Alan Greenspan hat gesprochen!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 22. April 2004 18:00 Uhr
ENL5454
"Es ist ziemlich offensichtlich, dass die Preisgestaltungskraft graduell wiederhergestellt wird und – wie ich morgen zeigen werde – die Drohungen einer Deflation, die für ins im letzten Jahr Anlass zu signifikanter Sorge waren, für uns kein Thema mehr sind."
Nun haben wir es also hinter uns: Alan Greenspan hat sich Fragen des Banking-Komitees des US-Senats stellen müssen. Es war eine gute Möglichkeit für ihn, eine solche Bemerkung wie die gerade zitierte fallen zu lassen.
Er hat keine Ahnung. Aber keinem der Leute, die ihn befragten, fiel das auf. Selbst wenn sie seinen Kopf in eine Schlinge gesteckt hätten und sie so eng gezogen hätten wie möglich, hätten sie keine anderen Aussagen aus ihm rausbekommen: Greenspan weiß auch nicht mehr als wir alle.
Mr. Greenspan hat die ganze amerikanische Nation dazu verleitet, sich zu verschulden. Und Menschen, die hochverschuldet sind, lieben die Inflation- weil die steigenden Preise sie von ihren finanziellen Verpflichtungen befreien.
Was der Schuldner fürchtet, ist die Deflation – eine sinkende Wirtschaftskraft und der steigende Geldwert, da diese Faktoren es ihm erschweren, seine Schulden zurückzuzahlen. Mit den niedrigsten Zinsen seit fast einem halben Jahrhundert und einer Arbeitslosigkeit, die bei nur 6 % liegt, hat die Zahl der Pleiten im Augenblick fast einen Rekordstand erreicht. Stellen Sie sich nur vor, wie die Wähler erst heulen würden, wenn die Arbeitslosigkeit bei 10 % läge ... und die Preise fallen würden!
Wie können die Götter auf eine solche Einladung zur Ironie verzichten? Sie ist ihnen auf einem goldenen Tablett mit seinen Initialen – A.G.- überreicht worden. Nur wenige Minuten nach Greenspans Siegesverkündigung trat der Feind – nämlich die Deflation – in die nächste Runde. Der Dow Jones sackte um über 100 Punkte durch, und bei den Ableihen war ebenfalls die Luft raus. Sogar das Gold fiel ... aktuell steht es bei Kursen um 391 Dollar. Auf der anderen Seite stieg der Dollar – genauso wie der Ölpreis.
Die Welt der Inflation ist eine Welt, in der alles teuer wird und die Währung im Gegenzug nichts mehr wert ist. Schuldner freuen sich bei einer Inflation.
Ist Gold teuer? Nun, im Vergleich zu einem neu gekauften Anzug nicht; es ist nur so teuer, wie es sein sollte. Ist Öl teuer? Nicht, wenn man es mit den Kosten eines Neuwagens vergleicht. Gold und Öl sind nur dem bescheidenen Aufwärtstrend von Konsumentenpreise gefolgt.
Aber Aktien und Immobilien sind in einigen Gebieten weniger bescheiden. Für eine Feinunze Gold hätte man in 1980er Jahren vier Anzüge bekommen; jetzt kriegt man dafür gerade mal einen Anzug. Aber ein Korb voller Dow Jones-Aktien – der zur selben Zeit ebenfalls vier neue Anzüge bezahlt hätte – finanziert heute einen Schrank voll von ihnen. Sagen wir mal 25 neue Anzüge, so meine Schätzung.
In einer deflationären Periode – wer wird da mehr fallen, Gold oder Aktien?
Meine Einschätzung: Aktien und Immobilien – die Anlagekategorien, die in den USA durch die Inflation am meisten gefördert wurden – werden in der großen Deflation auch am meisten fallen. Alan Greenspan sagt, dass man sich wegen einer Deflation keine Sorgen zu machen brauche. Wie sie schon in der Sowjetunion sagten: "Man soll nichts glauben, bevor es nicht offiziell dementiert wird." Jetzt, wo die Deflation lauf offizieller Aussage kein Problem mehr sein soll, da ist meine Einschätzung, dass sie ein großes Problem sein wird.
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