Aktuelle Einschätzung zum Basiswert Erdöl
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 22. September 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
Trader´s Daily-Leser Günter R. schrieb mir diese Zeilen:
"Ich habe eine Frage zu einem Basiswert ICE Brent Crude Futures (BRN) - ICE/C1. Es geht um den Kauf eines Long-Zertifikats auf diesen Basiswert und ich würde gerne wissen, ob bei diesem Wert auch gerollt wird und hierdurch Rollverluste entstehen können?"
Meine Antwort:
Auch bei Long-Zertifikaten auf Brent Crude Oil ist die Thematik „Rollen" relevant. So ist es auch hier.
Denn wie sollte es auch anders gehen?
Bedenken Sie: Ein Long-Zertifikat hat keine Laufzeitbegrenzung (allerdings Kündigungsrecht des Emittenten).
"Den" Preis für Rohöl der Marke Brent gibt es nicht. Wenn in den Nachrichten vom „Ölpreis Brent" die Rede ist, dann ist dies der Preis des nächstfälligen Futures.
Und da jeden Monat ein Future ausläuft, wird bei Long-Zertifikaten standardmäßig auch jeden Monat in einen länger laufenden „gerollt".
Und dann ist es ungünstig, wenn der Futures, aus dem heraus „gerollt" wird, billiger ist als der Future, in den hinein gerollt wird (der also gekauft wird). Langjährige Trader´s Daily-Leser(innen) wissen, wie das im Fachjargon heißt: "Contango" und können diesen Begriff entsprechend bei Kneipen- oder Kaffee-und-Kuchen-Gesprächen zum Thema Traden mit Rohstoffen anbringen.
Schauen wir mal: Der November Future Brent notiert bei aktuell rund 71,30 Dollar. Der Preis des Dzember Futures Brent steht bei 72,00 Dollar.
Wenn heute gerollt würde, dann würde der Future für 71,30 Dollar verkauft und der für 72,00 Dollar verkauft. Es gäbe einen gewissen „Rollverlust". Um den kommen Sie derzeit also auch nicht bei Brent Crude Oil herum.
Übrigens: Beim Thema „Öl" halte ich mich derzeit völlig zurück, rate ich auch Ihnen. Die US-Terminbörsenaufsicht (CFTC) möchte den Handel mit Öl-Futures stärker regulieren. Dies vor dem Hintergrund, dass zuletzt der Handel von „Kommerziellen" mit Öl-Futures (also von Adressen, welche Öl wirklich beziehen oder verkaufen möchten) gegenüber dem spekulativen Handel in die Minderheit geraten ist.
Durchaus möglich, dass der spekulative Handel mit Öl-Futures da erschwert wird (fände ich übrigens gar nicht verkehrt!). Und dann könnte es auch mit Zertifikaten auf Öl-Futures Probleme geben. Wie ich von meinem Kollegen Andreas Lambrou eben gehört habe, hat genau deshalb die Deutsche Bank auch schon einen Ölfonds vom Markt genommen.
Nichts Genaues weiß man nicht. Da ich den Ölpreis derzeit aber ohnehin in einer eher „neutralen" Zone sehe, lasse ich aktuell von Öl-Zertifikaten die Finger.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Otto Aba (22.09. 2009 21:19 Uhr):
gut verständlich. vernünftige Bewertung. D ie überschießende Ölspekulation soll-te sich nicht wiederholen können.
Antworten - Kommentar von Günter Hinrichs (01.10. 2009 18:17 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, mein Kommentar kommt urlaubsbedingt ein bisschen spät, vielleicht aber nicht zu spät. Wenn Sie den Ölpreis, wie Sie schreiben, derzeit in einer eher neutralen Zone sehen, wie wäre es denn dann mit einem Korridor-Produkt, entweder Optionsschein oder Bonus-Zertifikat? Damit kann man gut verdienen, und es gibt keine Rollverluste, wenn man ein Produkt auf den nächstliegenden Future kauft. Freundliche Grüße Günter Hinrichs
Antworten
Artikel weiterempfehlen