Alcoa und ein schwarzes Buch zum Aufregen
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 22. Oktober 2009, 12:00 Uhr
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*** Gerade habe ich mir ein paar Quartalszahlen etwas genauer angeschaut.
Beim Rohstoff-Riesen Alcoa wurden die Zahlen in den Himmel gelobt, Anlass für Anstieg der großen Börsen weltweit.
Alcoa hatte überraschend einen Quartalsgewinn von 73 Mio. Dollar vermeldet, nach einem Verlust von 312 Mio. Dollar im Vorquartal. Auch der Umsatz verbesserte sich um 9% gegenüber dem Vorquartal. Soweit, so gut.
Nun der genauere Blick auf die Zahlen. Und dabei fielen mir einige Dinge auf, die nicht ganz so toll aussehen.
Das ging schon los, als ich die aktuellen Zahlen nicht mit denen des Vorquartals, sondern denen des Vorjahresquartals verglichen habe.
Semantisch ein kleiner Unterschied - der es in sich hat!
Auf einmal nichts mit Umsatzwachstum. Stattdessen: Ein Umsatzrückgang um rund ein Drittel, nämlich 33,8%. (Von 6,97 Mrd. Dollar auf 4,615 Mrd. Dollar.)
Der viel gelobte operative Gewinn von 73 Mio. Dollar ist auch keineswegs berauschend, wenn man ihn mit dem Vorjahreswert vergleicht: Da hatte er noch bei 306 Mio. Dollar gelegen. (Also -76,1%)
Was ich damit sagen möchte: So rosig sieht es nicht aus. Wenn Sie Meldungen der Art „Alcoa überrascht mit positivem Quartalsergebnis" lesen, dann schauen Sie sich mal die Vergleichswerte genauer an. Und zwar nicht nur die zum Vorquartal, sondern die zum Vorjahresquartal.
*** Und was ich mir auch gerade angeschaut habe:
Das „Schwarzbuch 2009" des Bundes der Steuerzahler.
Seien wir realistisch: Da wir alle nur Menschen sind, erwartet keiner, dass bei den Staatsausgaben immer alles vollständig effizient abläuft. Ein gewisser geringer Prozentsatz (Promillesatz wäre mir lieber) verpufft, in „sinnlosen" Ausgaben. Ist ja auch bei jedem persönlich so, nicht wahr.
Doch auch mit diesem Wissen lässt es sich noch gepflegt aufregen. Geht zumindest mir so, beim Blick ins „Schwarzbuch"! Das aktuelle Schwarzbuch 2009 (kostenlos beziehbar bzw. als PDF-Datei herunterladbar) liefert „schöne" Beispiele für bundesdeutsche Steuerverschwendung.
Beispiel gefällig? Die Bundesbank baute von 1999 bis 2001 für 26 Mio. Euro eine Filiale in Gera. Schlüsselübergabe: Februar 2002.
Dazu Zitat Schwarzbuch:
„Nur drei Jahre und einen Monat später im März 2005 schloss die Bundesbank ihr nagelneues Gebäude in der Stadt. Begründet wurde die Schließung mit Strukturveränderungen der Bundesbank und Gesetzesänderungen 2002 zur rationelleren Aufgabenerfüllung. Wegen der Automatisierung von Bankdienstleistungen, Konzentrationen im Bankgewerbe und des Kompetenzübergangs auf die Europäische Zentralbank müsse die Filialstruktur angepasst werden. Doch die Gründung der Europäischen Zentralbank und die Einführung des Euro wurden Mitte der neunziger Jahre beschlossen und damit waren Strukturveränderungen absehbar."
Und so weiter, und so fort. Das Schwarzbuch listet zahlreiche konkrete Fälle von Verschwendung von Steuergeldern auf.
Dank an den Bund der Steuerzahler für seine akribische Aufklärungsarbeit! Für einen „eingetragenen Verein" eine feine Sache im Dienste der Allgemeinheit. Auch wenn eine vollständig effiziente Verwendung der Steuergelder unrealistisch ist - möge die Verschwendung auch aufgrund der Veröffentlichungen des Schwarzbuches von Jahr zu Jahr sinken.
Mit herzlichem Gruß,
Steuerzahler Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Jannis Vassilatos (22.10. 2009 15:13 Uhr):
Lieber Herr Steuerzahler Vaupel! Ich mag Ihre Art zu schreiben, heute jedoch musste ich verwundert meine Augen reiben. Wo Sie sonst kein Blatt vor dem Mund nehmen, schreiben Sie heute: "möge die Verschwendung... von Jahr zu Jahr sinken." Ich musste innerlich lachen, weil ich zum Glueck kein Deutscher bin. Die Deutschen gelten in meiner Heimat u.a. als Muster an Disziplin und Gehorsamkeit. Wohl deswegen ist die BRD ein reiches Land. Die Kehrseite allerdings ist, dass sich bisher niemand wagt die Verbrecher, pardon, die Verschwender ernsthaft rechtlich zu belangen. Verschwender gehoeren auf die Anklagebank und sollen Schadensersatz leisten. Mit den besten Wuenschen J. Vassilatos
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