Aktueller Trend am US-Staatsanleihenmarkt
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 5. Oktober 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
wie Sie wissen, bin ich langfristig auf den US-Dollar sowie für US-Staatsanleihen (=US-Treasuries) bärisch. Dies hat vor allem fundamentale Gründe, allen voran die maßlose US-Verschuldung, die Monetarisierung der US-Treasuries und die damit einhergehende Überschwemmung der Finanzmärkte mit ungedecktem Schrottgeld.
Jedoch sollte man neben einer fundamentalen stets auch auf eine technische Sichtweise zurückgreifen. Hierbei ist es natürlich ideal, wenn fundamentale Makrotrends durch die technische Analyse bestätigt werden.
Aber (wie Sie ja sicherlich wissen) hat jeder langfristige Trend auch Phasen, in denen er zumindest mittelfristig in die Gegenrichtung läuft.
Genau das scheint aktuell am Markt für US-Staatsanleihen der Fall zu sein. In den letzten 4 Wochen hat sich hier ein mittelfristiger Trendwechsel vollzogen, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
Abb: Aktueller P&F Chart des US-ETFs (TLT)
Im oberen Point & Figure Chart erkennen Sie den Verlauf des US-ETFs mit dem Kürzel "TLT", welcher die Entwicklung der 20-jährigen US-Staatsanleihen nachbildet und den ich hier stellvertretend für alle langläufigen US-Treasury-Bonds analysieren werde.
Von Januar diesen Jahres bis Ende August 2009 befand sich der US-ETF in einem klaren Abwärtstrend. Anfang April 09 kam es an der Marke von $98 zu einem P&F-Verkaufssignal und TLT fiel von seinem Hoch im Dezember 08, rund 25% (Tiefpunkt im Juni 09 bei ca. $87).
Anfang September 2009 hat TLT seine BRL gebrochen und letzte Woche mit einem doppelten Kaufsignal diesen Trendwechsel bestätigt.
Abb.: Wochen-Chart des US-ETFs TLT
Auch der MACD hat im Wochenchart ein klares Kaufsignal aus einem stark überverkauften Bereich gegeben. Wie Sie im obigen Chart erkennen können, haben die letzten beiden MACD-Signale sehr zuverlässig und frühzeitig die folgenden Bewegungen angekündigt.
Auch der FORCE-Indikator hat bereits Anfang August in den grünen Bereich gedreht, und bestätigt somit das mittelfristige, bullische Bild für die US-Staatsanleihen.
Abb.: Tages-Chart des US-ETFs TLT
Vor allem in der letzten Handelswoche stiegen die „Langläufer" stark an. Der RSI hat mit einem Wert von 70 schon wieder die rote Zone erreicht. Zumindest kurzfristig lässt dies auf eine Konsolidierung am US-Staatsanleihenmarkt schließen. Ein „Rückpraller" auf die Unterstützung von $97 scheint bei TLT nicht unwahrscheinlich.
Sehr interessant sieht übrigens auch das folgende Wochenchartbild des Verhältnisses zwischen den langlaufenden US-Treasuries und dem S&P 500 aus (dargestellt mit dem US ETFs TLT vs. SPY):
Abb.: Wochen-Chart des Verhältnisses TLT/SPY
Im August 2008 stieg dieses Verhältnis aufgrund des Herbstcrashs an den Aktienmärkten und anziehender Staatsanleihen stark an. Im Zuge der jüngsten Rally fiel es auf das Verhältnis von ca. 0.90 zurück.
In den letzen beiden Wochen wurden die blau eingezeichneten Trendlinien im Chart und beim RSI nach oben hin durchbrochen. Der MACD gab ebenfalls ein Kaufsignal, und das wiederum aus einem stark überverkauften Bereich.
Sollten sich dieser Trend fortsetzen, so ließe sich mit dem Shorten von US-Aktien und dem Kauf von Treasuries in den nächsten Wochen entsprechend Geld verdienen.
Der Zyklikchart der Internetseite www.seasonalcharts.de bestätigt den jüngsten Anstieg der US-Staatsanleihen. Bis Ende des Jahres sollte aus „Zyklensicht" weiterhin Geld in diesem Markt fließen.
Abb.: Zyklikchart des US-Bond Futures (www.seasonalcharts.de)
Zwischen den Zeilen lesen...
Warum fließt seit Wochen Geld in US-Staatsanleihen obwohl die USA in sehr hohem Maße Staatsanleihen in sehr großen Dimensionen emittieren?
Eine Möglichkeit wäre, dass Ben Bernanke still und leise das Programm zur Monetisierung der US-Staatsanleihen (=Quantitative Easing) sukzessiv aufgestockt hat.
Für viel wahrscheinlicher halte ich jedoch die Möglichkeit, dass große institutionelle Anleger ihre Aktienbestände mit dem Kauf von US-Treasuries etwas hedgen bzw. zunehmend skeptischer gegenüber der fundamentalen Lage der US-Wirtschaft werden. Sollte es nämlich zu einer größeren Korrektur an den Aktienmärkten kommen, werden mit großer Wahrscheinlichkeit amerikanische Staatsanleihen davon profitieren.
Bill Gross, Co-CEO der Investmentfirma PIMCO, welche u.a. den weltgrößten Rentenfonds verwalten, hat gerade erst auf Bloomberg angekündigt, dass aus seiner Sicht die Aktienmärkte in den vergangenen Monaten zu stark angestiegen sind und er aufgrund eines möglichen Deflationsszenarios seit August kräftig Staatsanleihen eingekauft hat.
Ob hinter seiner Ankündigung ein taktischer Hintergedanke steht oder ob Gross es tatsächlich so meint, wie er es sagt? Wer weiß. Verlassen wir uns deshalb statt auf Spekulation lieber auf die technische Analyse, denn jeder größere Trend lässt sich hier frühzeitig erkennen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Handelswoche.
Beste Grüße
Alexander Hahn




