen versuchen, das Geld los zu werden. Sie wollen etwas Solides, an das sie sich klammern können. Langfristige Anleihen, die der Inflation am stärksten ausgesetzt sind, werden gegen Bargeld eingetauscht.
Bargeld und Regierungssicherheiten fluten den Markt. Die Preise schießen in den Himmel. Die Sparer der Mittelschicht gehen unter. Schwache Schuldner, die in der Flut um ihre Last erleichtert wurden, erben die Welt. Das Gleiche gilt für die Schuldner der Regierung. Und für die gerissenen Spekulanten. Und die Zentralbanker kehren an ihre Schreibtische zurück und kommen auf einen neuen Plan.
ähnliche Beiträge:
- „Unser Mann bei der Fed“ – demnächst James Bullard?
- Dow Jones - Gefangen im Trendkanal
- Die Menschen und ihre Laster – Teil 2 von 2
- Dax - Und jetzt 'ne mehrtägige Konsolidierung
- Analysen sind auch nur Buchstaben…
- Die Welt geht den Bach runter
- Zyklisches Verhalten und die guten alten Psychofallen
- Zur Situation der Immobilienblase in den USA
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Sven (15.02. 2010 08:13 Uhr):
Fuer mich sind die JGB der am meisten gefaehrdetste Bondmarkt mit der flachsten Kurve. Normalerweise gehoeren die Renditen fuer 10 Jahre auf 3-4%
Antworten - Kommentar von helm willysson (21.02. 2010 18:50 Uhr):
hallo, wie veträgt sich die Kritik an den japanischen Konjunkturmassnahmen und deren zu erwartende fürchterliche Ergebnisse (die ich im übrigen teile) mit Bill Bonners "Empfehlung" des nächsten anstehenden 10-Jahrestrend "Japan"??? Bitte um Info bzw. Kommentierung Frdl. Grüße Helm Willysson
Antworten
Artikel weiterempfehlen