Albträume leicht gemacht
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 02. August 2007 07:30 Uhr
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Simbabwe ist ein wirtschaftliches Höllenloch. Die Inflation beläuft sich auf Tausende Prozent im Jahr ... die Wirtschaft bricht zusammen ... und der Aktienmarkt steigt wirklich schneller als irgendein anderer weltweit. Doch Simbabwe ist immer noch einen Blick wert, denn das Land erinnert uns daran, was Wohlstand in Wirklichkeit ist, und das – unter den richtigen Umständen – jeder einen Traum in einen Alptraum verwandeln kann.
„Im amerikanischen Alptraum leben“, lautet eine Schlagzeile bei SFGate.com. Der Artikel berichtet über die mittlerweile bekannte Geschichte. Die Leute kaufen Häuser und verwenden dazu Hypotheken, bei denen sie keine Anzahlung machen müssen. Jetzt steigen ihre monatlichen Raten und sie können sie nicht mehr bezahlen.
Die Zwangsversteigerungen sollen auf dem höchsten Niveau in 30 Jahren liegen. Kalifornische Hausbesitzer geraten in „Schleuderkurs“ schreibt das TIME Magazin. In San Bernardino sind die Zwangsvollstreckungen beispielsweise im zweiten Quartal des Jahres um 987% gestiegen.
Und hier ist ein Zeichen der Zeit vom anderen Ende der Küste. In Baltimore pflegte man einst kleine Schilder entlang der Schnellstraßen zu erblicken, auf denen stand: „Refinanzieren Sie Ihr Haus“, heute steht auf diesen Schildern: „So entgehen Sie der Zwangsversteigerung.“
Ist das Problem mit dem unteren Kreditmarkt Vergangenheit … ist es “unter Kontrolle”? Wenn ja, dann hat dem Aktienmarkt noch niemand etwas davon gesagt. Hovnanian, der größte Bauunternehmer des Landes, ist bislang um 83% eingebrochen ... und fällt weiter.
Doch kehren wir zu dem zurück, was wir von Simbabwe lernen können …
Wahrer Wohlstand besteht weder darin, mehr Geld zu haben, noch höher ausgezeichnete Aktien zu besitzen. Wahrer Wohlstand ist angehäuftes Kapital – Gebäude, Werkzeuge, Fabriken ... und die Fähigkeit zu wissen, wie man es anwendet. Wohlstand kann auch Geld sein – aber nur dann, wenn dieses Geld echtes, nützliches Kapital repräsentiert. In Simbabwe ist der landeseigene Dollar maßlos gestiegen. Aber das wirkliche, nützliche Kapital des Landes verschwindet schnell – es wird gestohlen, zerstört, vernachlässigt, neu verteilt, verbraucht oder exportiert. Unter diesen Bedingungen sind Anstiege der Aktienpreise leer; der Aktienmarkt in Harare wurde zu einer Art Phantasiecasino, an dem die Leute so tun, als würden sie reich, indem sie gegeneinander wetten.
Als der amerikanische Aktienmarkt im Januar 2000 seinen Höhepunkt erreicht hatte, wirkte es auf mich so, als hätten wir die Spitze gesehen. Aktien neigen eigentlich nicht dazu, dass sie einen weiteren Gipfel erreichen, nachdem sie gerade erst einen anderen verlassen haben. Und selbst wenn sie es tun, dann handelt es sich nicht um einen Gipfel, den Sie besteigen sollten. Er ist zu tückisch. Man verdient Geld, indem man günstig kauft und teuer verkauft. Oder, mit anderen Worten: Beginnen Sie mit ihrer Klettertour in einem Tal, hier unten ist es sicherer ... und der einzige Weg führt nach oben. Während sie hinaufsteigen wird es gefährlicher. Man muss dann tiefer fallen. Irgendwann werden sie den Pfad dann endgültig verlassen wollen.
“Warum sollte man sich über so etwas Gedanken machen?”, fragt sich Chris Mayer, „Sie können sich doch sicher sein: Wenn die Wall Street über eine Aktie spricht, dann ist es in ihrem besten Interesse, ihr keinerlei Beachtung zu schenken. Mein einfaches Mantra lautet: Sie werden nie Geld verdienen, wenn sie die leichten Aktien kaufen, die an der Wall Street gekauft werden.“
„Wissen Sie, Broker und Berater neigen dazu, Aktien zu empfehlen, wenn sie sich hundertprozentig sicher sind, dass sie steigen. Dass nennt man Momentum. Sie suchen nach Aktien, die seit einer Weile gestiegen sind und hoffen, dass sie auch weiterhin steigen. Und ich könnte darauf wetten, dass 99% der Berater nicht in der Lage sind, eigenständig zu denken.“
“Indem sie in die sogenannten ‘Momentum-Aktien’ investieren, verpassen sie bedeutende Gewinne. Diese ‚beliebten’ Aktien haben ihren Preisanstieg schon hinter sich und der Rest der Wall Street ist mit den verbleibenden, mageren Gewinnen zufrieden.“
Seit 2000 haben die Angestellten bei der Zentralbank alles daran gesetzt, eine wirkliche Korrektur zu verhindern. Sie haben den Verbrauchern und den Spekulanten neues Geld im Wert von Billionen von Dollar gegeben. Das Problem mit diesem Geld war das gleiche Problem wie das Problem mit dem Geld, das von der Zentralbank in Simbabwe kommt – es stellt kein wirkliches Kapital dar. Es ist einfach nur Papiergeld. Es hat keinen wirklichen Wert.
Von nichts, kommt nichts, sage ich manchmal. Aber wer kümmert sich schon darum, was ich sage? Die Flut an Liquidität sorgte bald dafür, dass alle Boote auf dem Planeten obenauf schwammen – die Aktien, die Immobilien, die Flugzeuge, die Gemälde – die großen, aufgemotzten Schiffe fingen schon bald an, gegeneinander zu stoßen. Alle wurden reicher – oder zumindest dachten sie das. Und wer hätte darüber streiten wollen? Die Leute hatten mehr Geld ... sie konnten mehr kaufen. Wo liegt also das Problem?
Das Problem ist, dass der Boom trügerisch war … zumindest weitestgehend … oder weitestgehend im Westen. Es war ein Ersatz-„Crack Up Boom“ der durch eine monetäre Inflation und durch Spekulation ausgelöst wurde. Es war ein Wohlstand von der Sorte „wie gewonnen, so zerronnen.“ Nicht der echte Wohlstand.
„Deswegen halte ich nach solchen Aktien Ausschau, die schwitzen – die reich sind an greifbaren, physikalischen Anlagewerten die den Aktienpreis stützen und die Geld ausschwitzen.“
Und jetzt stehen wir hier und sehen die Sache schon klarer. In der vergangenen Woche erlitt der amerikanische Aktienmarkt die schlimmste Woche seit fünf Jahren. Und raten Sie mal, was am Ende der Woche passierte. Der S&P lag tatsächlich UNTER dem Hoch, dass er im Januar 2000 erreicht hatte. Passt man das an die Inflation an, haben die Anleger am Aktienmarkt – im Schnitt – 20% bis 30% ihres Geldes in den vergangenen siebeneinhalb Jahren verloren.
Danach sollte die Wall Street etwas kribbeliger sein. Vielleicht werden die Preise steigen. Vielleicht werden sie fallen. Doch darum geht es kaum. Die Aktien müssen wieder zurück ins Tal ... und bis sie dort angekommen sind, bin ich nicht an ihnen interessiert.