Alle Augen sind auf Obama gerichtet
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 26. Januar 2009, 09:09 Uhr
ENL5454
O! Bama!
Seit Dienstag wendet die gesamte Welt ihre müden Augen in seine Richtung.
Obamas Moment ist gekommen", schreibt der International Herald Tribune.
Die Welt braucht Obamas Erfolg", beginnt der Leitartikel der Financial Times.
Die Hoffnung der Welt", schreibt ein Magazin aus Paris... mit einem Photo von Barack und Michele auf der Titelseite.
Nie zuvor haben sich so viele Menschen auf einen einzigen Mann verlassen.
In dem Strudel der Worte und Bilder finden sich zwei Gedanken: Der eine ist ein Gefühl der Leistung und des Stolzes... weil America den Sohn eines Afrikaners an die Spitze gewählt hat. Es ist ein Gedanke, der einen großen Schritt nach vorne für die menschliche Rasse bedeutet. Wir haben uns über unsere Vorurteile hinweggesetzt... und über unsere Vergangenheit. Zumindest behaupten sie das. Zum anderen gibt es eine Erwartung... oder vielleicht auch nur einen Wunsch... dass dieser Mann irgendwie dafür sorgen kann, dass die Weltwirtschaft nicht auseinanderbricht.
Zum ersten habe ich keine eigene Meinung. Ich war noch nie in der Lage, mich in den Geist des Rassismus einzufinden. Um genau zu sein, war er mir immer verdächtig. Die Leute kümmern sich nicht um Rassen, es geht um die Kultur.
Hinsichtlich des zweiten Gedanken habe ich eine ganze Reihe von Meinungen.. unter den meisten davon mussten Sie, liebe Leser, bereits leiden.
Ich wünsche Obama alles Gute. Aber das Wünschen macht die Menschen nicht reich. Dazu sind Arbeit, Sparen, Erfindungen und Glück notwendig. Und Wünsche reparieren auch keine Wirtschaft in einer Zeit nach den Blasen... das kann nur eine Krise erreichen. Das Beste ist, wenn man es einfach dazu kommen lässt.
Doch stehe ich mit dieser Meinung alleine da... genauso wie mit vielen anderen. Jeder wünscht sich, dass die Fehler aus den Jahren der Blase einfach verschwinden... dass die Krise einfach verschwindet. Das funktioniert natürlich nicht so.
Stattdessen werden die Fehler aus der Zeit der Blasen - die auch als die Great Moderation" bekannt ist - an die Regierung unter Obama weitergereicht, zusammen mit den Schlüsseln für die Waschräume. Und jetzt blicken die Leute überall auf der Welt zum Kapitän der Mannschaft... und sie warten auf seine Anweisungen.
Und damit wende ich mich weiteren Nachrichten zu. Die Märkte waren in den Vereinigten Staaten am Montag geschlossen. Aber in Großbritannien war es der schlimmste Tag in Jahren. Und am Tag darauf lagen die asiatischen Märkte im Keller... weil es im Bankensektor Schwierigkeiten gab.
Der Daily Telegraph bezeichnete es als Blue Monday". Die Royal Bank of Scotland hat gerade den größten Verlust in der britischen Geschichte bekannt gegeben - 28 Milliarden Pfund. Der Aktienkurs ist am Montag um 67% eingebrochen - auch damit wurde ein Rekord gebrochen.
Die Regierung unter Brown befasst sich mit dieser Angelegenheit... so wie sich die Regierung unter Obama auf der anderen Seite der Weltkugel mit dieser Angelegenheit befasst. In der vergangenen Woche hat die Bank of Amerika eine Gabe von 138 Milliarden Dollar erhalten. Und Merrill Lynch erhielt Garantien für zweifelhafte Anlagewerte im Wert von 118 Milliarden Dollar. Mit welchen Lösungsversuchen wird die Regierung ihrer Majestät wohl in dieser Woche aufwarten? Welchen Zauberstab wird der Schatzmeister schwingen, um die Krise verschwinden zu lassen?
Ich möchte die Leser daran erinnern, dass die Briten Amerikas nächste Verbündete in den Jahren des Booms waren. Während die amerikanischen Immobilien in die Höhe schossen... sind die britischen Häuser sogar noch weiter in die Höhe geschossen. Und während sich die Amerikaner tief in die Verschuldung stürzten, sind die Leute in Großbritannien noch tiefer darin versunken.
Das waren die Zeiten, in denen die Blasen-Bande das Kapital aus den Banken raubte - und gewaltige Gebühren und Prämien zahlte. RBS steckt beispielsweise in einer Krise, weil die Manager zu einer gewaltige Übernahmen-Einkaufstour aufgebrochen sind - darunter das größte Bankengeschäft in der Geschichte des Vereinten Königreichs, mit dem Aufkauf von ABN Amro für 49 Milliarden Pfund. Jeder Kauf war wie eine Eroberung, gefeiert mit Champagner und Prämien. Aber hatte RBS die 49 Milliarden Pfund? Natürlich nicht. Sie haben sich das Geld geliehen, man hat das Geschäft fremdfinanziert.
Und natürlich fällt es ihnen jetzt, wo die Jahre der Blase vorbei sind, schwer, das geliehene Geld zurückzuzahlen. Fehler müssen letzten Endes doch korrigiert werden.
Und deswegen ist die Regierung Brown eingeschritten. Seit den ersten Rettungen von Northern Rock, bei denen die Regierung mit 55 Milliarden Pfund im September 2007 an den Haken ging, sind die Verbindlichkeiten der Steuerzahler mit jedem weiteren Schritt in die Bankenkrise weiter gestiegen. Im September 2008 waren es Bradford und Bingley, die gerettet werden mussten. Und der gesamte Bankensektor brauchte Kreditgarantien... und ein besonderer Liquiditätsplan wurde im Oktober hinzugefügt... gefolgt von weiteren Versicherungen und weiteren giftigen Anlagewerten", die aufgekauft werden sollten.
Jetzt liegt das Gesamtrisiko bei fast einer Billion Pfund... oder fast 50.000 Dollar je Steuerzahler im Vereinigten Königreich.